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Ἱστορίαι

Ἱστορίαι Thucydides

Book 3

 
Am Tage danach übernahm, da Eurylochos und Violarios gefallen waren, Menedaws den Oberbefehl und war nun in großer Verlegenheit, wie er nach einer so großen Niederlage, wenn er dabliebe, die Belagerung werde aushalten können, da er zu Lande und durch die Attischen Schiffe auch zu Wasser abgeschnitten war, oder wie er sich im Falle eines Rückzugs durchschlagen sollte. Deßhalb machte er dem Demosthenes und den Feldherrn der Akarnaner Vorschläge wegen eines Waffenstillstandes und seines Abzugs und zugleich auch wegen Ueberlassuug der Todten. Die Todten nun gaben diese heraus, stellten selbst ein Siegeszeichen auf und begruben auch ihre eigenen Gefallenen, ungefähr dreihundert an der Zahl; auf den Abzug jedoch für Alle insgesammt gingen sie öffentlich nicht ein, heimlich aber gestatteten Demosthenes und seine Mitfeldherrn von den Akarnanern den Mantineern und dem Meneda'ios, wie auch den übrigen Führern der Peloponnesier und wer sonst von angesehenen Männern bei ihnen war, in aller Eile abzuziehen. Dadurch wollte er die Amprakioten und den großen Haufen der fremden Miethstruppen vereinsamen, mehr aber noch beabsichtigte er die Lake- Thukydides. III. 18 425 v. Chr. dämonier so bei den dortigen Hellenen in Verruf zu bringen, als Verräther, die nur sich selbst am meisten im Auge gehabt hätten. Jene hoben denn auch ihre Todten auf, begruben sie in der Geschwindigkeit so gut es ging und machten, denen es gestattet war, heimlich Anstalten zum Abzug.
 
Dem Demosthenes aber und den Akarnanern wurde nun gemeldet, daß die Amprakioten aus ihrer Hauptstadt mit gesammter Macht auf die erste Meldung von Olpä sich zur Hülse aufgemacht und durch das amphilochische Gebiet heranzögen, um sich mit denen in Olpä zu vereinigen, denn von dem was vorgefallen war, wußten sie noch nichts. Sogleich schickte er also einen Theil seines Heeres ab, auf den Straßen im Voraus Hinterhalte zu legen und die festen Punkte vorwegzunehmen, und zugleich schickte er sich mit dem übrigen Heere an, zur Unterstützung nachzurücken.
 
Unterdessen verließen die Mantineer und die im Vertrage mitbegriffen waren, die Stadt, vorgebend, sie wollten Kräuter und Holz sammeln, und entfernten sich mehr und mehr von den Mauern, immer in kleinen Gruppen bei einander, indem sie wirklich das suchten, was sie zum Vorwand genommen. Als sie sich dann schon ziemlich weit von Olpä entfernt hatten, beschleunigten sie ihre Schritte. Die Amprakioten aber und die Andern, wie sie grade so haufenweise bei einander standen und jene davon gehen sahen, machten sich auch auf die Beine und liefen hinterdrein, um jene noch einzuholen. Die Akarnaner glaubten nun zuerst, Alle insgesammt wollten gleicherweise ohne Vertrag durchgehen, machten sich hinter den Peloponnesiern her und es kam sogar vor, daß der Eine und Andere von ihnen nach den eigenen Feldherrn schoß, die abwehrten und sagten, es sei ein Vertrag abgeschlossen worden, denn man glaubte, es sei Verrath im Spiel. Dann ließen sie aber doch die Mantineer und die Peloponnesier abziehen und tödteten nur die Amprakioten. Dabei gab es aber viel Streit und Ungewißheit, ob Einer ein Amprakiote sei oder ein Peloponnesier. Ihrer zweihundert ungefähr hieben sie nieder, die Andern flüchteten sich aus das angrenzende Agräische Gebiet und der Agräer-König, Salynthios, der ihr Freund war, nahm sie aus.
 
Die Amprakioten aus der Stadt kamen unterdessen nach Jdomene. Dieß Jdomene besteht aus zwei hohen Hügeln, deren größeren die vom Heere des Demosthenes Vorausgesandten bei An- 425 v. Chr. bruch der Nacht unbemerkt voraus besetzt hatten, den kleineren hat-, ten bereits die Amprakioten erstiegen und blieben die Nacht über dort. Demosthenes und das übrige Heer rückten, nachdem sie ihr Mal genommen un8 sobald es Abend geworden, rasch vor, er selbst mit der Hälfte der Truppen gegen den Paß, die Andern über die amphilochischen Berge; und mit dem ersten Morgengrauen fällt er über die Amprakioten her, die noch im Schlafe lagen und von Allem, was vorgegangen, Nichts gemerkt hatten, vielmehr jene für Leute von den Ihrigen hielten. Demosthenes hatte nämlich absichtlich die Messenier vorangestellt und ihnen besohlen, die Feinde auf Dorisch anzureden, und die Vorposten sicher zu machen; auch waren sie durch das Auge nicht zu unterscheiden, da es noch dunkel war. So wie er nun über sie herfiel, flohen jene und wurden in großer Zahl ans dem Platze niedergemacht, die Andern suchten in die Berge zu entkommen. Weil aber die Wege im Vorhinein besetzt waren und zugleich die Amphilochier, ihrer eigenen Ortsgelegenheiten kundig, überdies; noch den Geharnischten gegenüber den Vortheil der leichten Bewaffnung hatten, jene hingegen, der Gegend unkundig, nicht wußten, wohin sie sich wenden sollten, so fielen sie in Schluchten und in die vorher gelegten Hinterhalte und kamen um. Und jeglichen Ausweg der Flucht versuchend wendeten sich Einige auch gegen das Meer hin, das nicht weit entfernt war, und da sie der attischen Schiffe ansichtig wurden, die zur selben Stunde, da die Schlacht vorfiel, an der Küste dahersegelteu, so suchten sie diese durch Schwimmen zu erreichen, denn in ihrer jetzigen Aufregung dachten sie, es sei besser, wenn es schon einmal sein müsse, von denen auf den Schiffen den Tod zu leiden, als von den barbarischen und ihnen so verhaßten Amphilochiern.
 
So waren die Amprakioten geschlagen worden und entkamen ihrer nur wenige in ihre Stadt; die Akarnaner aber nahmen den Todten ihre Rüstung ab, stellten Siegeszeichen auf und zogen sich dann auf Argos zurück.
 
Zu ihnen kam Tags darauf ein Herold der Amprakioten, die von Olpä aus auf agräifches Gebiet entkommen waren, die Verabfolgung ihrer Todten zu begehren, die nach der ersten Schlacht 13* 425 v. Chr. niedergehanen worden, als sie mit den Mantmeern und den m den Vertrag Eingeschlossenen zu entkommen suchten, ohne in dem Vergleich mit inbegriffen zu sein. Da nun der Herold die Waffenrüstungen derer aus der Amprakiotischen Hauptstadt sah, wunderte er sich sehr über die große Menge; denn er wußte nichts von dem neuen Unglück, sondern glaubte, es seien die Waffen der mit ihnen selbst Ausgezogenen. Da fragte ihn Einer, worüber er sich so wundere, und wie viele von ihnen denn gefallen seien? Der so Fragende glaubte aber, der Herold sei von denen von Jdomene. Dieser nun meinte, ungefähr zweihundert. Darauf erwiderte der gefragt hatte: „Das scheint doch nicht nach diesen Waffen da, sondern es sind ihrer mehr als Tausend." „So können sie," sagte der Herold, „nicht von unsern Leuten sein." „Doch freilich," erwiderte Jener, „dafern ihr gestern bei Jdomene gefochten habt." „Aber wir haben gestern mit Niemanden zu thun gehabt, sondern vorgestern bei dem Abzüge." „Nun und wir haben gestern mit denen hier gefochten, die ans der Amprakiotischen Hauptstadt zu Hülfe heranzogen." Wie der Herold dieß hörte und nun wußte, daß der Zuzug aus ihrer Stadt zusammengehauen sei, so seufzte er tief auf, und ganz außer sich über die Größe des hereingebrochenen Unglücks, ging er zurück, ohne seines Auftrags zu gedenken und verlangte nicht weiter die Ausfolgung der Todten. Und in der That war im Verlaufe dieses Krieges dieß das größte Unglück, welches eine hellenische Stadt im Raume so weniger Tage erlitten hat. Die Zahl der Gefallenen habe ich nicht niedershcreiben wollen, weil die, welche allgemein angegeben wird, nicht in dem Verhältnis; zur Größe der Stadt steht, um glaublich zu ershceinen. Amprakia aber, das weis; ich gewiß, hätten die Akarnaner und Amphilochier im ersten Anschrei genommen, wenn sie hierin den Athenern und dem Demosthenes hätten folgen wollen, die zur Erstürmung aufforderten. Sie fürchteten jedoch, daß die Athener, wenn sie die Stadt erst hätten, ihnen noch schwierigere Nachbarn würden.
 
Danach schieden sie den dritten Theil der Waffenbeute für die Athener aus und vertheilten das Uebrige unter sich, nach den Städten. Der Antheil der Athener wurde ihnen jedoch auf der Fahrt abgenommen; was aber davon jetzt noch in den attischen Heilig thümern zur Schau steht, das sind die dreihundert Ganzrüstungen, 425 v. Chr. die für den Demosthenes ausgeschieden worden waren und die er selbst aus der Rückfahrt mitgebracht hat. Denn nach dieser That durfte er sich wegen des Unglücks in Aetolien schon nicht mehr vor der Heimkehr fürchten. — Die Athener auf den zwanzig Schiffen gingen nun nach Naupaktos. Die Akarnaner aber und Amphilochier schloßen nach dem Abzüge der Athener und des Demosthenes einen Vergleich mit den Amprakioten und Peloponnesiern, die zum Salynthios und den Agräern entkommen waren. Danach durften sie von Oeniadä aus abziehen, wohin sie sich nämlich vom Salynthios begeben hatten. Und für die Zukunft machten die Akarnaner und Amphilochier einen Frieden und Waffenbund mit den Amprakioten > auf hundert Jahre. Danach sollten weder die Amprakioten mit den Akarnanern zu Felde ziehen dürfen gegen die Peloponnesier, noch auch die Akarnaner mit den Amprakioten gegen die Athener; gegenseitig aber sollten sie sich ihr Gebiet vertheidigen helfen, und was die Amprakioten an Land oder an Geißeln von den Amphilochiern in Händen hatten, das sollten sie zurückgeben, auch der Stadt Anaktorion keine Hülse leisten, denn die war. den Akarnanern Feind. In diesen Punkten kamen sie überein und machten damit dem Krieg ein Ende. Danach schickten die Korinther eine Besatzung aus ihrer Bürgerschaft nach Amprakia, gegen drei hundert Schwerbewaffnete unter Führung des Xenoklidas und des Euthykles, die unter großen Schwierigkeiten auf dem Festlandswege dahin kamen. Solchen Verlauf nahmen die Dinge wegen Amprakiens.
 
Auf Sicilien unternahmen die Athener in demselben Winter von der See aus eine Landung gegen Himeräa,' während gleichzeitig die Sikelier vom Binnenlande aus über die Gränzen von Himeräa eindrangen, und auch gegen die äolischen Inseln segelten sie. Als sie dann in Rhegium wieder eingelaufen, trafen sie dort den Pythodoros, des Jsolochos Sohn, als Feldherrn der Athener, der den Laches in seinem Flottenkommando abgelöst hatte. Die Sikelischen Bundesgenossen hatten nämlich Schiffe nach Athen geschickt und diese überredet, sie mit einer stärkeren Flotte zu unter - 54) Laches war einer Anklage wegen abberufen worden. 425 v. Chr. stützen. Denn auf ihrem Landgebiet waren die Syrakusaner Meister und auch von der See wurden sie durch eine geringe Zahl Schiffe von jenen abgeschnitten. Das nun wollten sie nicht länger mehr ertragen, und trachteten nun eine Flotte aufzubringen. Die Athener bemannten auch vierzig Schiffe, sie ihnen zuzusenden, einmal weil sie den Krieg so früher zu Ende zu bringen hofften, und dann auch, weil sie ihrer Flotte Gelegenheit zur Uebung geben wollten. Den einen der Feldherrn nun, den Pythodoros, sandten sie mit wenigen Schiffen ab; Sophokles, den Sohn des Sostratides, und Eurymedon, des Thukles Sohn, wollten sie mit der größeren Zahl der Schiffe später nachschicken. Pythodoros aber, der bereits an des Laches Statt das Kommando des Geschwaders übernommen hatte, segelte zu Winters Ende gegen die Verschanzung der Lokrer, welche Laches früher genommen hatte, wurde aber im Treffen von den Lokrern besiegt und zog sich wieder zurück.
 
Um eben diese Frühlingszeit brach auch der feurige Lavastrom aus dem Aetna 52), wie auch schon früher, und verwüstete den Katanäern einen Theil ihrer Ländereien. Denn diese wohnen am Aetna, der in Sicilien der höchste Berg ist. Dieser Ausbruch, sagen sie, sei im fünfzigsten Jahre nach dem vorangegangenen erfolgt, und im Ganzen, seitdem Sicilien von Hellenen bewohnt sei, wäre der Berg zum dritten Mal ausgebrochen. Das ist's, was in diesem Winter geschah, und damit ging das sechste Jahr dieses Krieges zu Ende, den Thukydides beschrieben hat. 55) Vergl. Humboldt, Kosmos, l. S. 45 l. (Krüger)
 
Druck von C. Hoffmann in Stuttgart.
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