Kitap back
(Erläuternde Stellen aus dem gleichzeitigen Arislojihanes.)
Zu Buch I. Kap. US. Die großartige Auffassung, mit der That. die Ursachen des Kriegs entwickelt, war natürlich nicht Sache aller Gleichzeitigen; eine kleinlich pragmatifirende Verknüpfung kleiner Ursachen und großer - Wirkungen ist immer der Mehrzahl eigenthümlich. Eine solche Auffassung der Ereignisse, welche den pelop. Krieg herbeiführten, legt Aristophanes (Acharner V. S09 ff) einem Bauern in den'Mund: — Die Sparter Hass' ich, — mag Poseidon, Ihr Gott auf Tainaron, mit einem Erdstoß Die Häuser allen aus die Köpfe schmettern! Auch meine Reben haben sie verwüstet. Indeß, warum — ich rede hier vor Freunden — Verklagen wir die Sparter ganz allein? Zn unsrer Mitte, Bürger — nicht das Volk, Bei Leibe, nein, ich meine nicht das Volk — Hier, sag' ich, gab es Bursche — schlechte Münze, Verrufnes Lumpengeld, hier eingeschwärzt: Durchschnüffelt haben die den Megarern Die Jacken; wo sie eine Gurke sahn, Ein Häschen, Ferkel, Knoblauch oder Salz, - 'Gleich war'S „ans Megara!" und konfiScirt Doch das sind Betteiei'n und hier nichts Neues. Nun stahlen junge Bursche, die zu viel Getröpfelt, die Simaitha weg, die Metze, Aus Megara; in brünstigem Knoblauchschmerz Entführten drauf die Megarer zwei Huren Aspasiens. So brach das KriegSgewitter Denn los in Hellas dreier Metzen wegen. PerikleS, der Olympier, warf im Zorn , Mit Blitz und Donner Hellas durcheinander, ThukydidtS. IX 22
Zu Buch IV. Kap. 21. Die zu'PyloS bedrängten Lakedämonier machen Frtedensanträge und werden abgewiesen. Vgl. Ariftophanes, Frieden V. 212 ff. — wenn der Lakonerling Ein wenig Vorsprung hatte, sprach er trohiglich: Bei den Dioskuren! Büßen soll'S das Athenerlein! Und wieder, stand es gut mit dem Attikonerling, Und kamen dann die Lakoner Friedens halber her. So sagtet ihr ohn' Weit'reS: „Berücken will,man uns, „Ja, uns, bei Athene! Nein, bei Zeus, man'höre nicht! „Wenn wir Pylos haben, kommen sie wieder; zweifelt nicht!"
Zu Buch V. Kap. 14 und folgende. Friedensschluß am Z4. April 42t. Schon in den Acharnern, die 425 aufgeführt wurden, hatte Ariftophanes den Frieden angepriesen. V. 987 ff. läßt er den Bacru Dikaiopolis ausrufen: Traute Gespielin der Kypris und Der holdseligen Chariten, Meine Göttin, Eintracht!
Daß dein reizendes Gesichtchen mir so lang verborgen blieb Ist denn kein EroS, uns liebend zu einen, wie Jener gemalte, geschmückt mit dem Blumenkranz? Aber du meinst vielleicht, daß ich zu alt für dich ? ' Hab' ich dich nur, dann mach' ich noch dreierlei: ' ' Rebenfetzlinge leg' ich in Furchen ein, FeigenschößUnge pflanz' ich die Reihn entlang, Ranken um's ganze Haus, ja, und so alt ich bin; Rings um mein Gut her zieh' ich Oliven, daß Wir zum Neumond uns, mein Liebchen, salben können, ich und du.
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Wenige Tage vor dem Friedensschluß, am Fest der großen städtischen Dionysien, ließ Ariftophanes seinen Frieden aufführen. Hier wird der Krieg in der Gestalt eines Mistkäfers von ungeheurer Größe eingeführt, dem viele Hände ununterbrochen das Futter rächen müssen. V. St: Schling' zu, du Bestie, höre mit Fressen nimmer auf, Bis du es am Ende selbst nicht merkst, daß der Bauch dir platzt! Wie das Ungethüm da vorgeduckt hinunterwürgt, Wie ein Boxer den Kinnback gierig hin und her schiebt, Und dazu den Rüffel und seine beiden Tatzen vorn So hastig tummelt, wie wenn der Seiler mit Zahn und Hand Die große Kabel für ein Schiff zusammendreht. Ein scheußlich, stinkend, giergefräßig Wesen das!
Die Friedensgöttin mit ihren Begleiterinnen, der Frucht in lFruchtspenderin) und der. Festfeier, sind durch die Kriegspartei in einen Abgrund gestürzt und sollen jetzt durch die Anstrengungen des gesäumten Hellas wieder heraufgezogen werden. V. 291: Nun ist es uns Hellenischen Männern wohl geziem, Von allem Krieg und Kriegesdonner endlich frei, Die allgeliebte Göttin Frieden herauSzuziehu,, Eh' eine neue Mörscrkeul' uns wieder malmt. Drum auf, ihr Laudleut' und Gewerk- und Handelsleut' Und Leute der Kunst, ihr Schutzqeuofsen und Fremdlinge, Und von den Inseln kommt ihr Völker allzumal Nehmet schleunigst Hack' und Spaten, Hebebaum und Tau und Strick! Jetzt ja gilt's auf unser Wohlsein, Freunde, einen tüchtigen Ruck?
Aber nicht Alle ziehen an. Die Athen. Kriegspartei, dargestellt durch den Feldherrn Lamachos in voller Rüstung und mit dem Gorgonenschild, stellt sich in den Weg. V. 473: 's ist schändlich, LamachoS, daß du uns so im Wege sitzst; Und, Liebster, deinen Spuk im Schild, den brauchen wir nicht!
Die Argiver zeigen sich gleichfalls hinderlich: Auch hier die Argiver ziehen längst schon nicht mit an, Sie verlachen lieber die hier sich Strapatzirenden, Sich hüben und drüben ruhig söldnernd ihr gutes Brot!
Die Megarer ziehen wohl an, können aber vor Erschöpfung Nichts leisten: Auch da die Megarer schaffen Nichts; doch ziehen sie, Gleich jungen Hunden an Knochen zerrend, so kümmerlich, Vor all dem Hunger schon, bei Gott! ganz abgezehrt.
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Doch gelingt? endlich der vereinten Anstrengung der wahren Friedensfreunde, die Göttinnen emporznzichen. Frnchtin und Festfeier werden begrüßt V- St9: O hehre Traubenspenderin, wie grüß' ich dich! Wo sind' ich gleich ein tausend Weinsaßkelterwort, Dich anzureden? Denn zu Hause blieb mir keins! O Gruß dir, Fruchtin! Feier, tausend Grüße dir! Und was du, o Feier, für ein schön Gesichtchen hast! Und wie du duftest, süß, mir bis in's Herz hinein, So wundersüß, wie lauter Narden und Kriegesend!
— Und ganz und gar nicht einem Kriegsknechtsranzen gleich.
— O pfui vor so eklen Knechtes ekelstem Sack nnd Pack! Da riecht ja Alles kalten Knoblauchsrülpsgestank! Hier aber Ernte, Frendenmahl, DionysoSfest, Mußt, Tragödien, Sophokles-Lied, Krammtsvögelchen
Zur Friedensgöttin wird gebetet V. 970: Jetzt zeig' du, in Ehren bereit, Dich in voller Gestalt uns Liebenden dich, Die wir sehnsuchtsvoll schon dreizehn Jahr Nun schmachten nach dir! O löse den Kampf und den Schlachtentumult, Heiß' uns Kampflöserin fürder! Auch schaffe bei uns die Verdächtigung ab, Die Gefahrprahlerin, Die wir floskelnden Zanks auf einander gehetzt; Und mische du uns, den Hellenen zumal, Wie eS Anfangs war. Des Vertrau'us Balsam, und kühle den Wein Des zu feurigen Sinns mit mildem Verzeih». !
über Leben und Schreibart des Thukydides').
Nachdem wir nun eingeweiht sind in des Demosthenes göttliche Reden und Redekämpfe, und erfüllt und znr Genüge gesättigt an der Weisheit, die aus seinen berathenden, wie aus den gerichtlichen Reden spricht, ist jetzt noch übrig, daß wir auch des Thukydides Weihen aus uns nehmen; denn groß ist der Mann an Kunst und Schönheit der Reden, wie durch Genauigkeit in den Thatsachen, durch Rathschläge, des klugen Feldherrn würdig, wie durch Volks- und Lobreden. Zuvörderst aber müssen wir über Geschlecht und Leben des Mannes berichten, denn wer mit Einsicht zu Werke geht, muß erst hierüber seine Untersuchungen anstellen, bevor er die Werke selbst prüfend betrachtet.
Der Geschichtschreiber Thukydides hatte den Oloros zum Vater, der seinen Namen überkommen hatte von Oloros, dem Thrakerkönig; seine Mutter war Hegesipyle, und zu seinen Vorfahren gehörten höchst berühmte Feldherren, Männer wie Miltiades und Kimon und ihre Zeitgenossen. Von Alters her nämlich hatte sich sein Geschlecht abgezweigt von dem des Feldherrn Miltiades; Miltiades aber stammt ab von Aeakos, dem Sohn des Zeus. So erhabener Abkunft aus ältester Zeit rühmt sich unser Geschichtschreiber! Zeugniß dafür gibt 1) lieber MarkellinoS ist Nicht? bekannt. Die Schrift selbst besteht, wie sie vorliegt, wenigstens aus drei Aussätzen verschiedener Bersasier (Kr.), die einander in Mangel an geschichtlichen! Sinn und in schwächlichem Urtheil nicht viel nachgeben. Das wenige Wahre ist aus einem Hausen Spreu herauszusuchen. Didymos, welcher sagt, daß PherekydeS im ersten Buche seiner Geschichten also schreibt:
„Philaias, des AiaS Sohn, wohnte in Athen. Dieser zeugte den Dai'kloS, der den Epidykos, der den Akestor, der den Agenor, der den Olios, der den Lykes, der den Typhon, der den Lai'oS, der den Agamestor, der den Tifandros, der den Miltiades, der den Hippo-kleides, unter dessen Archontat die Panathenäen eingeführt wurden, der aber den Miltiades, welcher den ChersonesoS kolonifirt hat."
Dasselbe bezeugt auch Hellanikos in dem Kapitel, welches AsoviS überschrieben ist. Aber wird nicht Einer sagen: was hat das mit Thukydides zu thun? Nun, er ist, wie im Folgenden gezeigt wird, sein (des Miltiades) Verwandter.
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Der Thrakische Stamm der Dolonter führte Krieg gegen die Apstnthier, ihre Nachbarn. Da sie aber unglücklich waren in diesem Kriege und immer von ihren Feinden geschlagen wurden und also jegliches Unheil über sie erging, so nahmen sie ihre Zuflucht zum Orakel des Gottes, denn sie wußten, daß die Gottheit allein Auswege findet aus verzweifelter Lage; und auch AeschyloS sagt ja, daß des GotteS Macht über AlleS erhaben ist, der die Wolke schweres Unheils, wenn sie auch schon die Augen bedeckt, wieder entfernt ^). Und sie täuschten sich nicht in ihrer Hoffnung; denn sie erhielten den Spruch: sie würden den trefflichsten Führer finden, und zwar in dem Manne, der sie, die Umherirrenden, gastfreundlich einladen werde. s^DieS geschah zu der Zeit, als KrösoS über Lydien herrschte und zu Athen die Gewaltherrschaft der Peisistratiden bestand.^ Als sie nun vom Orakel nach der Heimat zurückgingen, trafen sie auf den Miltiades, der vor der Thüre seines Hauses saß, erzürnt und bekümmert über die Gewaltherrschaft und nachsinnend, wie er Attika verlassen könnte, ohne das Gesetz zu verletzen. DieS hatte aber der weissagende Gott zu ihrem Besten also gefügt. Da er sie nun im Auszug? umherirrender Leute sah und wohl wußte, waS es heißt, in der Irre fahren zu müssen, so lud er die Männer in die Gastfreundschaft seines HerdeS, indem er so, ohne es zu ahnen, dem Willen des Orakels diente. Die 2) Pherekyde», nicht der Syrier, sondern der Lerler oder Athener. (Popp» ) 3) Vergl. AeschyloS, Sieben vor Theben, A. 2N ff. aber freuten sich, daß diese Gastlichkeit ihnen einen Führer geschenkt, und erzählten ihm Alles und wählten ihn zu ihrem Feldherrn. Die Einen berichten nun, jener habe den Gott nochmals befragt und sei dann mit ihnen weggezogen, die Andern aber, er sei nicht ohne die Bewilligung des Tyrannen weggegangen, sondern habe zuvor dem Gewalthaber die Aufforderung der Thraker mitgetheilt, und dieser habe ihm auch seinerseits die Erlaubniß gegeben und ihn entlassen, froh darüber, daß ein so viel vermögender Mann Athen verlasse. Als Feldherr nun erfüllte er die Verheißungen des Orakels, und nach dem Siege kolonisirte er den Chersonesos. Als dann sein Sohn gestorben war, übernahm die Nachfolgt in der Herrschaft über den EbersoneS Stesagoras sein Bruder von derselben Mutter. Als aber auch dieser gestorben war, übernahm die Nachfolge Miltiades, der den gleichen Namen hatte mit dem ersten Gründer und des Stesagoras Bruder war von demselben Vater und derselben Mutter. Dieser nun, obgleich er von einer attischen Frau Söhne hatte, nahm doch ans dem Wunsche nach Herrschaft die Hegesipyle, des Thrakerkönigs Oloros Tochter, zur Frau und zeugte mit dieser ein Söhnlein. Als dann aber.die Perser gegen Hellas heranzogen, packte er seine Habe zusammen und schickte sie nach Athen, und so auch die, meisten Glieder seiner Familie. Das Schiff nun, auf welchem auch seine Kinder, jedoch nicht die der Thrakischen Frau, sich befanden, wurde aufgefangen^), vom König aber wieder freigegeben, sofern Herodotos nicht falsch berichtet. Miltiades selbst rettete sich aus Thrakien glücklich nach Attika; keineswegs aber vermied er die Anklagen seiner Feinde, die Beschuldigungen gegen ihn vorbrachten, indem sie ihn der Gewaltherrschaft ziehen. Gleichwohl entging er auch diesen und wurde im Kriege gegen die Barbaren zum Feldherrn gewählt. Von diesem nun sagt man, leite sich das Geschlecht des Thuky-dides her, und einen sehr starken Beweis dafür erblickt man in seinem großen Vermögen und in seinen Besitzungen in Thrakien und syle gelegenen Bergwerken. Er scheint nun Einigen deS Miltiades oder dessen Tochtersobn zu sein. Er selbst hat uns die 4) Herodot VI, 4l. 5) Hnovit hat dies nicht gesagt (Kr.. Untersuchung hierüber nicht ersparen wollen, denn er thut seiner Abstammung keine Erwähnung. Das wissen wir aber sicher, daß sein Vater nicht Orolos heißt (mit dem R in der ersten und dem L in der zweiten Sylbe 6), da diese Schreibweise fehlerhaft ist, auch nach der Meinung des Didymos; denn daß der Name Oloros lautet, bezeugt die Säule auf seinem Grabe, in welcher eingegraben steht: „Thukydides, des Oloros Sohn, der Halimufier." -Bei dem sogenannten Melitischen Thore nämlich, in Koile, befinden sich die sogenannten Kimonischen Denkmäler, unter welchen auch die Gräber des Herodotos und Thukydides gezeigt werden. Hieraus geht deutlich hervor, daß er in der That in die Familie des Miltiades gehört, denn Fremde werden dort nicht begraben. Auch bezeugt dies Polemon in seinem Buche über die'Akropolis, wo er auch erwähnt, daß jener einen Sohn des Namens Timotheos gehabt habe. Hermippos indessen erzählt, daß er sein Geschlecht auch von den Peifistratiden herleite, weßhalb er denn auch in seinem Geschichtswerke die That des HarmodioS und Aristogeiton auf übelwollende Art erzähle, wo er sagt, daß sie keine Tyrannenmörder seien; denn nicht den Tyrannen tödteten sie, sondern des Tyrannen Bruder Hipparchos..
Er heirathete eine Frau aus Skaptesyle in Thrakien, die sehr reich war und Bergwerke in Thrakien besaß. Diesen Reichthum aber wendete er nicht in schwelgerischer Lebensweise aus, vielmehr, da er schon vor dem Peloponnesischen Kriege dessen AuSbruch voraussah, zog er eS vor, diesen zu beschreiben, und wendete viel Geld aus an Athenische und Lakedämonische Soldaten, sowie an viele Andere, damit sie ihm, zum Zwecke seiner Geschichtserzählung, über die jedesmaligen Vorfallenheiten des Krieges und die gehaltenen Reden Mittheilungen machten. Es stellt sich hier die Frage, warum er neben den Andern auch Lakedämonische Soldaten bezahlte, da er doch nur Athenische zu bezahlen brauchte, um von ihnen Berichte zu erhalten. Wir geben zur Antwort, daß er nicht ohne Zweck auch Andere bezahlte. Sein Zweck nämlich war, die Wahrheit der Thatsachen zu 6) Nach der Lesart deS 'LerteS würde sich da? Gegentbeil berauSftellen: nicht Oloroü, sondern Ort-los 7) VI, 54 ff. überliefern, und es war ja ganz natürlich, daß die Athener, die Ereignisse zu ihrem eigenen Vortheil wendend, fälschlich berichteten und oft sagten: „Wir haben gesiegt," wo sie uicht gesiegt hatten. Aus diesem Grunde also bezahlte er Alle, um aus dem Uebereinstimmenden in den Berichten Vieler die wirkliche Wahrheit herauszuspüren, denn durch das, was in den Berichten Vieler zusammenstimmt, scheidet sich das Unwahrscheinliche von selber aus.
Als Lehrer hörte er unter den Philosophen den Anaxagoras, weßhalb er denn auch, wie AntylloS berichtet, halb und halb für einen Gotteslaugner galt, als von der Lehre jenes Mannes angesteckt 8), dann den Lehrer der Redekunst, Antiphon, einen Mann von gewaltiger Beredsamkeit, dessen er selbst im achten Buche Erwähnung thut 9), als mitbetheiligt am Sturz der Demokratie und an der Einsetzung der Vierhundert. Daß aber die Athener noch nach des Antiphon Tod (Hinrichtung) sich an ihm rächten, indem sie seinen Leichnam über die Stadtgränzen hinaus werfen ließen, das hat er verschwiegen, um die Ehre seines Lehrers zu wahren. Es wird nämlich in der That erzählt, daß die Athener den Leichnam des Antiphon, als eines am Sturz der Demokratie Mitschuldigen, auf die Straße werfen ließen.
Unser Geschichtschreiber aber, nachdem er das gehörige Alter erreicht, betheiligte sich nicht an den Staatsgeschäften, noch auch betrat er die Rednerbühne, wohl aber übernahm er ein Feldherrnamt, mit diesem Kommando jedoch auch die Quelle seines Unglücks; denn seine Verbannung war die Folge desselben. Die Veranlassung war, daß er nach Amphipolis geschickt wurde, wo ihm aber Brasidas zuvorkam, der die Stadt wegnahm; gleichwohl war seine Amtsführung nicht ohne allen Nutzen für die Athener, da er zwar Amphipolis vertor, aber doch Eion am Strymon rettete Trotzdem rechneten sie ihm sein erstes Unglück als Schuld an und verbannten ihn. Nach 8) AnaiagoraS oder ThukydideS waren so wenig Gottesleugner wie SvkrateS. aber ein GotteSläugner heißt bei „jeder Orthvdvrie Jeder, der ihren Aberglauben ablehnt." (Kr.) 9) VItI, es. 10), 104; V, As der Verbannung hielt er sich in Aegina'') auf und lieh, als reicher Mann, den größten Theil seines Vermögens aus Zinsen auS; dock auch von hier zog er wieder weg und hielt sich in Skapte Hyle aus, wo er im Schatten einer Platane an seiner Geschichte schrieb. Man muß sich nämlich hüten, dem Timäos Glauben zu schenken, welcher berichtet, daß er als Verbannter in Italien gelebt habe. Trotz Allem aber schrieb er nicht so, daß er den Athenern ihr Unrecht gedachte, sondern wie ein wahrhaftiger Mann und ohne Leidenschaftlichkeit, da nicht einmal Kleon und Brasidas, der doch die Ursache seines Unglücks war, von ihm geschmäht worden, so daß sich hierin der erzürnte Geschichtschreiber offenbart hätte. Und doch, haben die Meisten die Geschichte nach den Eingebungen ihrer Leidenschaft geschrieben und sich um die Wahrheit sehr wenig gekümmert. So erzählt Herodotos weil er von den Korinthern verachtet worden war, sie seien vor der Seeschlacht bei Salamis davongelaufen; Timäos aber, der Tauromenier, lobt den Timoleon über alles Maß. weil er seinen Vater Andromachos im Besitz der Alleinherrschaft gelassen hatte; so vertheidigt auch Philistos in seinen Reden den jüngeren Dionysios, Lenophon aber schmäht den Menon den Freund des Plato, aus Eifersucht auf Plato. Der gemäßigte und billig denkende Mann aber läßt sich von der Wahrheit überwinden.
Wir dürfen aber nicht übersehen, daß es Viele des Namens ThukydideS gegeben hat: der erste ist der unsrige, des Oloros Sohn ; der zweite der Demagog, des Milesias Sohn, der politische Feind des Perikles; der dritte ist ein Pharsalier dessen Polemon in seinem Buche über die Akropolis Erwähnung thut, wo er ihn den Sohn des Menon nennt; der vierte ist ein anderer Thukydides, ein Dichter, dem Demos nach ein Acherdusier, dessen Androtion in seiner Attischen Geschichte Erwähnung thut, indem er ihn einen Sohn des Ariston nennt; derselbe lebte, wie Praxiphanes in seinem Buche über Geschichte berichtet, zur selben Zeit mit Plato dem Komiker, Aga 11) Falsch. Vgl. Krüger, Untersuchungen über das Leben des Thus, S, 4Z. 12) Hervd. VIII, 94. 13)lieber das von ibm hergestellte Tanronienion. (Poppv.) 14) Zenoph. Nnadasis ll, 6, 21 ff. 15) Vergl. That. VIII. 92, thon dem Tragiker, NikeratoS dem Epiker, sowie mit EhoiriloS und Melanippidcs: so lange Archelaos lebte, war er, wie PraxiphaneS selbst erzählt, ganz und gar unangesehen, später aber wurde er höchlich bewundert.
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Die Einen nun erzählen, Thukydides sei dort gestorben, wo er als Verbannter gelebt, und bringen auch einen Beweis dafür bei, daß sein Leichnam nicht in attischer Erde ruhe. Nuf dem Grabe nämlich stehe eine Mastspitze, und das sei das einheimische, in Attika gebräuchliche Zeichen, woran man erkenne, daß das Grab ein leeres, und der Betreffende in der Verbannung gestorben und nicht in Athen begraben sei Didymos aber erzählt, daß er aus der Verbannung zurückgekehrt und zu Athen eines gewaltsamen Todes gestorben sei; jenes aber, sagt er, stehe in dem Bericht des Zopyros. Nach der Niederlage (auf Sicilien nämlich hätten die Athener allen Verbannten mit Ausnahme der Peifistratiden die Rückkehr gewährt. Er sei also zurückgekehrt, eines gewaltsamen Todes gestorben und bei den Kimonischen Gräbern bestattet worden. Auch sagt er, er könne die Einfalt derjenigen nur verachten, welche glauben, daß er zwar in der Fremde gestorben, aber auf Attischem Boden begraben sei. Denn entweder wäre er dann nicht in den väterlichen Gräbern bestattet worden, oder doch nur heimlich hineingelegt, und hätte dann weder eine Denksäule, noch eine Inschrift erhalten, die aber doch wirklich mit dem Namen des Geschichtschreibers auf dem Grabe steht. Daß aber den Verbannten die Rückkehr gestattet wurde, leidet keinen Zweifel, denn auch PhilochoroS erzählt es und DemetricS in seinen Archonten. Und wenn Zopyros behauptet, er sei in Thrakien gestorben, so bin ich meineStheils der Meinung, daß dies nur leeres Gerede ist, wenn gleich auch Kratippos meint, daß er die Wahrheit berichte. Wenn aber Timäos und Andere behaupten, er sei in Italien begraben, so ist das ganz und gar lächerlich.
Von Ansehn, sagt man, habe er ein gedankenvolles Antlitz gehabt, und Kopf und Haarwuchs mehr spitz zulaufend, im Uebrigen aber sei seine Haltung gewesen, wie man es seinem Geschichtswerk 16)) Eigentlich bei den zur See Umgekommenen aufgerichtet. (Kr.) 17)Ist irrig oder zu streichen. (Kr.) nach wohl erwarten mag. Im Alter habe er es über fünfzig hinaus, gebracht, ohne aber in seinem Werke das vorgesteckte Ziel zu erreichen.
In Bezug auf Beherrschung und Vertheilung des Stoffes hat sich Thukydides als Nacheiserer des Homeros gezeigt, in Größe und Erhabenheit des Ausdrucks dem Pindaros nachgestrebt; doch hat er die Sprache absichtlich in Dunkel gehüllt, damit er nicht Allen zugänglich sei, und nicht Jeder wohlfeilen Kaufs wie im Handumdrehen den Sinn zu erfassen sich einbilde; vielmehr wollte er nur von den Weisesten verstanden und von ihnen bewundert werden. Denn wer von den Besten gelobt wird und der Verständigen gerechten Beifall gewinnt, der trägt Ruhm davon, der in die Zukunft dauert und nicht Gefahr läuft, verlöscht zu werden durch daS Urtheil derer, die später endgiltig entscheiden. Für wenig nachahmenswert aber, wie Antyllos sagt, erachtete er des Leontiners Gorgias Gleichklangfiguren und Wortgegensätze, die um jene Zeit bei den Hellenen Bewunderung fanden, und so auch Prodikos', des Keiers, spitzfindige Wortdeutelei. Am meisten von Allen aber, wie schon gesagt, ahmte er den Homeros nach, wie in der Auswahl der Worte und Sorgfalt der Komposition, so in der Kraft des Ausdrucks, der Schönheit und Kürze.
Die Geschichtschreiber und Erzähler vor ihm haben gleichsam nur eine leblose Erzählung eingeführt und sich durchaus nur der trockenen Berichterstattung bedient, ohne den einzelnen Personen Reden in den Mund zu legen und sie als Sprecher vor der Volksversammlung auftreten zu lassen, — Herodotos zwar hat schon einen Versuch gemacht, jedoch nicht mit der nöthigen Kraft und Sicherheit, ^ denn er läßt nur wenige Reden halten, und nicht sowohl VolkSreden, I als Darlegungen seiner Ansichten und Meinungen, die er einzelnen Personen andichtet — unser Geschichtschreiber allein aber hat die Volksreden zuerst angebracht und vollständig durchgeführt, nach Haupt- und Nebengesichtspunkten, so daß diese Reden förmlich unter bestimmte Kategorien gebracht werden können, woran man vollendete Reden erkennt. Von den drei Arten der darstellenden Schreibart, der erhabenen, trockenen und mittleren hat er mit Beifeitlassung der andern nur die erhabene anzuwenden gesucht, als welche der besonderen Art dieses so gewaltigen Krieges zusagt und seiner Größe ge> ziemt. Wenn große Thaten geschehen sind, so geziemt es sich auch, daß die Weise der Erzählung den Thaten gleiche. Damit du aber auch von den andern Schreibarten Beispiele habest, so wisse, daß des mittleren, der weder erhaben noch trocken ist, sich Herodotos bedient hat, des trockenen aber Xenophon. Der Erhabenheit des StyleS wegen nun hat sich Thukydides oft auch poetischer Ausdrücke und uneigentlicher Sprechweisen bedient. Indessen gibt es auch Einige, welche die Behauptung gewagt haben, daß der Gesammtcharakter des ganzen GeschichtSwerkS nicht der rednerische sei, sondern der dichterische. Daß der poetische Charakter indessen hier nicht vorhanden ist, erhellt daraus, daß das Werk nicht in irgend einem Versmaß geschrieben ist. Wenn uns aber Einer hiegegen einwendet, daß die prosaische Schreibart nicht durchaus mit der rednerischen zusammen- fällt, wie ja auch die Werke Plato's oder die der Aerzte keine rednerischen Schriften sind, so erwidern wir, daß aber doch wenigstens die Geschichte nach Hauptgefichtspunkten eingetheilt und unter die rednerische Schreibart gerechnet wird, und zwar durchaus jede Art der Geschichtschreibung unter die berathende Bercdtsamkeit — Audere freilich bringen sie unter die lobrednerische, weil sie, wie diese sagen, diejenigen lobpreist, welche in den Kriegen sich am meisten hervorgethan haben — des ThukydideS Darstellung aber fällt ausnahmsweise unter alle drei Arten, und zwar unter die berathende in sämmtlichen Volksreden, ausgenommen die der Platäer und Thebancr im dritten Blicht), unter die lobrednerische wegen der Grabrede'^), und unter die gerichtliche wegen der Rede der Platäer und Thebaner, die wir oben von den andern ausgenommen haben. Denn wo, wie hier, die anwesenden Lakedämonier als Richter entscheiden, und der Platäer fragweise in Untersuchung gezogen wird und sich in Betreff des Gefragten vertheidigt, indem die Rede zwischen Mehreren hin und hergeht, und der Thebaner widerspricht und den Lakedämonier zum Zorn zu reizen sucht, da verrathen Anordnung, Gang und ganze Art der Rede deutlich deren gerichtlichen Charakter.
ES behaupten Einige, das achte Buch sei unächt und rühre nicht von Thukydides her, und die Einen schreiben eS seiner Tochter, 18) IIl, 53 ff. 19) II, 35 ff. die Andern dem Xenophon zu. Diesen entgegnen wir: daß eS von seiner Tochter nicht herrührt, ist ganz klar, denn es ist der weiblichen Natur nicht möglich, es solcher Tüchtigkeit und Kunst gleichzuthun. Und gesetzt den Fall, sie wäre dennoch von der Art gewesen, so hätte sie gewiß nicht gewünscht, im Verborgenen zu bleiben, und hätte auch nicht das achte Buch allein geschrieben, sondern noch vieles Andere hinterlassen, worin sie ihre eigene Natur zeigen konnte. Daß aber Xenophon der Verfasser nicht ist, dagegen schreit, wenn eS möglich ist, der Styl überlaut, der sich meist in der Mitte zwischen dem trockenen und dem erhabenen hält. Auch dem Theopompos kann eS nicht angehören, wie Einige behaupten wollen. Andere aber, und wohl die Einsichtigsten, glauben, daß eS allerdings von ThukydideS geschrieben sei-, jedoch nur ungeschmückt und nur im Entwurf, übrigens vorzüglich reich an Thatsachen, welche der Ausschmückung und breiteren Ausführung wohl fähig gewesen wären. Deßhalb dürfen wir auch sagen, daß der Ausdruck schwächer ist, so daß eS scheinen könnte, als ob er bei der Abfassung etwa krank gewesen wäre. Ist der Leib krank, so pflegt auch das Denken etwas kraftloser zu sein; denn Körper und Geist leiden merklich mit einander.
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Gestorben ist er nach dem Peloponnefischen Krieg in Thrakien, beschäftigt mit der Erzählung der Ereignisse deS einundzwanzigsten Kriegsjahres; denn der Krieg dauerte siebenundzwanzig Jahre. Die Ereignisse der sechs noch übrigen Jahre haben ergänzt TheopompoS und Xenophon in seiner Hellenischen Geschichte. Zu wissen ist, daß Thukydides als Feldherr bei AmphipoliS sich den Vorwurf der Säumigkeit zuzog, da Brafidas vor ihm die Stadt wegnahm, weßhalb er auf Betreiben deS Kleon von den Athenern verbannt wurde. Darum ist er auch Feind deS Kleon und führt ihn überall als einen Narren ein. Er ging also fort, wie man erzählt, und verfaßte in Thrakien sein herrliches Geschichtswerk. Gleich mit Beginn des Krieges nämlich zeichnete er sich Alles auf, was gemeldet und gethan wurde, von vorn herein keineswegs auf Schönheit der Darstellung bedacht, sondern nur mit der Absicht, die Thatsachen durch seine Aufzeichnung der Vergessenheit zu entreißen. Später aber, nach seiner Verbannung, als er sich zu Skapte Hyle in Thrakien aufhielt, führte er daS in kunst- voller Schönheit aus, was er Anfangs nur des Nichtvergessens wegen niedergeschrieben hatte. Den Mythen und Sagen ist er Feind, weil er nur an der Wahrheit Freude hat. Denn den Geschichtschreibern ziemt nicht dasselbe, wie den Erzählern, welche auch Sagen unter ihre Geschichten mischen, mehr nach dem Ergötzlichen strebend, als nach Wahrheit. DaS aber überläßt der Geschichtschreiber jenen, er selbst will nicht die Zuhörer ergötzen, sondern durch sein Werk denen nützen, welche die genaue Wahrheit lernen wollen. Deßhalb nennt er seine Geschichte auch bestrebt ... 2°). An vielen Stellen ist er den ergötzlichen Erzählungen ausgewichen und hat es abgelehnt, der Mehrzahl zu folgen, welche Einschiebungen anzubringen pflegen, wie auch bei Herodotos 2 >) der Delphin vorkommt, der die Musik liebt, und Arion, der ihn mit seiner Musik steuert, und vor allen daS zweite Buch durchaus lügenhast ist. Unser Geschichtschreiber aber, wo er dergleichen nebenher erwähnt, ist dazu genöthigt und thut es nur, um damit aus die Einsicht der Leser zu wirken. So z. B. ist seine Erzählung von^Tereus 22) nur darauf berechnet, uns über die Leidenschaften der Weiber zu belehren, an die Geschichte von den Kyklopen 23) ist nur der Oertlichkeit wegen erinnert, und von Alkmäon 24) wird nur mitgetheilt, wie er seine Vernunft wieder gewonnen und die Inseln in Besitz genommen hat, keineswegs aber die ganze Geschichte der Länge und Breite nach erzählt. So verfährt er mit den Sagen; hingegen ist er gewaltig im Abschildern der Charaktere. Im Einzelnen ist er deutlich, im Satzbau aber scheint er wegen des sich Drängens der Gedanken hie und da unklar/ Der Charakter des Styls ist überaus ernst und groß, die Fügung der Sätze aber voll Härten, schwer und reich an Versetzungen, hie und da auch unklar. Bewunderungswürdig aber ist seine Kürze; er bietet mehr Gedanken als Worte. Sehr zu rühmen an ihm ist auch die körnige Spruchweise. Sehr große Kraft zeigt er in den Erzählungen, 20) Vgl. 1.22. 21) Hnod. I, 23. 22) II, 29. 23) IV. 2. 24) II, tue. ThukydideS. IX. 23 wenn er uns Seeschlachten, Belagerungen, Seuchen und VolkSaufstände schildert. Reich "und vielgestaltig ist er in -den Redeweisen, hierin auch die Fülle des Leontiners GorgiaS nachahmend, - kurz,-wo er Befehle ertheilen läßt, herb und bitter in der Darstellung von UnglückSfällen, und überaus trefflich in Nachahmung und Abschilderung der Charaktere: bei ihm siehst du wie mit Augen des Perikles Hochsinn, deS Kleon leichtsinnige Zunge, des Alkibiades Unbesonnenheit, des Thennstokles ganze Größe des Nikias Bravheit, abergläubisches Wesen und sein Glück bis zum Sikelisä'en Kriegszug ^), und so unzähliges Andere, was wir im Einzelnen in'S Auge zu fassen versuchen werden. ^ ' v ? "
Meist bedient er sich der-altattischen Sprechweise, welche 5 an der Stelle des er bat, wonach er schreibt: 5v»'k^ai/-e und wie er. denn auch «5 statt « schreibt in Auch ist-er stark im Erfinden neuer Worte. Zum Theil gehören dieselben einer älteren Zeit an, als der seinigen, wie (im ersten Anschrei, eine Stadt nehmen '^), (es kriegelt ihnen, es gelüstet sie nach Krieg ^), (überschwer), (Sündenschuld 2') und'5^-75 (Holzwellen, Neißigbündel zum Theil sind sie dichterisch, wie (überschatten, im Dunkel verstecken), k?rz^i)r«5 (Ankömmlinge, Fremde ^)', «vttxwx (mit gutem Bedacht ^) und dergleichen; zum Tbeil aber^sind sie nur ibm selbst eigen, wie (der Ablauf, Abbug, Ansbug 25) I, 136—138. 26) VII. so. 86. 27) v, 16; VI, 17; VII, 77. 28) άεί— nicht αίεί — bieten bei Thuk. durchgängig die meisten und besten Handschristen. (Kr.) 29)) Wie II, 81; V, 3. 30) I, as. 31) Diese beiden Worte hat Thuk. nicht. 32) II. 77. 33)Verfälscht auS VI, 3K. (StephauuS.) 34). I 9. 35)VIII. 108. 36) Dies Hauptwort hat Thure. nicht, wohl aber da? ZeitwortάποσιμόωVI,25. (Hinderung 37), (Abmauerung, Einschließung durch Mauern bei Belagerungen?^), und was sonst Alles von.Andern nicht gesagt worden, ist, bei ihm aber vorkommt.. Er trachtet auch nach Erhabenheit der.Worte und nach Kraft der Gedanken, und wie wir-schonfrüher gesagt, nach Kurze des'Satzbaus, denn die Fülle der Thatsachen bildet sich auch in der Wortdarst'ellung ab. Ost hat er auch Zustände und Dinge als Personen hingestellt, wie.ro avr/- 5ra^,ov 6eo5 :(diex Furcht, des Gleichstarken vor dem Gleichstarken, persoinficirt.Auch hat erietwas vom Lobredner,-was,er in den Grabreden zeigt, und verschiedentlich ^bedient er sich der Ironie und der: Fragen.und läßt seine.Redner wie Philosophen sprechen; zwo er-'nämlich.in Fragen -und.Antworten, reden läßt da/st er :ganz Philosoph. Seine Sprechweise und Satzfügung ^wird indessen von denMeisten gemißbilligt,, zu denen auch Dionysios von Hali- karnaß.gehört) 'der> ihn tadelt, als ob .er der prosaischen und.in StaatSdingen.?gebräuchlichen.Redeweise nicht .mächtig sei; er weiß Eben-nicht,-daß. die ganze Meise (des Thukydides) nur Sach^ der höchsten^Befähigung und dcr überlegensten Sicherheit ist. ? , , , ^
Er. scheint zu des Herodotos Zeiten geboren zu sein,I.sofern -nämlich. Herodotos^deS^Einfallsder Thebaner in.Platäa Erwähnung -thut welche Thukydides inseinem zweiten Buche erzählt; .Auch gibtes eine Erzählung der Art, -als habe einmal Herodotos seine .Geschichte vorgelesen und der dabei anwesende ThukydideS.habe beim Zubören geweiut. Da habe nun Herodotos, als er dieß gesehen, zu Oloros, jenes Vater, gesagt: -,,O Oloros, .deines Sohnes<Natur .schwillt.von-Wissenstrieb." Gestorben .ist er in-Thrakien/ und^die Einen sagen.auch,,daß er dort begraben.sei, Andere.aber berichten, seine.Gebeine.seien von den Verwandten heimlich nach/.Athen ge 37 )I,92.. 38)I, 65) 39) III, 11. 40) Weil die eine Standrede doch. a'uS^ mehreren Theilen besteht. lKr.) 41) Vgl. V. 85 II 42) Herod..VN, III. 23* bracht und da begraben worden.. Denn es war in Athen nicht er. laubt, einen des Verrathes wegen Verbannten öffentlich zu begraben ^). Sein Grabmal befindet sich wirklich nahe beim Thore an dem Orte in Attika, welcher Koile heißt — so berichtet wenigstens AntZlloS, ein Mann, dessen Zeugniß zuverlässig ist und der die Geschichtsforschung und Darstellung versteht. Auch, sagt er, stand in Koile eine Säule mit der Inschrift: „Thukydides, des Oloros Sohn, der Halimufier." Einige fügen noch das: „Hier liegt" hinzu; aber wir find der Meinung, daß dieß von selbst verstanden und mit Inbegriffen war, denn in. der Inschrift stand es nicht.
Wesen und Charakter seiner Darstellung ist großartig, und nicht einmal wenn die Ereignisse Mitleid und Jammer erregen, läßt er von dieser Großartigkeit ab. Sein Ausdruck ist gewichtig, der Sinn aber nicht sehr klar, da er Wortversetzungen liebt und in möglichst wenig Worten möglichst viel zu sagen bestrebt ist. So reich und vielgestaltig er nun auch im EinzelauSdruck ist, so arm und unbeweglich ist er anderseits in den Gedankenwendungen. Denn er bedient sich dem Hörer gegenüber weder der Ironie, noch des Vorwurfs, noch überraschender Seitenwendungen, oder sonst irgend einer Finte, worin besonders des Demosthenes Stärke sich offenbart. Ich glaube aber nicht, daß ThukydideS auS Unkenntniß der Denkfiguren sich also zeige, sondern nur weil er seine Reden den betreffenden Persönlichkeiten durchaus anpassend und angemessen halten will. Denn es wäre nicht passend gewesen, einem Perikles, ArchidamoS, Nikias und Brasidas, Männern von hoher adeliger Denkart und Heldenhaftem Sinne, ironische oder hinterlistige Redewendungen in den Mund zu legen, als ob sie sich nicht die Freiheit hätten nehmen dürfen, offen zurechtzuweisen und in's Gesicht zu tadeln und zu sagen, was immer sie wollten. AuS diesem Grunde hat er seine Reden ohne größeren Reichthum an Nachbildung der Eigenthümlichkeiten und ohne größere Mannigfaltigkeit der Eharakterifirung gelassen, und hat auch hierin das Geziemende gethan und die Würde der Kunst gewahrt. Denn dem Künstler geziemt sich, der Person ihre Ehre und der That ihren Ruhm zu geben.
Zu bemerken ist noch, daß Einige sein GeschichtSwerk in dreizehn Bücher eingetheilt haben, und Andere wieder anders. Gleich. wohl ist die gang und gäbe gewöhnlicht Einteilung durchgedrungen, wonach das Ganze in acht Bücher zerfällt, und der auchWklepioS (ASklepiadeS) seine Zustimmung gegeben hat.. ?
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Anderes Leben des Thukydides. ^
Thukydides aus Athen war Sohn des Oloros. Seine Familie stammte aus Thrakien, wie denn auch sein Vater Oloros diesen Namen aus Thrakien hatte. Mit dem Haus des Miltiades war er verwandt, und deßhalb ist auch Thukydides bei Koile begraben, wie Miltiades. Miltiades nämlich hatte die Hegesipyle, die Tochter deS. Thrakerkonigs, geheirathet. Er war Schüler des RhamnufierS Antiphon, der große Redekraft besaß nnd eben deßhalb den Gerichten Argwohn erregte. Sie ließen ihn darum auch nicht öffentlich auftreten, weßhalb er seine Reden niederschrieb und denen gab/die ihn darum baten. Auch sein Schüler Thukydides gibt ihm das Zeugniß, daß wer immer seines Rathes sich erfreute, bei den Gerichten am Besten davonkam. Jedoch galt Antiphon für schlecht, und gegen Ende des Peloponnefischen Krieges wurde er unter der Anklage auf Verrath vor Gericht gestellt, weil er bei einer Gesandtschaft den Lakedämoniern sehr gute, den Athenern aber sehr schlechte Rathschläge gegeben hätte, und schuldig gesprochen. Mit ihm wurden hingerichtet Archeptolemos und Onomakles, deren Häuser auch niedergerissen und deren Angehörige theils mit hingerichtet, theils für ehrlos erklärt wurden.
Thukydides wurde Feldherr, mit dem Schuh der Bergwerke auf und bei Thasos betraut, und war dabei reich und vielvermögend; im Peloponnejischen Kriege aber zog er sich die Anklage auf Verrath zu, weil er zu säumig und sorglos gewesen. Damals hatte nämlich Brafidas die athenischen Städte in Thrakien zum Abfall von den Athenern und zum Uebertritt zu den Lakedämoniern bewogen und besetzt, und als es nun darauf ankam . rasch dorthin zu segeln, das nahliegende Eion zu sichern und AmphipoliS zu retten, das für die Athener von großer Wichtigkeit war, so konnte Thukydides zwar Eion noch rechtzeitig sichern, Amphipolis aber vertor er. Zwar kam Kleon^mit seiner Flotte den Thrakischen Städten'zu Hülfe und erschien vor Amphipolis, aber der Lakedamonier.Brasidas besiegte ihn in einer Schlacht, und Kleon fiel von der Lanze eines leichten Myrkinischen Schildträgers. Auch Brafidas fand den Tod, nachdem er noch die Sicherheit seines Sieges gewonnen, und Amphipolis fiel von den Atheneris'ab' und- den' Lakedämoniern "zu.'""Damals rissen auch die Amphipoliten die Hagnonischen Gebäude nieder und nannten sie danach Brasidei'sche/'indem sie'hiedurch ihren Haß'gegen die Attische Kolonisirung und ihre Neigung für die Läkedämonier zeigten, denen sie jetzt die Ehre zuwandten." Auf die Erzählung des Vetopönnesifchen Krieges nun verwendete Thukydides die Muße, welche seine Verbannung ihm schuf, und eben wegen dieser scheint er sich den Lakedämoniern vielfach günstig zu erweisen, die Athener'aber der Herrsch-^und Habsucht zu'beschuldigen. Denn wo die Gelegenheit sich gibt, gegen die Athener-zu reden, wo!z. B. die Korinther-dieselben verklagen, oder-die Lakedämonier sie'tadeln, oder die Mytile-> naer ihnen Vorwürfe machen; da strömt er über von Beschuldigungen gegen'die Athener. Und so erhebt er auch die Siege-der Lakedämonier durch weine Darstellung und vergrößert' die-Niederlagen der Athener, wie'auch die auf Sicilien.- ' ' ^
Seine Erzählung bricht ab mit'der Seeschlacht bei-Kunde?- Sema im'Hellespont. in welcher'die Athener sich den Sieglzuschrei/ ben/ Die nachfolgenden Ereignisse'zu beschreiben,, hat er Andern.- überlassen, 'dem Mioph'on und Theopompos. -Es kommt nämlich no^-eine ganze Reihe von Schlachten; denn er hat'w'eder diiÜzweite' Seeschlacht bei KynoS-Sema erzählt, welche Theopompos beschreibt, noch die bei KyzikoS, wo Thrasybulos, Theramenes und Alkibiades siegten, noch die bei den Argennusen,lwo"die Athener über die'Lakedamonier siegten, noch auch die eigentlichel.Ursache des UnheilS'fü'r die Athöne'r," die Seeschlacht bei Aegospotamoi," wo.Äthen mit-seinen Schiffen'^ auch lede'Hoffnung'für die Zukunft verlor. ^Denu'jetzt wurden ihre Mauern niedergerissen und die Herrschaft der' dreißig Tyrannen'eingeführt, und^äuch sonst kam vielfaches Leiden'über die Stadt/waS All^-s Theopompos genau beschrieben hat. ' >
' Thukydides gehörte seinem- Geschlecht-nach zu denen, -welche- in Athen höchst angesehen waren, und da er schon vor Abfassung seiner Gefchichte-für sehr beredt galt, so wurde er an die Spitze der Staats, geschäfte gestellt ^). Den ersten Beweis seinerZeredtfamkeit gab er bei folgender-Gelegenheit. Ein Bürger, Namens Pyrilampes, hatte einen befreundeten Mann, in den er selbst verliebt war, aus irgend einem Grunde der Eifersucht getödtet, und als dieser Prozeß vor dem Areopag verhandelt wurde, zeigte er (Thukydides) seine hohe Weisheit, indem er.den Pyrilampes vertheidigte und, trotzdem Perikles, dessen Ankläger war, seine Freisprechung durchsetzte; deßhalb wählten ihn denn auch die Athener zum Feldherrn, und danach trat er an die Spitze-des Volkes. In der Leitung der Staatsgeschäfte aber wurde er hochmüthig, und dieß,-- wie seine Habgier, waren die Ursache, daß er nicht längere Zeit an der Spitze des Volkes blieb. Zuerst nämlich wurde er von Xenokritos, als er von seiner Abwesenheit in Sybaris nach Athen zurückkehrte, der Bestechung eines Gerichtshofes angeklagt, und da er sich dieser Anklagedurch die Flucht entzog, für schuldig erklärt; später aber wurde er durch das Scherbengericht auf zehn Jahre verbannt, und diese Verbannung brachte er in Aegina zu, wo er auch sein Geschichtswerk abgefaßt haben soll. Und hier soll sich auch seine Geldgier aus's Stärkste gezeigt haben, indem er sämmtliche Aegineten durch seinen Geldwucher von Haus und Hof brachte.
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Später als dies Geschichtswerk selbst soll der Verfasser die Einleitung dazu geschrieben haben, da er in derselben einiger Vorfälle Erwähnung thut, die erst im Verlaufe des Krieges selbst statt- fanden, wie z. B. der Reinigung von Delos 45),'die um das siebente Kriegsjahr unter dem Archonten EuthynoS soll vorgenommen worden sein. In der Einleitung spricht er bereits auch vom Ende des Krieges in den Worten: „bis zum Ende dieses Krieg'es"46)..Nnd auch'im Anhange selbst sagt er: „Und wirklich ist dieser Krieg für die Hellenen und einen Theil der barbarischen Völker, ja man kann fast sagen, für einen sehr großen 43) vgl. I, 133. 44) Dies und daS Folgende beruht auf einer Verwechselung.mit dem älteren Thu» kydideS. dem Gegner des PerilleS. 45) I, 8. 46) I, 13. 18. Theil der Menschheit, zu der gewaltigsten Erschütterung geworden ^). Nachdem er das achte Buch vollendet hatte, starb er an einer Krankheit. Die nämlich sind im Irrthum, welche behaupten, das achte Buch rühre nicht von Thukydides her, sondern von einem andern Geschichtschreiber. Nach seinem Ende wurde er nahe beim Melitischen Thore zu Athen begraben, an dem Orte, welcher Koile heißt, sei es nun, daß er selbst nach Ablauf der gesetzlichen Verbannungszeit nach Athen zurückgekehrt war und so im Vaterland starb, sei es, daß er sein Leben in Thrakien beschloß und dann seine Gebeine von dort in die Heimat gebracht wurden; denn in beiderlei Weise wird die Sacke berichtet. Auch steht in Koile eine Säule mit der Inschrift: „Thukydides, des Oloros Sohn, der Halimufier, liegt hier."