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Ἱστορίαι Thucydides

Book 5

 
Die Argiver nun auf diese Meldung hin, und als sie auch erfuhren, daß jenes Bündniß mit den Böotern durchaus nicht im Einvernehmen mit den Athenern zu Stande gekommen, sondern daß vielmehr eine große Spannung mit den Lakedämoniern eingetreten sei, nahmen gar keine Rücksicht auf ihre Gesandten in Lakedäyion, welche dort>.eines Vertrages wegen unterhandelten, und richteten ihr Augenmerk wieder mehr auf die Athener, deren Staat von jeher mit ihnen befreundet gewesen und, wie ihr eigener, demokratisch regiert sei, auch eine große Seemacht besitze und deßhalb, wie sie glaubten, mit den Waffen für sie. einstehen werde, falls sie in einen Krieg verwickelt stigte. Weder PerikleS noch SvkrateS konnten großen Einfluß aus ihn gewinnen. und er ^wurde zum sophistischen Demagogen. Wie schon aus dem Todesjahr seines Vaters hervorgeht, war er jetzt gegen dreißig Jahre alt. Sein erstes Einwirken aus Abfassung eines VvlkSdeschlusses sand wohl statt, als die Tribute der Bundesgenossen erhöht wurden, Hor Olymp. 89, 3 (422 v. Chr) .AIS gereifter Demagog und mit voller Geltung trat er (jetzt) im zwölften Jahre des Krieges auf.' (Wachsmuth.) würden. Sie schickten also sogleich Gesandte an die Athener eines 420 v. Chr. Waffenbundes wegen, und auch von den Eleern und Mantineern« gingen Abgeordnete mit. Es kam aber auch von den Lakedämoniern in aller Eile eine Gesandtschaft, und zwar Männer, die in Athen beliebt zu sein schienen, Philocharidas nämlich und Leon und Endlos. Jene fürchteten nämlich, die Athener möchten in ihrem Unwillen ein Bündniß mit den Argivern abschließen, zugleich aber wollten sie auch Pylos für Panakton verlangen und sich wegen des Bündnisses mit den Böotern entschuldigen, daß sie es nicht zum Schaden Athens abgeschlossen hätten.
 
Als diese Gesandten nun vor der Rathsversammlung über diese Dinge sprachen und erklärten, daß sie bevollmächtigt seien, über alle strittigen Punkte eine Vereinbarung abzuschließen, so gerieth Alkibiades in Furcht, jene möchten, wenn sie auch vor der Volksversammlung also redeten, die Menge für sich gewinnen, so daß diese das Bündniß mit den Argivern von sich weise. Darum ersann er nun gegen sie folgende List: Er beredete die Lakedämonier und verpfändete ihnen sein Wort, wenn sie sich nicht vor der Volksversammlung als Bevollmächtigte erklären wollten, so werde er ihnen Pylos zurückverschaffen; dazu könne er die Athener eben so leicht überreden, wie er sie jetzt durch seinen Widerspruch davon abhalte, — und auch betreffs der übrigen Punkte werde er eine Aussöhnung zu Stande bringen. Dabei war aber seine Absicht, sie dem Nikias abwendig zu machen und sie beim Volke in Mißachtung zu bringen, als ob sie nichts Aufrichtiges im Sinne hätten, da sie ja jetzt anders redeten als vorher, und auf die Weise dachte er das Bündniß mit den Argivern, Eleern und Mantineern durchzusetzen. Und so kam es auch wirklich. Denn als jene vor dem Volke auftraten und auf Befragen nicht Mehr wie früher vor der Rathsversammlung erklärten, daß sie mit Vollmacht gekommen seien, da hielten die Athener ihren Unwillen nicht mehr zurück, sondern schenkten dem Alkibiades, der nun noch weit mehr Geschrei gegen die Lakedämonier erhob als früher, unbedingtes Gehör und erklärten sich bereit, die Argiver und die mit ihnen Gekommenen sogleich vorzulassen und mit ihnen ein Bündniß abzuschließen; da aber, bevor es noch zum gültigen Beschluß kam, 420 v. .Chr. ein Erdbeben eintrat, so wurde diese Volksversammlung hinausgeschoben 28).
 
In der folgenden Versammlung trat Nikias aus, und obgleich er in Betreff der verläugneten Vollmacht eben so wie die Lakedämonier selbst getäuscht worden war, so erklärte er gleichwohl, es sei besser, Freund der Lakedämonier zu bleiben. Man solle die Argiver einstweilen noch warten lassen und erst noch eine Gesandtschaft nach Lakedämon schicken, um ihnen ihrer eigentlichen Gesinnung wegen auf den Zahn zu suhlen. Wenn man jetzt den Krieg noch hinausschiebe, meinte er, so könne dabei i'.r eigener Ruhm nur wachsen, während jene noch mehr bloßgestellt würden. Denn für sie selbst, deren Angelegenheiten auf's Beste ständen, sei es bei Weitem das Vortheilhafteste, wenn man diesen glücklichen Zustand ruhig fortdauern lasse; für jene sei es aber in ihrer mißlichen Lage ein gefundener Handel, wenn ihnen so bald Gelegenheit geboten werde, wieder den Kampf entscheiden zu lassen. Und wirklich überredete er sie, Gesandte, unter denen auch er war, abzuschicken, mit der Aufforderung an die Lakedämonier, wenn sie ehrliche Absichten hätten, so sollten sie Panakton in ordentlichem Stande und Amphipolis. übergeben und das Bündniß mit den Böotern wieder lösen, wenn diese nicht dem Friedensvertragc beitreten wollten, wie ja auch ausgemacht worden sei, daß kein Theil ohne den andern ein Bündniß eingehen solle. Und hinzufügen sollten sie, wenn die Athener hätten Unrecht thun wollen, so würden sie die Argiver bereits zu ihren Bundesgenossen gemacht haben; denn diese befänden sich eben in dieser Absicht bei ihnen. Und auch ihre sonstigen Ansprüche gaben sie dem Nikias und den mit ihm Abgeschickten zu vertreten auf. / '
 
Als nun jene dort angekommen waren und ihre Aufträge ausrichteten und zuletzt erklärten, wenn die Lakedämonier nicht'das 38) Erdstöße, Regen ?c. verursachten Aushebung der Versammlung. AristophaneS spottet darüber Acharner 169 ff.! — Aber heut wird Nichts beschlossen über Den Sold der Thraker. Seht ihr? ZeuS verbietet'S: Ein Regentropscn fiel mir auf die Nase. Herold. Die Thraker kommen übermorgen wieder hieher: Die Volksversammlung ist entlassen. Bündniß mit den Böotern lösen, ^würden, falls diese nicht dem Frie­ 420 v. Chr. densvertrage beiträten,'so würden sie^selbst die. Argiver.und ideren, Freunde als Bundesgenossen annehmen;.-- da: setzten-der--Ephortz Xenares und die Uebrigen seiner Partei? es durch/ -daß i diezLakehämonier zur Antwort gaben, sie würden den Bund.mit den Bär-fern nicht auflösen. Indeß erneuerten ^ sie auf Bitten des. Nikias, den Friedenseid; denn dieser fürchtete, wenn er ganz unverrihctejer-kDinge wieder zurückkäme, so werde er.beim Volk in Ungnade kommen,:.waH denn auch-wirklich eintrat, da,er als der eigentliche Stifter des Frie-' dcns mit den Lakedämoniern galt. Da er. also zurückkehrte und die. Athener hörten , es.'sei in. Lakedämon gar nichts ausgerichtet worden, so. loderte sogleich ihr Zorn wieder auf, und in der Meinung betrage?: worden zu.sein-, ließen .sie die. anwesenden Argiver und ihre Freunde durch den Alkibiades vorladen, und. shclössen, mit ihnen das folgende Bündniß ab:
 
„Einen Friedensvertrass .aufshundert-Jahre ihcÄ^n geschlossen die Athener, mit' den Argivern, Mantineern und?Meern/ beide theile .für sich, selbst und-für.die Bundesgenossen^die unte? ihnen stehen, shne Arglist und .Gefährde, zu Wasser und zu.Land.? ?
 
.„Waffen tragennn feindlicher Absicht ^sollen weder die, Argiver; Eleer und'Mantineer "und ihre..Bundesgenossen gegen. die,Athener und die von ihnen beherrschten Bundesgenossen, noch rauch die.Athe-ner und ihre Bundesgenossen gegen die Argiver, Eleer.und Ma.nt.i- neer und ihre Bundesgenossen, aus keinerlei Art und:Weise", ' „Unter folgenden Bedingungen soll ein Waffenbund sein zwi? schen den.Athenern und den Argivern,- Eleern und. Mantineern,. auf hundert Jahre:"
 
„Wenn Feinde in das Gebiet der.Athener fallen, sollen Argiver,' Eleer und Mantineer nach Athen Züzug leisten, wieiihnen die Athener entbieten werden,^ so. stark..sie nur.immer können,'nach?b.estem Vermögen."
 
„Wenn aber die Angreifer-das Land verwüstet.haben.und dann wieder abziehen, so .soll ihr Staat von den-Argivern, Mantineern und Eleern und von den Athenern als Feind betrachtet und von allen diesen Staaten gezüchtigt werden, und.es soll-nicht einer einzelnen Stadt erlaubt sein mit dem feindlichen Staate Frieden zu schließen, 420 v. Chr. wenn es nicht Alle zusammen beschließen. Es sollen aber auch die Athener nach Argos und Mantinea'und Elis Zuzug leisten, wenn Feinde das Gebiet der Eleer oder Mantineer-angreisen, so wie diese Städte entbieten werden, so stark sie nur können, nach bestem Vermögen. Wenn die Angreifer aber das. Land verwüsten und dann wieder abziehen, so soll ihr Staat.von den Athenern und von den Argivern, Mantineern und Eleern als Feind betrachtet und von all. diesen Städten gezüchtigt werden; und es soll nicht erlaubt sein, mit dem feindlichen Staate Frieden zu schließen; wenn nicht alle Städte insgesammt es beschließen."
 
,,Kein Theil soll irgend Einem bewaffneten Durchzug zum Zwecke des Kriegs durch sein eigenes oder der unter ihm stehenden Bundesgenossen Gebiet erlauben, auch nicht zur See, wenn micht alle Staaten beschlossen haben, daß der Durchzug geschehen könne, Athener und Argiver, Mantineer und Eleer." 5
 
„Den Hülfstruppen soll diejenige Stadt, welche sie abschickt, Lebensmittel bis aus dreißig Tage liesern, von der Zeit an, wo.selbe das Gebiet derjenigen Stadt betreten, welche die Hülse verlangt hat; und-auf dem Rückzüge wieder ebenso. Sollten-jene Truppen aber länger gebraucht werden, so soll der Staat, welcher sie abgeschickt hat, ihnen auch den Lebensunterhalt liefern,- jedem Schwerbewaffneten und leichten-Soldaten und Bogenschützen drei Aeginetische Obolen für jeden Tag, den Reitern aber eine Aeginetische Drachme 39).
 
„Die Stadt, welche den Zuzug verlangt hat, soll auch die Anführung haben, wenn der Krieg aus ihrem eigenen Gebiete geführt wird. Wenn aber die Verbündeten beschlossen haben, irgendwohin einen gemeinsamen Feldzug zu unternehmen, so sollen an der Führung Alle in gleicher Weise Theil haben."
 
„Den Vertrag beschwören sollen die Athener für sich "und ihre Bundesgenossen; die Argiver?aber-und Mantineer und Eleer und deren Bundesgenossen sollen einzeln schwören, jede Stadt für sich. ES'soll aber jeder:Staat den Eid schwören, der.nah cdem heimischen Brauche bei ihnen -der höchste ist, mit makellosen Opfern. Der 39 3Aeginekishce' Obolen sind gleich s Attischen. Die «kgineiishce Drachme gleich 10 Attischen Obolen. Schwur soll aber so lauten: „„Ich will diesen Bund gemäß den 420 v. Chr. Verträgen wahrhaftig und in Treuen und ohne Arglist halten und, ihn aus keine Art und Weise übertreten."" Den Eid.leisten sollen:' zu Athen der Rath und die städtischen Oberbehörden, und den Eid abnehmen sollen die Prytanen; zu Argos der Rath und die Achtziger und die Artynen, den Eid abnehmen sollen die Achtziger; zu Mantinea die Volksoberen und der Rath und die übrigen Oberbehörden, den Eid abnehmen sollen die Theoren und die Kriegsobersten; in Elis die Volksoberen und die Beamten und, die Sechshunderter. den Eid abnehmen sollen die Volksobern und die Gesetzeswarte Zur Erneuerung des EideS sollen die Athener nach Elis und nach Mantinea und Argos kommen, dreißig Tage vor den Olympischen Spielen; die Argiver, Eleer und Mantineer sollen nach Athen kommen, zehn Tage vor den großen Panathenäen" ^
 
„Den Friedensvertrag und den beschworenen Waffenbund sollen die Athener aus eine tseinerne Säule in ihrer Stadt schreiben, die Argiver aus dem Markte im Tempel des Apollo, die Mantineer im Tempel des ZeuS auf dem Markte, und auch zu Olympia sollen sie auf gemeinsame Kosten bei den nächsten Olympischen Spielen eine eherne Säule setzen."
 
„Wenn aber den verbündeten Städten gut dünken sollte, verbessernde Zusätze zu diesen Verträgen zu machen, so soll das erlaubt sein, wenn alle Städte nach gemeinsamer Berathung darüber Beschluß gefaßt haben." 10
 
Dieser Friedensvertrag und Waffenbund wurde abgeschlossen, ohne daß deßhalb der zwischen den Lakedämoniern und den Athenern von einem von beiden Theilen wäre aufgekündigt worden. Die Korinther aber, obgleich sie Bundesgenossen der Argiver waren, betheiligten sich nicht bei dem Vertrage; ja sie hatten sogar vordem nicht mitgeschworen, als Eleer, Argiver und Mantineer das Bündniß 40) Von den hier genannten Obrigkeiten ist wenig oder Nichts bekannt. V olkßobere steht für griechisch Demiurgoi, Gesetzekwarte für TheSmophylakeß. Theoren sind die Männer, welche zu den Gesandtschaften an die Orakel verwendet wurden und die Oberauisicht über die Tempel und den Gottesdienst hatten. 41) Daß kleinere Athenesist war ein jährliche?, das große lehrte alle vier Jahre wieder, am 28. Hekatombäon. 420 v. Chr. schlössen, daß sie mit Einen und denselben Krieg führen und Frieden haben wollten, sondern vorgeschützt, es genüge das frühere Waffenbündniß, wonach sie einander Hülfe leisten sollten, ohne daß ein Theil den andern bei einem Angriffskrieg zu unterstützen brauchte. So entfernten sich die Korinther von ihren Bundesgenossen und näherten sich den Lakedämoniern wieder'
 
Die Olympischen Spiele^dieses Sommers waren diejenigen, bei welchen der Arkadier Androsthenes zum ersten Mal im Pankration siegte. Die Lakedämonier aber waren durch die Eleer vom Heiligthum ausgeschlossen worden, so daß'sie weder am Opfer'noch an'den'Weltkäwpsen Theil nehmen konnten, da sie die Buße nicht bezahlt hatten, zu welcher.die Eleer nach dem'Olympischen Recht sie verurtheilten, weil sie ihre Festung Phyrkos mit den Waffeivangegrissen^und in das ihnen gehörige Lepreon während der Olympischen Waffenruhe eine Besatzung Geharnischter gelegt hätten? Die Strafsumme betrug zwei Tausend Minen, zwei Minen für-jeden Geharnischten, wie das'Gesetz bestimmt^). Die Lakedämonier'aber ließen durch Gesandte Gegenbeschwerde führen und behaupteten, damals, als sie ihre Schwerbewaffneten ausschickten'/ sei die^ Waffenruhe noch nicht in Lakedämon angesagt gewesen. Die Eleer aber sagten, bei ihnen sei die Waffenruhe schon in Kraft' gewesen, — sie lassen dieselbe nämlich unter ihnen selbst zuerst ausrufen^ und während sie sich selbst ruhig verhielten'und, als im Schutze des Gottesfriedens, nichts Feindliches erwarteten, hätten jene ihnen hinterrücks Unrecht zugefügt. Dagegen nun führten die Lakedämonier an, wenn die Eleer geglaubt hätten, von ihnen bereits Unrecht erlitten zu haben, so sei eS ja überflüssig gewesen, noch den Frieden in Lakedämon ansagen zu lassen; aber doch hätten sie das gethan, weil sie eben jenes nicht geglaubt hätten, und sie'selbst'hätten auch seitdem nach keiner Seite mehr Feindseligkeiten gegen sie unternommen. Die Eleer aber blieben bei ihren ersten Worten und sagten, daß sie sich nicht überzeugen könnten, als hätten jene kein Unrecht gethan; würden sie 42) Zwei Minen waren im Peloponnes das Löscgeld für einen Gefangenen. Herab. VI, 79. Erschienen die Z<XX)>Hopliten als Gefangene des beleidigten GotteS? (Arnold.) ihnen aber Lepreon zurückgeben, so wollten sie ihnen ihren eigenen 420 v. Chr. Antheil an dem Strafgeld erlassen und'auch, was davon für den, Gott entfalle, selbst für sie bezahlen.
 
Als aber die Lakedämonier darauf nicht eingingen, so änderten sie ihre Forderung dahin, jene brauchten Lepreon nicht Herauszugeben, wenn sie nicht wollten, sie sollten aber an den Altar des Olympischen Zeus treten, wenn sie zum Feste zugelassen sein wollten, und im Angesicht aller Hellenen einen Eid sHwören, daß sie die Strafsumme später gewissenhaft erlegen würden. Da die Lakedämonier aber auch hierauf nicht eingingen, so wurden sie von dem Feste ausgeschlossen und verrichteten das Opfer zu Hause; die übrigen Hellenen aber mit Ausnahme der Lepreaten waren durch Gesandtschaften vertreten. Gleichwohl waren die Eleer in Furcht, jene möchten den Zulaß zum Opfer mit Gewalt erzwingen, und ließen ihre junge Mannschaft unter Waffen Wache halten. Auch von Argos und Mantinea war Zuzug gekommen, Tausend Mann aus jeder Stadt, und auch von Seiten der Athener Reiter, welche, so lang das Fest dauerte, in Argos standen. Trotzdem schwebte die versammelte Menge in großer Furcht, die Lakedämonier möchten bewaffnet kommen, zumal auch Lichas, des Arkesilaös Sohn, der Lakedämonier, beim Wettkampfe von den Stabträgern Schläge erhalten hatte. Sein Gespann nämlich hatte den Sieg davon getragen, es wurde aber trotzdem das böotische Gemeinwesen als Sieger ausgerufen / da jener zur Theilnahme am Wettkampfe nicht berechtigt war. Da trat er nun auf den Kampfplatz hervor und bekränzte seinen Wagenlenkers um damit zu zeigen, daß daS Gespann ihm gehöret Darüber geriethen nun Alle noch mehr in Furcht und glaubten, es werde etwas Unerwartetes eintreten. Die Lakedämonier verhielten sich indessen ruhig, und so ging das Fest vorüber. Nach Korinth aber kamen nach den Olympien die Argiver und ihre Verbündeten mit dem Ersuchen, zu ihnen zu treten: Es waren auch von den Lakedämoniern Gesandte zugegen, und obgleich viel hinüber und herüber unterhandelt wurde, so kam eS doch zu keinem Ziel, sondern über ein eingetretenes Erd- 43) Die Stabträger, Rhabduchoi, sind entweder die Kampfri chter, Hella11 odikai, selbst oder deren Diener. 420 v. Chr. beben löste sich die Versammlung auf und Jeder ging nach Hause. Damit war der Sommer zu Ende.
 
In dem folgenden Winter kam es zum Kampfe zwischen den Herakleoten in der Trachinischen Landschaft und den Aenianen und Dolopern und Meliern und andern Thessalern. Denn diese Nachbarstämme waren der Stadt feindlich, da die Befestigung des Platzes nur gegen ihr Gebiet gerichtet war. Schon sogleich nach Gründung der Stadt hatten sie sich gegen dieselbe feindselig gezeigt, indem sie ihr Schaden zufügten, wo sie nur konnten; und damals besiegten sie in der Schlackt die Herakleoten, und auch Xenares, des Knidis Sohn, der Lakedämonische Befehlshaber der Stadt, fiel und mit ihm viele andere Herakleoten. So ging der Winter und mit ihm das zwölfte Jahr dieses Krieges zu Ende.
 
419 v. Chr. Im folgenden Sommer, gleich zu Anfang, übernahmen die Böoter Heraklea, das durch diese Niederlage sehr herabgekommen war, und schickten den Lakedämonier Hegesippidas, weil er sein Befehlshaöeramt schlecht verwaltet hatte, weg. Sie übernahmen den Platz aber deßhalb, weil sie bei der gefährdeten Stellung der Lakedämonier im Peloponnes befürchteten, die Athener möchten ihn vorweg nehmen. Gleichwohl nahmen ihnen die Lakedämonier dieß übel auf.
 
Im selben Sommer kam auch Alkibiades, des Kleinias Sohn, Feldherr der Athener, unterstützt von den Argivern und den Bundesgenossen, mit einer geringen Zahl Athenischer Schwerbewaffneten und Bogenschützen, wozu er noch von den dortigen Bundesgenossen einige Mannschaft nahm, in den Peloponnes und traf, indem er denselben durchzog, die nöthigen Einrichtungen in Betreff des Waffenbundes und überredete auch die Paträer, ihre Mauern bis an's Meer hinab zu verlängern. Auch hatte er selbst den Plan zu einer neuen Festung am Achaischen Rhion; allein die Korinther und Sikyonier und wem sonst die Befestigung zum Schaden gereicht hätte, eilten herbei und verhinderten dieselbe.
 
In demselben Sommer kam eS auch zum Kampfe zwischen den Epidauriern und den Argivern, angeblich wegen des Opfers für 44) Vergl. B. Ill, 92. II. den Pythischen Apollo, welches den Epidauriern für die Benützung 419 v. Chr. von Weidegeländen oblag, das sie aber nicht abgeführt hatten. Es l haben nämlich die Argiver das meiste Recht an den betreffenden Tempelz aber auch ohne diesen Vorwand hätte es wohl dem Alkibiades und den Argivern vortheilhaft geshcienen, Epidauros wo möglich an sich zu ziehen, einmal um die Korinther zwingen zu können, sich ruhig zu verhalten, und dann weil sie glaubten, daß es in diesem Falle den Athenern möglich wäre, von Aegina aus auf kürzerem Wege Zuzug zu leisten als mit Umschiffung des Skylläischen Vorgebirges. Indessen rüsteten sich die Argiver, in ihrem eigenen Namen zur Eintreibunq des Opfers in Epidauros einzufallen.
 
Um dieselbe Zeit zogen aber auch die Laledämomer mit gesammter Macht zu Felde gegen Leuktra, das an der Gränze gegen das Lykäon zu liegt. Ihr König Agis, des Archidamos Sohn, führte sie an. Es wußte aber Keiner, wohin der Zug gehe, — auch die Städte nicht, welche Zuzug geleistet hatten. Da ihnen aber das Opfer an der Gränze nicht glücklich ausfiel, so zogen sie wieder nach Hause und sagten den Bundesgenossen an, sie sollten sich nach dem kommenden Monat, — dem Karneios nämlich, der bei den Donern ein heiliger Mond ist, — zu einem Feldzug bereit halten. Nach dem Rückzüge jener aber zogen die Argiver noch am vierten Tage vor dem Beginn des Karneios aus, rückten diesen Tag über vor und verwüsteten dann die ganze Zeit durch das Epidaurische Gebiet durch ununterbrochene Einfälle. Die Epidaurier riefen nun ihre Bundesgenossen zu Hülfe, allein die Einen schützten den (heiligen) Monat vor, und die Andern rückten zwar bis an die'Epidaurische Gränze/ verhielten sich dann aber unthätig^' ' '' ' 'i ' ^ .
 
Während nun die Argiver im Epidaurischen tsanden, waren, von den'Athenern aufgefordert^ Gesandtshcaften der Städte in Mantinea zusammengetreten, und als'es'zum Reden kam, "erklärte der Korinther Euphamidas, „die Reden stimmten nicht zu den^Thaten; denn sie säßen dahier des Friedens wegen'bei einander, die Epidaurier'aber'mit ihren^Bündesgenossen und die Argiver stünden sich'einander-in'Waffen gegenüber;" es wäre zuerst Pflicht^ daß von-beider? Parteien Männer dorthin gingen und die Heere nach Hause schickten; dann könne man wieder vom Frieden reden." Damit fand.er Beifall, 419 v. Chr. und so gingen denn Abgeordnete hin und bewogen die Argiver zum Abzug aus Epidauria. Danach, kamen sie am selben Orte wieder zusammen, konnten aber auch jetzt Nichts vereinbaren, sondern die Argiver fielen wiederum in Epidauria ein und verwüsteten das Land. Es waren aber auch die Lakedämonier gegen Karyä ausmarschirt, da ihnen jedoch auch dießmal die Opfer an der Gränze nicht glücklich ausfielen, so zogen sie wieder nach Hause zurück. Die Argiver aber, nachdem sie ungefähr den dritten Theil von Epidauria verwüstet hatten, zogen wieder nach Hause ab. Auch von den Athenern war ein Zuzug von Tausend Schwerbewaffneten unter des Alkibiades Führung zu ihnen gestoßen; nachdem sie aber erfahren, daß die Lakedämonier ihren Feldzug beendigt, hätten. und daß man ihrer nicht mehr bedürfe, so gingen sie wieder heim. Und damit war dieser Sommer zu Ende.
 
In dem folgenden Winter brachten die Lakedämonier, ohne haß die Athener darum merkten, aus dem Seewege drei Hundert Mann unter Anführung des Agefippidas als Besatzung nach Epidauros. Da schickten die Argiver nach Athen und führten Beschwerde, es sei ja im Vertrage bestimmt, daß kein Theil Feinden den Durchzug durch sein Gebiet erlauben dürfe, und doch hätten sie jenen die Seefahrt gestattet; wenn nun die Athener nicht die Messenier und Heloten zum Schaden der Lakedämonier nach Pylos brächten, so würden sie selbst glauben Unrecht erlitten zu haben. Die Athener nun, überredet von Alkibiades, schrieben auf die Lakonische Säule unten an:^ „Die Lakedämonier haben die Eide nicht gehalten", und brachten auch die Heloten von Krania nach Pylos um Plünderungszüge zu unternehmen, sonst aber verhielten sie sich ruhig.
 
In diesem Winter dauerte der Krieg zwischen Argivern und Epidauriern fort, zu einer förmlichen Schlacht aber kam es nicht, sondern eS wurden nur Hinterhalte gelegt und Ueberfälle veranstaltet, bei welchen, wie eS sich gerade traf, von beiden Seiten Einige sielen.
 
413 v. Chr. Zu Ende des Winters, schon gegen Frühlings Anfang, erschie. nen die Argiver mit Sturmleitern vor Epidauros, in der Meinung die Stadt mit Gewalt nehmen zu können, da sie des Krieges wegen Vergl. V. 35. von Vertheidigern entblößt, sei; sie mußten aber unverrichteter Dinge 418 v. Chr. wieder abziehen.- So. ging der Winter zu Ende und mit ihm das dreizehnte Jahr dieses Krieges.
 
'In der Mitte des daraus folgenden Sommers, da die verbündeten Epidanrier in Bedrängniß waren,.nnd der übrige Peloponnes theils schon abgefallen war, theils nicht in der besten Verfassung, so dachten die Lakedämonier, wenn sie nicht schnell Maßregeln treffen würden, so werde das Uebel noch größere Fortschritte machen, und zogen deßhalb selbst und mit den Heloten in gesaminter Macht-gegen Argos zu Aelde.' Anführer war Agis, des Archidamos Sohn, König der Lakedämonier. Mit ihnen zogen aus die Tegeaten und wer sonst von den?Arkadern mit den ^Lakedämoniern verbündet war.- Die Bundesgenossen vom übrigen Peloponnes und die von auswärts sammelten sich bei Phlius, von den Böotern nämlich fünf Tausend Geharnischte und ebensoviel? Leichtbewaffnete nebst fünf Hundert Reitern, ein jeder mit einem Neitgenossen von den Korinthern aber zwei Tausend Geharnischte und die Uebrigen nach Vermögen; die Phliasier aber mit gesammter Macht, da dieß Heer in ihrem Gebiete stand.
 
Die Argiver ^abcr hatten schon von vorn herein von den Rüstungen der Lakedämonier Kenntniß Erhalten, und auch/daß diese jetzt gegen'Phlius marshcirten^ um sich dort mit den Andern zu'vereinigen, und so zogen auch-sie auS. Zu ihnen-waren gestoßen die Mantineer mit ihren Bundesgenossen und von den Eleern drei Tausend Schwerbewaffnete. Im Vorrücken nun trafen sie bei Methydrion in Arkadien auf-'dle Lakedämonier, und beide Theile besetzten einen Hügel. Da schickten sich denn die Argiver an; den Lakedämoniern, da sie noch vereinzelt seien ,'eine Schlacht'zu liefern ; Agis aber ließ sein Heer in der Nacht aufbrechen und marschirte, ohne daß die Argiver eS gewahr wurden, nach PhliuS zu den andern Bundesgenossen. Als die Argiver das bei Tagesanbruch merkten, zogen sie sich zuerst nach Argos' zurück und besetzten dann die Straße nach Ne­ 46) Hamippoi. Fußsoldaten, sie jeder einem Rester zugetheilt snach Erfordern ihn zu Fuß begleiteten oder sich auf sein Pferd schwangen (Kr.). Gleiche? bei den Deutschen, Eäsar, Gallischer Krieg l, 48. 418 v Chr. mea, wo sie erwarteten, daß die Lakedämonier mit ihren Verbündeten Herabkommen würden. Agis wandte sich aber nicht nach der Seite, wo jene ihn erwarteten, sondern befahl den Lakedämoniern, Arkadiern und Epidauriern, mit ihm einen andern schwierigeren Weg einzuschlagen, und stieg so in die Arglvische Ebene hinab. Die Korinther und Pelleneer und Phliasier nahmen einen andern, auch steilen Weg; den Böotern aber und Megarern und Sikyoniern war besohlen, auf der Straße nach Nemea hinabzusteigen, wo die Argiver Stellung genommen hatten, damit wenn die Argiver gegen die Lakedämonier in der Ebene rücken sollten, sie ihnen mit der Reiterei, in den Rücken fallen könnten.
 
Nachdem Agis diese Befehle ertheilt, fiel er in die Ebene hinab und verwüstete Saminthos und andere Ortschaften; die Argiver aber, als sie dieß erfuhren, rückten schon bei Hellem Tage zur Abwehr aus Nemea heran und stießen auch mit dem Heere der Phliasier und Korinther zusammen, wobei sie den Phliasiern einige Leute tödtetenwährend ihnen selbst von den Korinthern nicht eben viel mehr getödtet wurden.. Die Böoter nun und die Megarer und Sie kyonier marschirten, wie ihnen befohlen war, auf Nemea zu, trafen aber die. Argiver nicht mehr dort, da diese, als sie in die,Ebene gekommen und die Verwüstung ihres Gebietes sahen, sich dort in Schlachtordnung ausgestellt hatten. Gegen sie schickten sich^nun^auch die Lakedämoyjer.zum, Kampfe an. ^ Die Argiver fanden sich aber mitten unter Feinden.eingeschlossen; denn in der Ebene waren sie durch, die Lakedämonier von ihrer eigenen Stadt abgeschnitten? vom Gebirge aber durch die Korinther, Phliasier und Pelleneer, und von Nemea her zeigten sich die Böoter , Sikyonier und Megarer.. Pferde aber hatten sie selbst.keine, denn die Athener waren von allen Bundesgenossen allein noch..nicht erschienen^- Die große Menge der Argiver. und ihrer Verbündeten sah aber die .Lage, nicht sür so gar gefährlich an, sondern es schien ihnen, der Kampf werde für. sie günstig ausfallen, und sie hätten ja dieLakedämonier hier im eigenen Lande und dicht vor ihrer Stadt abgefangen. Zwei Männer indessen von den Argivern, Thrasyllos ^nämlich, einer der fünf.Feldherrn^ und Alkiphron,. ejn.TtaatSgästfrennd der Lakedämonier, gingen, als die Heere schon nahe am Zusammenstoß waren-,^ zum:Agis und.beredetea ihn, es nicht zur Schlacht kommen zu lassen; denn die Argiver seien 418. v. Chr. bereit, Recht zu geben und zu nehmen, wie es billig und Allen gerecht sei, falls die Lakedämonier gegen die Argiver Beschwerde hätten, und für die Zukunft wollten sie ein Bündniß schließen und Frieden haben unter einander.
 
Die aber von den Argivern solche Anträge machten, redeten nur auf ihre eigene Verantwortung und nicht auf Befehl des Volkes, und auch Agis nahm die Vorschläge ganz auf eigene Hand an, ohne sich mit Mehreren zu berathen; vielmehr machte er nur einem der mit ausgezogenen Beamten davon Mittheilung und schloß einen Waffenstillstand aus vier Monate ab, binnen welcher Frist jene das Versprechen erfüllen sollten. Auch führte er das Heer sogleich zurück, ohne einem der übrigen Bundesgenossen etwas zu sagen, und die Lakedämonier und die Verbündeten folgten zwar auch seiner Führung aus Achtung vor dem Gesetz, allein unter sich ließen sie viele Beschuldigungen gegen den Agis laut werden, da sie glaubten, die Gelegenheit zum Schlagen sei für sie sehr günstig gewesen, und obgleich die Feinde von allen Seiten von Reitern und Fußvolk eingeschlossen gewesen seien, so hätten sie selbst doch wieder abziehen müssen, ohne etwas solcher Rüstung Würdiges ausgeführt zu haben. Und in der That war dieß das schönste Hellenische Heer, das bis dahin vereinigt gewesen. Das war am besten zu sehen, so lange es in seiner ganzen Stärke in Nemea vereinigt stand, wo die Lakedämonier mit gesammter Macht erschienen und Arkader und Böoter und Korinther und Sikyonier und Pelleneer und Phliasier und Megarer, und zwar alle mit ihrer auserlesensten Mannschaft, — zum Kampfe nicht allein den Argivischen Bundesgenossen gewahcsen ershceinend, sondern auch noch Andern dazu, wenn sie am Platze gewesen wären; — das Heer also zog unter solcherlei Anschuldigung gegen den Agis wieder ab und zerstreute sich dann,, ein Jeder in seine Heimat.. §
 
Die Argiver aber beschuldigten ihrerseits die noch viel härter, welche ohne Auftrag der Menge den Waffenstillstand abgeschlossen hatten, denn auch sie waren der Meinung, es hätte sich für sie die Gelegenheit gar nicht besser treffen können, und doch seien ihnen die Lakedämonier wieder entwischt; der Kampf würde ja ganz in der Nähe ihrer eigenen Stadt und im Beisein so vieler und trefflicher Thukydides V. 4 4l8 v. Chr. Bundesgenossen Statt gefunden haben. Auch fingen sie aus dem Rückzüge bei Charadron, wo von ihnen die Rechtshändel des Feldzuges vordem Eintritt in die Stadt abgemacht werden, an, den Thrasyllos mit Steinen zu bewerfen. Zwar gelang es ihm selbst sich zu retten, indem er zu dem dortigen Altar floh,, sein Vermögen jedoch wurde eingezogen.
 
Als danach auch aus Athen ein Zuzug von Tausend Geharnischten und drei Hundert Reitern unter Führung des Laches und Nikostratos ershcien, trugen die Argiver gleichwohl Bedenken, den Waffenstillstand mit den Lakedämoniern zu, brechen, und hießen jene wieder abziehen. Auch ließen sie sie nicht vor die Volksversammlung, wo jene ihre Sache vertreten wollten, bis die Mantineer und Eleer — denn diese waren noch anwesend — sie durch ihr Drängen dazu zwangen. Da sagten nun die Athener, bei denen Alkibiades als Gesandter war, vor den Argivern und ihren Bundesgenossen, es sei -Unrecht einen Waffenstillstand ohne die andern Verbündeten auch nur abzuschließen, und jetzt, wo sie selbst zu so gelegener Zeit erschienen seien, müsse man erst recht zum Kriege greisen. Mit solchen Worten überredeten sie die Bundesgenossen und marschirten sogleich Alle, mit Ausnahme der Argiver, gegen das Arkadische Orchomenos; denn obgleich sich auch diese hatten umstimmen lassen, so blieben sie doch Anfangs zurück; später indessen rückten auch sie nach. Nun setzten sie sich Alle insgesammt um Orchomenos und belagerten und bekannten die Stadt, denn sie hatten sowohl andere Gründe den Platz zu gewinnen, als auch weil die Arkadischen Geißeln hier von den Lakedämoniern waren untergebracht worden. Die Orchomenier nun fürchteten bei der Schwäche ihrer Mauern und der großen Zahl der Angreifer, und da auch Niemand ihnen zu Hülfe kam, sie möchten noch zuvor unterliegen, und ergaben sich deßhalb unter der Bedingung, daß sie in den Bund aufgenommen würden, für sich selbst Geißeln an die Mantineer stellten und die auslieferten, welche die Lakedämonier bei ihnen in Verwahrung gegeben hatten.
 
Danach nun, als sie Orchomenos gewonnen hatten, beraths schlagten die Bundesgenossen unter sich, gegen welche der übrigen Städte man zuerst ziehen solle. Die Eleer nun verlangten, gegen Lepreon, die Mantineer aber gegen Tegea, und Argiver und Athener fielen den Mantineern zu. Da zogen nun die Eleer aus Zöi5n dar- 418. v. Chr über,' daßijene nicht den Marsch gegen Lepreon beschlossen hatten, < nach-Hause ab ,- die übrigen Verbündeten aber trafen in Mantinea ihre Anstalten zum Zuge gegen Tegea. Auch wären einige von den Tegeaten in der Stadt selbst bereit, ihnen dieselbe zu verrathen.
 
Die Lakedämonier aber,'als sie nach Abschluß des viermonatlichen Waffenstillstandes von Argos abgezogen waren, zürnten sehr auf Agis, daß er ihnen Argos nicht unterworfen habe, obwohl die Gelegenheit so günstig gewesen sei wie^ früher niemals; denn es sei nicht leicht, Tso viele und so treffliche Bundesgenossen'wieder zusammenzubekommen^ Als nun aber auch noch die Einnahme von Orchömenos gemeldet wurde, so erzürnten sie sich noch mehr und beschlossen in ihrer Erbitterung gegen ihre Gewohnheit allsogleich man solle des Agis Haus niederreißen -und ihn um Hundert Tausend Drachmen 48) tsrafen. Doch wandte er durch seine Bitten noch ab, daß eins oder das-andere geschah, indem er verhieß, durch eine tapfere That im Feldzug die'Schuld wieder gut zu machen; wenn aber nicht, so könnten sie dann thun, was sie wollten. Darauf hin nun schoben jene die Geldstrafe und das Niederreißen seines Hauses aus, machten aber bei-diesem Anlasse ein Gesetz, wies es früher bei ihnen nie gegolten hatte: sie wählten.ihm nämlich zehn Spartiatische Männer zu Beiräthen, ohne deren Gutheißen er nicht die Besugniß"haben sollte, ein Heer aus'der Stadt zu führen.
 
Da kam ihnen nun Botschaft von ihren Freunden in Tegea, wenn sie nicht schleunigst erschienen, so werde Tegea zu den Argivern und deren Bundesgenossen übergehen, ja es sei fast schon so gut wie übergegangen. Nun fand in Uebereile ein Hülfszug der Lakedämonier Statt/mit gesammter Macht, sowohl von ihnen selbst als von den Heloten, wie früher nie'einer geschehen war. Sie marschirten aber gegen das Orestheion in der Mänalischen Landschaft und ließen ihren Arkadischen Bundesgenossen ansagen, sie sollten sich sammeln und ihnen auf dem Fuße nach gegen Tegea ziehen. Sie selbst, als sie 47) Ueber das sonst behutsame Verfahren der Spartaner unter und gegen einander vergl. die Geschichte des Pausanias B. I, 132. 48) Je nachdem hier die Peloponnesische oder die Attische Drachme gemeint ist, belies sich diese Summe aus ungefähr M.VVO oder 40,RX1 rhein. Gulden. 4* 418 v. Chr. mit gesammter Macht bis zum Orestheion gekommen waren, entließen von hier aus den sechsten Theil ihrer Truppen nach Hause, darunter die Aeltesten und die Jüngsten, um die Heimat zu bewachen; mit dem übrigen Heere rückten sie nach Tegea. Nicht lange danach erschienen auch die Arkadischen Bundesgenossen. Auch sandten sie Botschaft nach Korinth und zu den Böotern und Phokiern und Lokrern, mit der Aufforderung, schleunig gegen Mantinea zu Hülfe zu ziehen. Doch kam diesen der Befehl zu plötzlich, und überdieß war es nicht leicht, das feindliche Gebiet zu durchziehen, wenn sie sich nicht erst sammelten und. auf einander warteten, denn dasselbe erstreckte sich in der ganzen Länge zwischen ihnen und den Lakedämoniern; gleichwohl beeilten sie sich möglichst. Die Lakedämonier indessen zogen die anwesenden Arkadischen Bundesgenossen an sich und machten einen Einfall in das Gebiet von Mantinea. Leim Herakleion schlugen sie ein Lager und verwüsteten das Land.
 
Die Argiver und die Verbündeten, als sie jener ansichtig wurden, besetzten einen festen, schwer zugänglichen Ort und stellten sich wie zur Schlacht auf. Die Lakedämonier gingen nun sogleich aus sie los, und schon waren sie ihnen bis auf Stein- oder Speerwurfsweite nahe gekommen, da rief.Einer von den Aelteren, als er sah, wie sie auf die starke Stellung losgingen, dem Agis zu: er denke ein Uebel durch ein anderes Uebel zu heilen, —^womit er sagen wollte, der jetzige unzeitige Eifer solle wohl den. getadelten Rückzug auS Argos wieder gut machen. , Und jener, sei es nun dieses Zurufs wegen, oder daß ihm von selbst plötzlich ein anderer Gedanke kaut,- führte, das Heer in Eile wieder zurück, bevor es zum Zusammenstoß gekommen war. Nun ging er wieder in das Gebiet, von Tegea und leitete das Wasser in das Mantineische hin ab.,j Wenn dieß nämlich geschieht, sei es nun, daß die Wasserströmung nach dem einen oder dem anderen Gebiet hin geleitet wird, so gerathen die Mantineer und Tegeaten jedesmal unter einander in Kampf, da,sehr viel Schaden angerichtet wird. Auf diese Weise wollte er die Argiver und ihre Verbündeten von dem Hügel herablocken, indem er dachte, sie würden zur Verhütung der Wasserableitung, wenn sie davon erführen, schon herunterkommen, und dann' wollte er die Schlacht in der Ebene lie^ fern. Diesen Tag über blieb er daselbst und leitete die Gewässer ab. Die Argiver nun und ihre Verbündeten waren über den plötzlichen 418 v Chr. Rückzug jener zuerst ganz betroffen und wußten nicht, was sie daraus, machen sollten; dann aber, als jene im Rückmarsch ihnen bereits aus dem Auge kamen und sie selbst immer noch ruhig stehen blieben ohne zu verfolgen, so beschuldigten sie wieder'um^ihre Feldherren, sie'hätten früher schon bei Argos die Lakedämonier-so schön in der Falle gehabt und sie entwishcenlassen, und jetzt, wo sie von selbst davonliefen, verfolge sie Keiner,' sondern man lasse jene in aller Ruhe ihre Hautsalviren, während man'sie selbst verrathe. - Die Feldherrn nun geriethen darüber für-den Augenblick in Verlegenheit, danach aber führten sie das Heer von dem Hügel in die Ebene hinab und lagerten"isch dort, bereit den Feind anzugreifen.
 
Am folgenden Tag stellten sich die Argiver und ihre Verbündeten wieder in Ordnung auf, um jenen eine Schlacht-zu liefern, wenn sie auf sie stoßen sollten; die Lakedämonier aber marschirten von dem Wasser wieder nach ihrem alten Lager beim Herakleion, als sie plötzlich der Feinde ansichtig wurden, die vom Hügel her sich genähert hatten und alle schon in Schlachtlinie standen. Damals nun geriethen die Lakedämonier in die größte Bestürzung, deren sie sich erinnern, denn in kürzester Frist mußten sie-ihre Anstalten treffen. Und sogleich stellten sie sich,in aller Eile in ihre hergebrachte Schlachtordnung, so wie Agis, der König, Alles dem Gebrauche gemäß anordnete. Denn wenn der König im,Felde anführt, gehen alle Verfehle ivon ihm aus: er sagt, was geschehen soll, den Unterfeldherrn (Polemarchen),.die den Obristen (Lochagen), die den Hauptleuten (Pentekonteren), die den Rottenweibeln (Enomotarchen) und diese endlich den Rotten (Enomotien) -Und auch mündliche°Anweisangen, wenn solche nöthig befunden werden, machen denselben Weg und kommen schnell an die Truppe; denn das Heer der Lakedämonier besteht fast ganz aus'Befehlshabern.über andere Befehlshaber, so daß die Sorge um das, was geschehen soll, sehr Vielen am Herzen liegt.
 
Damals nun standen auf ihrem linken Flügel die Skiriten, welche allein unter den Lakedämoniern immer diese Stellung haben; 49) Vergl. Kap 68. 418 v. Chr. nächst ihnen die Soldaten des Brasidas, die in den Thrakischen Gränzlanden gefochten hatten, und bei ihnen die Neubürger; danach hatten die Lakedämonier selbst ihre Schaaren der Reihe nach aufgestellt und neben ihnen, von den-Arkadern die Heräer, danach die Mänalier, und aus.dem rechten Flügel die Tegeaten, und eine geringe Zahl Lakedämonier an der Spitze des Flügels; die Reiterei war auf beide Flügel vertheilt. Dieß war die Aufstellung der Lakedämonier; bei den Gegnern aber standen auf dem rechten Flügel die'Mantineer,weil auf ihrem Grund und Boden geschlagen wurde; neben ihnen die Bundesgenossen von den. Arkadern , danach die Tausend Mann Kerntruppen der Argiver, welche die Stadt seit langer Zeit auf öffentliche Kosten im Kriegswesen üben ließ 5"); an diese'reihten sich die übrigen Argiver und mit ihnen ihre Bundesgenossen, die Kleonäer und Orneaten, danach zuletzt an der Spitze des linken Flügels die Athener und bei ihnen ihre eigene. Reiterei.
 
Dieß war Aufstellung und Macht beider Theile; und das Heer der, Lakedämonier zeigte sich als das stärkere; die Zahl aber angeben, entweder wie viele auf jeder Seite, oder wie viele im Ganzen in's Gefecht kamen, könnte ich nicht mit Genauigkeit. Die-Zahl der Lakedämonier nämlich wußte Niemand, weil sie überhaupt-alle Staatssachen geheim halten, und den Angaben über die Zahl der Andern konnte ich hinwieder keinen Glauben schenken, weil die Menschen die Stärke.der eigenen Macht immer prahlerisch zu übertreiben pflegen. Doch kann Einer wohl aus der folgenden Berechnung auf die Zahl der Lakedämonier schließen, die damals bei-einander waren: Ohne -die sechs Hundert Skiriten nahmen an dem Gefecht Theil sieben Schaaren (Lochen), jede.Schaar hatte vier Haufen (Pentekostyen), jeder Haufe vier Rotten (Enomotien). In jeder Rotte aber fochten im ersten Glied vier Mann; die Tiefe der Aufstellung war nicht bei Allen gleich, sondern hing von den Obristen ab; im Durchschnitt jedoch standen sie acht Mann hoch.'" Die Skiriten abgerechnet standen im Ganzen in der Front vier Hundert und acht und vierzig Mann. 50) Ein stehendes Heer in Miniatur, erlesen auS Jünglingen der reicheren Klassen und daher später Handhabe der Aristokratie (Kr.).
 
Als es nun bereits zum Zusammenstoß kommen sollte, 418 v. Chr. wurde jegliche Abtheilung von ihren eigenen Feldherrn auf folgende, Weise ermuntert. Den Mantineern sagten sie, daß sie für das Vaterland kämpften, und es handle sich jetzt darum, ob sie die Herrschaft über Andere behalten oder selbst in die Knechtschaft fallen wollten; jene, die sie bereits genossen, sollten sie sich nicht entreißen lassen,, diese aber nie mehr vershcmecken wollen; — die Argiver wurden er-mahnt, sie dürften nicht dulden, daß sie ihrer alten Herrschaft über den Peloponnes und dann des gleichen Einflusses mit den Lakedämoniern ganz und gar beraubt würden, und sie sollten jetzt auch an feindlich gesinnten und ihre Stadt so nahe bedrohenden Männern für viele Beleidigungen Rache nehmen. Den Athenern sagten sie, wie ruhmvoll es sei, mit zahlreichen und tapferen Bundesgenossen in einer Reihe, zu fechten und hinter Keinem zurückzustehen; wenn.siemitten im Peloponnes die Lakedämonier besiegt hätten, so würden sie ihre Herrschaft stärken und erweitern, und es werde dann künftig! Keiner mehr in ihr Land einfallen. Den Argivern nun und ihren Bundesgenossen wurde Solcherlei zur Ermuthignng gesagt; die Lakedämonier aber ermunterten Einer den Andern selbst, und mit den kriegerischen Gesängen, die sie unter sich lernen, ermähnten sie eingedenk zu sein, daß sie tapfere Männer seien, wohl wissend, daß, wo/ die Entscheidung schon so nahe steht, lange Uebung der That eher Rettung gewähre als Wortermunterung in zierlicher Rede

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