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Ἱστορίαι

Ἱστορίαι Thucydides

Book 1

 
Als die in Jthome sich nicht mehr halten konnten, im 462 v. Chr. vierten Jahr der Belagerung, kamen sie imt den Lakedamomern. in einem Vertrag übereiii, daß sie aus dem Peloponnes unter steherem Geleite abziehen und ihn nie wieder betreten sollten; wenn aber doch einer betroffen werde, so solle cr des; Sklave sein, der ihn zuerst ergreife. Auch die Lakedämonier nämlich hatten früher schon einen Spruch des Pythischen Gottes erhalten: den Schutzflehenden des ZeuS von Jthome sollt ihr ziehen lassen. Jene zogen also aus mit Weib und Kind, und die Athener nahmen sie aus, jetzt schon anS Haß gegen die Lakedämonier, und wiesen ihnen NaupaktoS (Lepanto) zum Wohnsitz 460 v. Chr. an (462 v. Chr.), welches sie erst kürzlich den Ozolischen Lokrern abgenommen hatten. Damals fielen auch die Megarer von den 460 v. Chr. Lakedämoniern ab, weil die Korinther wegen der Gränzgebiete sie bekriegten, und'traten in die Bundesgenossenschaft der Athener, und diese besetzten Megara und Pegä und bauten den Megarern die langen Mauern von ihrer Stadt bis nach Nisäa und übernahmen selbst deren Bewachung, und hierin vorzüglich lag der Ansang des erbitterten Hasses der Korinther gegen die Athener ^).
 
J n ar os der Libyer, des Psammetichos Sohn und König der Libyer, welche an Aegypten gränzen, ausgehend von Marea, der 460 v. Chr. Stadt jenseits der Insel Pharos, brachte den größten Theil AegyptenS zum Abfall vom König Artaxerxes, und nachdem er selbst sich zum König gemacht hatte, rief er die Athener zu Hilfe, und diese, welche gerade mit zweihundert eigenen und Bundesgenossenschissen gegen Kypros ausgelaufen waren, verließen diese Insel und stießen zu ihm VI; nnd nachdem sie vom Meer aus in den Nil eingelaufen 164) Es sollte heißen! Im vierten Jahre. Krüger, Stnd. I, S. 156—161. 165) Nisäa ist die achtzehn Stadien von Megara entfernte Hafenstadt und war noch zur Zeit Strabo'S (IX, p. 3!il) durch lange Mauern mit Megara verbunden. Diese Mauern sollten die Verbindung mit Athen sichern, wie b, 52 (Kr.), d. h. die Stadt sollte durch Peloponnesier nie in der Art eingeschlossen werden können. daß die bei Nisäa landenden Athener nicht zwischen den langen Mauern bis nach Megara inarschiren könnten. Zweihundert Schiffe auch nach Diodor n, 71. Jsokrat. 8, 86; dreihundert nach Diodor >3, 25 cll, 7l); sünszig waren noch nachgeschickt worden, Thuk. s, liv. Die Zahl 40 bei KtcsiaS, Pers. 32 ist eine Verfälschung der Zahl Σ in M Kr.) Thijkydides I. 7 waren, machten sie sich zu Herrn des Flusses und über zwei Drittbeile von Memphis'67); das letzte Drittel, genannt die weiße Festung'68^ belagerten sie. In derselben befanden sich die Flüchtlinge der Perser und Meder und die von den Aegyptern, welche nicht mit abgefallen waren.
 
Eine Abtheilung Athener, welche bei HalieiS gelandet 460 v. Chr. war, gerieth mit den Korinthern und Epidanriern in's Tressen, und eS siegten die Korinther. Etwas später kam es zwischen den Athenern und der peloponnesischen Flotte zu einem Seekampf bei Kekryphaleia ^Jnsel nächst Epidauros^j, und hier siegten die Athener. Als dann der Krieg zwischen den Athenern und Aegineten auSbrach, so fand zwischen diesen und ihren Bundesgenossen beiderseits eine große Seeschlacht bei Aegina Statt, nnd es siegten die Athener, nahmen siebzig feindliche Schisse, landeten und belagerten die Stadt unter Anführung des Leokrates, des Stroibos Sohn. Da nun die Peloponnesier den Aegineten Hilfe bringen wollten, so setzten sie dreihundert Schwerbewaffnete, welche früher als Hilfstruppen bei den Korinthern und Epidauriern gestanden hatten, nach Aegina über und besetzten die Höhen von Gerania. In's Gebiet von Megara aber fielen die Korinther mit ihren Bundesgenossen ein, in der Meinung, die Athener würden unvermögend sein, den Megarern zu Hilfe zu kommen, da sie schon in Aegina und Aegypten eine große Macht stehen hatten; wenn sie aber doch zu Hilfe kämen, so würde man sie um so leichter von Aegina vertreiben können. Die Athener aber ließen das Heer auf Aegina stehen, und es zogen nur von den in der Stadt Zurückgebliebenen die Aeltesten und Jüngsten gen Megara unter Anführung des Myronides, und nachdem sie mit den Korinthern in unentschiedener Schlacht gekämpft hatten, zogen sich beide Theile zurück, 167) KtesiaS, Pers. 32 tt'gl. Diodor II, 74), berichtet von einer Hauptschlacht, in welcher Achameues, des ArtaxerxeS Bruder, gefallen sei <Herod. 7, 7) und mit ihm hunderttausend Mann <Herod. s, I?). Gewiß eine bedeutende Uebertreibung. (Kr.) 168) Die weiße Burg zu MemphiS, so genannt, weil sie aus natürlichen Steinen, nicht aus Backsteine» erbaut war, war das Hauptquartier der Persischen Besatzung von ?legi)ptcn, welche zu HerodotS Zeit i?v,»vv Mann betrug. Pelusium und die Insel Elcphantine waren nächstdem die bedeutendsten Stationen. und Jeder glaubte, nicht im Nachtheil gewesen zu sein. In der That war aber der größere Vortheil auf Seiten der Athener, und sie stellten deshalb auch nach der Korinther Abzug ein Siegeszeichen auf. Da aber die Korinther zu Hause von den älteren Bürgern als feige ausgescholten wurden, so rüsteten sie sich etwa zwölf Tage später von Neuem, kamen und stellten auch ein Siegeszeichen auf, gleich als ob sie gesiegt hätten. Die Athenischen Hilfstrup?en machten aber schnell einen Ausfall aus Megara, hieben die nieder, welche das Siegeszeichen errichteten, und schlugen auch die Andern in einem Gefechte.
 
Die Geschlagenen traten den Rückmarsch an, und eine nicht kleine Abtheilung derselben, hart verfolgt und des Wegs verfehlend, betrat das Gut eines Bürgers, welches rings mit einem breiten Graben umschlossen war, und ein Ausweg war nicht vorhanden. Da die Athener dies wahrnahmen, sperrten sie den Eingang durch Schwerbewaffnete ab und stellten im Kreis ringsum Leichtbewaffnete, und so tödteten sie durch Steinwürfe alle, welche dort hineingerathen waren. Dieser Verlust that den Korinthern sehr wehe; doch kam die Mehrzahl ihres Heeres nach Hause zurück.
 
Um jene Zeit begannen auch die Athener die langen 45? v. . Chr. Mauern bis an s Meer zu bauen, die nach dem Phaleros und die nach, dem PeiräeuS. Als damals die Phokier gegen Doris, der Lakedämonier Mutterland, wo Böon, Kytinion und Erineon liegen'^), einen Kriegszug unternahmen und eines dieser Städtchen eroberten, so kamen die Lakedämonier unter Anführung deS Nikomedes, des Kleombrotos Sohn, welcher anstatt des unmündigen Königs Pleistoanar, des Pausanias Sohn, die Negierung führte, mit fünfzehn- hundert eigenen Schwerbewaffneten und zehntausend Bundesgenossen den Doriern zu Hilfe, und nachdem sie die Phokier zu einem Vertrag und zur Herausgabe der Stadt genöthigt hatten, traten sie wieder den Rückmarsch an. An der Uebersahrt zur See nun, über den Busen von Krisa, würden die Athener sie zu verhindern bereit gewesen sein, welche dort mit ihren Schiffen kreuzten; durch Gerania zu marschiren 169) Gewöhnlich ist von einer dorischen TelravoliS, d. i. Bier-unter, die Sie-de. ES fehlt hier nämlich PindvS, Srr.ibo X, p. 47K. Bei PliniuS 4, 13 ist von fünf, bei den Scholinste» zu Pind.ir, Buch. I, l?l und Aristoph. PlutnS 385 von sechs Städten die Rede (Kr.). 7* schien ihnen aber nicht sicher genug, da die Athener Megara und Pegä besetzt hielten; denn Gerania war unwegsam und wurde von den Athenern fortwährend bewacht''^), und überdies hörten sie, daß die Athener sie auch hier am Durchmarsch zu hindern entschlossen seien. Sie hielten eS daher fürs Beste, in Böotien zu bleiben und zuzusehen, wie sie am sichersten würden durchkommen können. Zum Theil aber wurden sie hiezu heimlicher Weise durch einige Athener bewogen, welche die Volksherrschaft zu unterdrücken und den Bau der langen Mauern zu hindern hofftenES zogen nun gegen sie die Athener mit ganzer Macht, dabei von den Argivern tausend und von den übrigen Bundesgenossen je nach Verhältniß, im Ganzen vierzehntausend '72). Diesen Zug unternahmen die Athener, weil sie glaubten, daß jene des Rückmarsches wegen in Verlegenheit seien, zugleich aber hatten sie auch Verdacht geschöpft wegen der Gefahr für die Volksherrschaft bei ihnen. Auch Thessalische Reiter stießen gemäß dem Bundesvertrag zu den Athenern, gingen aber während des Gefechtes zu den Lakedämoniern über.
 
453 v. Chr. In der Schlacht nun, die bei Tanagra in Böotien stattfand, siegten die Lakedämonier und ihre Bundesgenossen, und es blieben auf beiden Seiten viel Todte Die Lakedämonier inarschirten dann in die Landschaft Megaris ein, verheerten die Pflanzungen und kehrten über Gerania und die Landenge nach Hause zurück. Die Athener aber zogen am zweiundsehczigsten Tage nach der 170) Nämlich seit der Besetzung l, los. (Kr.) 171) Aristokraten von der Partei des Kimon, Plutarch Kinn >7, Pcrikl. 10. In den langen Mauern erhielt die Unabhängigkeit nnd die Demokratie der Athener eine Schlitzwehr. (Kr.) 172) Wegen des Bündnisses I, 102. Erwähnt wird ihrer Hilfe Hcrod. 9, 35. P.iufan. III, II, C. (Kr.) 173); Die Athener allein hatten zu Anfang des pelopounesischen Krieges nach 2. 13 über Schwerbewaffnete. 174)Plato (MenexenoS >3. p. 24?) ist der Erste, welcher die Schlacht uuciuschiedcn bleiben läßt, und spätere Lobredner machten dann einen Athenischen Sieg daraus. Aus solchen Quellen schöpften Oiodor ilI, 80. Justin 3. V. Böckh vermuthet mit Recht,- daß der Vertrag, durch welchen die Lakedämonier den Thebaner» die Herrschaft über die Nbotier garantirten, schon vor der Schlacht abgeschlossen worden sei <kr.), weßhalb eS bei Plato heißt, das: die Athener bei Tanagra für die Freiheit der Vöotier gefochten hätten. (Kr>) Schlacht unter des Myronides Anführung gegen dieBöotier zu Feld, schlugen sie bei Oenophyta, nahmen ganz Böotien und PhokiS, rissen die Mauern der Tanagräer nieder und brachten von den Opuntischen Lokrern hundert der reichsten Männer als Geiseln mit und vollendeten ihre eigenen langen Mauern. Danach ergaben sich auch die 457 v. Chr. Aegineten an die Athener und mußten ihre Mauern niederreißen, ihre' Schiffe abgeben und für die Zukunft zinspflichtig werden. Auch umsegelten unter Anführung des TolmideS, des Tolmäos Sohn, die Athener den Peloponnesverbrannten die Schiffswerft derLake­ 456 v. Chr. dämonier sGythion am Lakonischen nahmen den Korinthern die, Stadt Chalkis weg ^in Akarnanien, j. Varassowa^j, und landeten und schlugen die Sikyonier.
 
Die Athener aber und ihre Bundesgenossen, welche in Aegypten geblieben waren, mußten vielerlei Wechsel des Kriegsglücks ertragen. Im Anfang war ganz Aegypten in die Hände der Athener gegeben. Da schickte der König den MegabazoS, einen Persischen Mann, nach Lakedämon, daß er durch Geld die Peloponnesier zu einem Einfall in Attika bewege und so die Athener zwinge, Aegypten zu verlassen. Wie ihm aber das nicht gelang, und sein Geld vergebens aufging, so kehrte MegabazoS mit dem Reste seiner Geldsummen nach Asien zurück. Nun schickte der König den Megabyzos, des Zopyros Sohn, einen Perser, mit einem großen Heere nach Aegypten. Dieser kam zu Lande, besiegte die Aegypter und ihre Bundesgenossen in einer Schlacht, vertrieb die Hellenen aus Memphis und schloß sie endlich aufder Insel Prosopitis ein und belagerte sie dort ein Jahr und sechs Monate, bis er den Kanal trocken legte und das Wasser ableitete. So 'kamen die Schiffe auf's Trockene zu sitzen, und da nun die Insel auf dieser Seite mit dem Festland zusammenhing, so ging er hinüber und eroberte sie mit feinen Landtruppen
 
Diesen verderblichen Ausgang nahmen dort die Angelegen- 454 v. Chr. heiten der Athener, nachdem der Krieg sechs Jahre gewährt hatte, und, 175) Mit fünfzig Dreiruderern und viertausend Schwerbewaffneten, nach Diodor 11,84.(Kr.) 176) Vgl. Diodor II, 77. KtesiaS, Per,'. 3Z. Auch KtesiaS läßt die Perser in der Scklacht siegen! Divdor, durch attische Rhetorik berückt, läugnet es. Ueber die Insel PrvsopitiS vgl. Hervd. 2, as. 165. (Kr.) nur wenige von den vielen retteten sich durch Libyen nachKyrene, die Meisten aber kamen um. Aegypten wurde nun wieder dem Könige botmäßig, ausgenommen Amyrtäos, der König der Sumpfgegenden '^). Den konnten sie wegen der großen Ausdehnung der Meräste nicht bewältigen, auch sind die Sumpsbewohner von allen Aegyptern die tapfersten. Jnaros aber, der libysche König, welcher in Aegypten das Alles angerichtet hatte, fiel durch Verrath in ihre Hände und wurde an's Kreuz geschlagen. Von den Athenern aber und dem übrigen Bunde waren fünfzig Dreirnderer zur Ablösung nach Aegypten geschickt worden und ankerten bei dem Mendesischen Vorgebirge, ohne von dem Vorgefallenen etwas zu wissen. Da fielen von der Landseite Truppen und zur See die phönikische Flotte über sie her und vernichteten die meisten, und nur wenige entkamen. Dies war das Ende des großen ZugS der Athener und ihrer Bundesgenossen nach Aegypten.
 
Aus Thessalien floh Orestes, des Ecliekratides, eines Thessalerkönigs,'77) Sohn, zu den Athenern nnd überredete sie, ihn wiederum einzusetzen. Die Athener nahmen auch von den Böotiern und Phokiern, ihren Bundesgenossen, Hilsetruppen und zogen gegen die 454 v. Chr. thessalische Stadt PharsaloS zu Felde. Des flachen Landes nun wurden sie Meister, so viel sie nämlich davon gewinnen konnten, ohne 176)* Die Sumpfgegenden, die auch des PsammetichoS Zuflucht gewesen, sind das Land, welches durch die Bolbikinische und die Scbcnnytischc Nilmnndung eingeschlossen wird. 177) Die Thessalischen Zustände waren nicht »»ähnlich den Ungarischen. Wie von den edlen Magyaren die Slovaken, Nuthenen, Kroaten. Schwaben u. s. w. niedergeholten wurden, so standen dort die Magneten, Mauer, Do lvper, Aeiiiancn n. s. w. in drückender Abhängigkeit von den zahlreichen thessalische» Junkern, die treffliche Reiter »nd Ritter wäre». Um die Unterthauen gleich den Lakedämonischen Periöken ind Heloten stets im Zaum zu hallen, halte diese Jnnkerschast inter sich die nöthige Vereinbarung getrcffe» , hielten Landlage ab und wählten, wenn es »vihig war, ein militärisches Oberhaupt, den TagoS, der zn Xenophons Zeit Wellen. VI, I. 7) einen Heerbann von Llwll Reitern und inebr alS lll.llvo Schwerbewaffnete» ausbringen konnte. Eigeniliche Könige gab eS nicht- Hier ist ein Magnat aus dem Geschlecht der Alenaden oder Skopaten gcnieint, deren Glieder in den einzelnen Staaten, wo sie ansäßig waren, so gut wie fürstliche Gewalt hatten <vgl, Herob. s, LZ. 7, 6). DaS Spartanische Iniikerthui» entschädigte die Menschheit doch durch einen nicht unbedeutenden geistigen und sittlichen Gehalt, das Thessalische war durch Liederlichkeit ind üppige Laster ausgezeichnet. sich weit von ihren Waffenplätzen zu entfernen, denn daran hinderten sie die thessalischen Reiter; die Stadt aber konnten sie nicht einnehmen, und auch sonst wollte ihnen Nichts von dem gelingen, weßhalb sie den Feldzug unternommen, sondern unverrichteter Sache kehrten sie mit dem Orestes wieder zurück.
 
Nicht lange danach bestiegen tausend Athener zu Pegä, welches 454 v. Chr. damals ihnen gehörte, die Schiffe und segelten gegen Sikyon unter Anführung des PerikleS, des Aanthippos Sohn, und nachdem sie gelandet waren, besiegten sie in einer Schlacht die Sikyonier, welche sich ihnen entgegengestellt hatten. Dann nahmen sie von den Achäern Verstärkung und schifften wieder nach der gegenüberliegenden Küste gegen Oeniadä in Akarnanien und belagerten diese Stadt. Allein sie konnten sie nicht einnehmen und kehrten wieder nach Hause zurück.
 
Nachdem unterdessen drei Jahre verflossen waren' kam 178) In diese Jahre fällt die Ausführung von Klernchen td. i. Loosinhaber oder Kolonisten, denen ein bestimmtes AckerlooS zugetheilt wurde) nach dem ChersviineS durch PerikleS, von andern nach Enboa und NaxoS durch TolmideS. Diodor IlI, 88. Plutarch, Perikl. IlI, >9. Pansan. I, 27. 6. (Kr.) — Die Kleruchien unterschieden sich von den eigentlichen Kolonien. Diese letzteren, wenn sie nicht die Auswanderung einer unzufriedenen oder ausgetriebenen Partei waren, dienten entweder dazu, ein sich heranbildendes Proletariat auf gute Weise und zu beiderseitiger Zufriedenheit loszuwerden, oder um Handel und Verkehr in bestimmten Gegenden zu sichern und zu erleichtern. In den meisten Fällen wurden beide Bortheile zugleich erreicht. Sehr okt wurden auch Fremde zur Theilnahme aufgefordert. Das Abhängigkeitsverhältniß der Kolonie vom Mutterstaat war ein sehr loses. So lang die Kolonie zu schwach war, sich selbst zu schuhen, mußte sie sich größere Abhängigkeit gefallen lassen. Sonst galt Gleichheit und Gegenseitigkeit. (Vgl. Anm. 68.) — Ganz anders war es bei den Kleruchien. Das ganze Gebiet eines eroberten Staates oder eine gewonnene Insel wurde in gleiche Ackerloose an Athenische Bürger vertheilt, die nach wie vor Bürger und im engsten Zusammenhang nicht nur mit Athen überhaupt, sondern auch mit den dortigen engeren Verbänden, Deinen und Phulen, denen sie angeliörten, blieben, wenn sie auch unter sich wieder eine besondere bürgerliche Gemeinde bildeten nnd deren innere Angelegenheiten selbst besorgten. Viele blieben auch ganz in Attika wohnen, indem sie den nenerworbenen Grundbesitz verpachteten, oder hielten sich bald hier, bald dort ans. Doch ist selbstverständlich, daß diejenigen Kleruchen, welche zu Athen kein liegendes Vermögen zurückließen, — und das muß wohl bei der größeren Zahl der Fall gewesen sein, — den bleibenden Aufenthalt auf ihrem Ackerloose nahmen, ohne welche» Umstand auch der eigentliche Zweck der Behauptung des neu- 45l v. Chr. zwischen den Peloponnesiern und. Athenern ein fünfjähriger Waffenstillstand zum Abschluß, und da nun die Athener den Krieg aus Hellenischem Boden einstellten, so unternahmen sie mit zweihundert eige­ 450v. Chr. nen und Bundesgenossenfchiffen unter des Kimon Anführung einen Zug gegen Kypros. Sechzig von diesen Schiffen gingen nach Aegypten ab, da Amyrtäos, der König in den Sumpfgegenden, sie verlangt 419 v. Chr. hatte, die übrigen belagerten Kition ^CHittH. Als aber unterdessen Kimon starb und auch eine Hungersnoth entstand, so zogen sie von Kition ab, fuhren auf die Höhe von Salamis ^Famagusta^ auf der Insel KyproS und lieferten den Phönikern und Kilikiern zugleich eine Schlacht zur See und aus dem Festlande, und da sie auf beiderlei , Art gesiegt hatten, kehrten sie wieder nach Haufe zurück, und mit ihnen auch die Schiffe, welche von Aegypten zurückgekommen waren.
 
448 v. Chr. Danach führten die Lakedämonier den sogenannten heiligen Kriegszug aus, bemächtigten sich des Heiligthums in Delphi und übergaben es den Delphiern. Nachdem sie aber wieder abgezogen waren, zogen die Athener ihrer Seits zu Felde, siegten und übergaben das Heiligthum wieder den Phokiern erworbenen Gebietes kaum erreicht werden konnte. Die alten Bewohner wurden entweder ganz aufgerieben — so zu Skione und aus MeloS, Th»k»d. V, se. I>6 — oder ausgetrieben — wie aus Aegina II, 27 — oder sie blieben als zinSpflichtige Pachtbauern <wie III, 50). Die Zahl der Kleruchen war osr sehr groß: so gingen deren Ivvv nach Euböa, um die Ländereien der chalkidischen Hippoboten in Besitz zu nehmen (Herod. V, 77). 2V00 sandte PerikleS nach Histiäa. Platon'S Vatcr und AristophaneS waren Kleruchen auf Aegina. — ES leuchtet ein, wie geschickt diese, besonders von PerikleS in demokratischem Sinn ausgebeutete Maßregel war, die Macht Athens rasch zu heben. 179) Es ist oben cAnm. 50*) schon gesagt worden, daß in den letzten Jahrhunderten der Einfluß der Orakel ans politische und sociale Verhältnisse gestiegen war. Vor Allen war daS apollinische Orakel zn Delphi so zu sagen zur höchsten Instanz geworden, bei welcher sich sämmtliche hellenische Staaten, ja auch daS italische »ud barbarische Ausland Raths erholten. ES ist nicht gut denkbar, daß dieses Institut zu so hohem Ansehen gelangt sein könnte, ohne daß dessen Borsteher ihren Rath in allen Dingen nicht nur mit großer Sachkenntnis: und ans reichster Erfahrung, sondern anch unparteiisch und sogar im Sinne ächter Humanität, wenigstens lange Zeit hindurch, gegeben hätten. Da aber auch bei der besten Tradition und der sorgfältigsten Auswahl der Mittelspersonen Schlechte imr unterlaufen, so wird wohl auch früher schon Betrug lind Bestechung vorgekommen sein. K. F. Hermann sagt: „Wcun
 
Nach Verlauf einiger Zeit, da Bootische Flüchtlinge 446 v. Chr. Orchomenos und Chärouea nebst einigen andern Orten Bvotiens de­ in von absichtlichen Täuschungen die Rede sein kann, so trifft dies jedenfalls nur die sd. h. einzelnej Mittelspersonen nnd Priester, die aber auch dafür anderseits ld. h. in andern Personlihckeiteiij durch die große Weisheit entschädigten, mit welcher sie wenigstens in Griechenlands klassischer Zeit die Autorität ihreS Gottes zn staatsklnger und konsecinenter Leitung der öffentlichen und gotteSdienstlichen Angelegenheiten deS ganzen Volkes benutzten. — Namentlich gilt dies von dem pythischen Orakel zu Delphi." — Ganz anders Wachsniuthi '„Den hellenischen Völkern erschien die Gemeinschastlichkeir des Orakels durchaus nicht'alv etwas, daS auf Eintracht zurückwirken müsse: in ihren Anfragen drückt sich selten Anderes, als Egoismus aus; eS war, wie wenn von einem Gemeindeacker Freund und Feind zusammen Frucht holen lind dabei streben, einander möglichst zu übervvrtheilen. Die Aussprüche des Orakels waren durch Unklarheit deS Ausdrucks und verlängliche Geschrobenheit ebensowohl geeignet, allerlei unredliches Dichten nnd Trachten entweder in dem Sinne des Fragenden zu nähren, oder bei der Ausführung zn rechtfertigen, also untauglich, sichere Leitung deS Handelns für Einzelne und für Staaten zn sein. Noch weniger aber konnte "und wollte das Orakel einen zusammenhängenden Einfluß auf die Angelegenheiten der hellenischen Staaten für sich lind unter einander üben. Dem Orakel zu Olympia gereicht es zum Lobe, daß eS über Kriege der Hellenen mir Hellenen keinen Spruch that; das delphische Orakel dagegen bewies nicht mir immerfert dazu sich willfährig, sonder» zugleich durch die trügerische Hülle zweideutiger Worte, daß eS nur auf seinen Vortheil be> dacht sei, auf seine Sicherstellung bei jeglichem Erfolg: oder eS verrieth sichtbar ^ einseitige Gunst, und — schmählich genug: diese konnte auch durch Gold gewonnen werden". Die Wahrheit liegt in der Mitte. Gewiß aber ist eS, daß das delphische Orakel des dorischen Apollo der dorischen Partei zugeneigt und mit ihr enger verbündet war, vor Allen mit Sparta selbst, was im peloponnesischen Krieg ost genug zn Tage tritt, so daß die Athener immerhin ein wachsames Auge aus das Gebahren der delphischen Borstcherschaft haben mußten, zumal diese eine hierarchische Aristokratie oder eine Oligarchie von Priestergeschlechtern bil. dete, während die minderberechtigte Bürgerschaft, als demokratisch gesinnt, den Athenern zuneigte. — Das Heiligthum lag auf dem Gebiet von Krisa, und die Krisäer suchten eine Autorität über dasselbe auszuüben, was zu Beschwerden und schließlich zum sogenannten heiligen Kriege führte, der mit der Zerstörung Krisa'S endigre und das Gebiet der Stadt dem Heiligthum einverleibte. Nun wollte sich die delphische Aristokratie aber auch von allem Verbante mit den übrigen, demokratisch gesinnten Phokiern losmachen; und als diese sich eben« deßhalb der Stadt ind des Tempels bemächtigte», kamen die Spartaner zn Hilfe nnd vertrieben die Phokier wieder. Nun verschafften zwar die Athener den Phokiern wieder auf eine Zeitlang die Obmacht, aber Delphi machte sich setzt hielten, unternahmen die Athener mit tausend eigenen Schwerbewaffneten und verhältnißmäßigem Zuzug der Bundesgenossen und angeführt von TolmideS, des TolmäoS Sohn, einen Feldzug gegen diese vom Feinde besetzten Orte. Chäroneia eroberten sie und legten eine Besahung hinein. Da sie aber wieder abzogen, wurden sie auf dem Marsche bei Koroneia'6') von den böotifchen Flüchtlingen auS Orchomenos überfallen, denen sich auch ^Opuntifche^ Lokrer und Verbannte aus Euböa, und wer sonst ihnen gleichgesinnt war, angeschlossen hatten, und es siegten diese in der Schlacht und tödteten einen Theil der Athener, die andern nahmen sie gefangen. Nun ließen sich die Athener zu einem Vertrage herbei und räumten ganz Böotien unter der Bedingung, daß sie ihre Leute frei bekamen. Darauf kehrten dte Böotischen Verbannten in die Heimath zurück, und sie, wie alle Andern, wurden wieder unabhängig.
 
446 v. Chr. Nicht lange danach fiel Euböa von den Athenern ab, und schon war Perikles mit einem athenischen Heere über die Meerenge gegangen, da wurde ihm gemeldet, daß Megara abgefallen sei, und die Peloponnesier stünden im Begriff in Attika einzubrechen, und schon sei die Besatzung der Athener von den Megarern niedergehauen worden, anßer denen, welche nach Nisäa geflüchtet wären. Es hatten uämlich die Megarer unter Zuziehung der Korinther, Sikyonier und Epidaurier ihren Abfall bewerkstelligt. Sogleich führte Perikles sein Heer aus Euböa zurück, und danach drangen die Peloponnesier in bald wieder frei und behauptete, von Sparta geschützt, seine Niiabhängigkeit. weßhalb sich denn auch im peloponuesischcn Krieg <1, llK) der Gott grade>» siir Sparta erklärt. Pcritleö trachtete deßhalb, durch das apollinische Orakel ans Delos (vgl. l, 8, II, 104, dem delphische» ein Gegengewicht zu schaffe», so daß also Apollo zu Delphi ii» dorischen Sinn, zu Delos aber im ionischen vrakclt harte OvaS auch nicht» Anderes ist, als wenn j. B. Gott hier die protestantischen, dort die katholischen Waffen segnen sollte). Dergleichen läsit sich aber ans kiinstlsche Weise »nd in so kurzer Zeit nicht durch,.ihre». wen» auch der Gedanke eineS PerikleS würdig ist. -- Vgl. l, lt>7. llt. 118. >23. II, 9. III, 101. V, 16. 12 u. a. 180) Von denen, welche nach der Schlacht bei Oenophyta vertrieben worden waren (Pvppv). 181) So bei den Meisten. Xenoph.Mcm.il>, S, »steht: bei Lebadea; Pausa». I, 27, 6: imhaliartische, Gebiet. Die Grenzmarken der drei Orte berührten einander (Kr.). Attika bis nach Eleusis und Thriasia vor und verheerten das Land unter Führung des Lakedämonischen Königs Pleistoanax, des Sohnes des Pausanias. Weiter aber gingen sie nicht vor, sondern kehrten wieder nach Hause zurück und nun setzten die Athener unter des PerikleS Führung zum zweiten Male nach Euböa über und unterwarfen sich die ganze Insel. In Bezug auf die Verfassung trafen sie mit den übrigen Einwohnern eine Vereinbarung, die Hestiäer aber trieben sie aus und nahmen ihr Gebiet selbst in Besitz
 
445 v. Chr.
 
Nicht lange, nachdem sie von Euböa abgezogen waren, schlössen die Athener mit den Lakedä moniern und ihren Bunde sgenossen ein en Frieden auf dreißig Jahre, und Nisäa, Pegä, Trözen und Achaia gaben sie heraus, denn das waren die Theile, welche sie vom Peloponnes inne hatten.
 
Im sechsten Jahre danach entstand zwischen den Samiern'^) und Milesiern ein Krieg wegen Priene's, und da die Milesier im Nachtheil blieben, so gingen sie die Athener an und verklagten die Samier bei ihnen. Auf Seiten der Milesier waren aber auch einige Bürger aus Samos, welche eine Abänderung der Verfassung wünschten Die Athener nun zogen mit vierzig Schissen gegen Samos, setzten eine Volksregierung ein, und nahmen von den Samiern fünfzig Knaben als Geiseln und eben so viele Männer, und brachten dieselben nach 182) Wie es schien, weil Pleistoanax bestochen war; vgl. 11, 21. . V, 16. (Kr.) 183) Durch Kleruchen. Vgl- Arm. 178. 184) Samvs, eine der größten Inseln des Aegäischen MeereS, war wie die übrigen anfänglich von Karern bewohnt, die später auch griechische Ansiedler aufnahmen. Die gleichnamige Hauptstadt war durch viele ind prachtvolle Tempel und öffentliche Gebäude, starke Festungswerke und großartige Hafenbauten ausgezeichnet, lim 77U o. Chr. trat die Insel zum Ionische» Stadtebund, gewann verschiedene Punkte des asiatischen Festlandes nnd sandte viele Kolonien aus, darunter in Lib»en Danks, in Italien Dikäarchia, später Putevli, in Si» cilien Zaum, später Messina genannt. Der ursprünglich monarchischen RegierungSsvrm folgte die Demokratie, und dieser durch PolnkrareS die TyranniS. Dessen Nachfolger standen unter persischer Oberhoheit, bis die Schlacht von Mykale die Insel befreite, worauf sie sich dem Anischen Slädtebiind anschlosi. lieber den Krieg mit Milet vgl. Mut. Perikl. 2» ff. Diodor 12, 27. lHerod. s, 99 ) 185) Anstatt der aristokratischen eine demokratische. Lemnos, und nachdem sie eine Besatzung in die Insel gelegt, zogen sie wieder ab. Es waren aber von den Samiern einige, welche die Ankunft der Athener nicht abgewartet hatten, sondern waren nach dem Festland geflohen'86) und schlossen mit den Mächtigsten in der Stadt nnd mit Pissuthnes, des HystaspeS Sohn, welcher damals Sardes besaß, ein Bündniß, brachten auch gegen siebenhundert Mann Hilsstruppen zusammen und setzten zur Nachtzeit nach Samos.über. Zuerst gingen sie auf die Männer der VolkSregierung los und bekamen auch die Meisten in ihre Gewalt, und nachdem sie dann ihre Geiseln aus Lemnos entführt hatten, erklärten sie den Abfall und lieferten die athenische Besatzung ind die Beamten, welche bei ihnen gelassen worden waren, dem Pissuthnes aus und rüsteten allsogleich zu einem Zuge gegen Milet. Mit ihnen zugleich waren auch die Byzantier abgefallen.
 
Als die Athener dies hörten, segelten sie mit sechzig Schissen gegen Samos. Sechzehn derselben hatten sie aber hier nicht zur Verfügung, denn diese waren theils nach Karien gegangen, die phönikische Flotte auszukundschaften, theils nach Chios und Lesbos, um bundesgenöfsische Hilfe aufzubieten. Mit den übrigen vierundvierzig Schiffen lieferte Perikles, der mit neun andern den Oberbefehl theilte, bei der Insel Tragia eine Seeschlacht gegen siebzig Schiffe der Sa-mier, von denen zwanzig Landtruppen führten ^), — es kam nämlich die ganze Flotte eben von Milet angesegelt—, und der Sieg blieb den Athenern. Später stießen zu ihnen noch vierzig andere Schiffe ans Athen und fünfundzwanzig Fahrzeuge der Chier und Lesbier. Nun schifften sie sich aus, siegten auch in einem Landtressen und schlössen die Stadt durch drei Vershcanzungen und zugleich auch von der Seeseite her ein. Perikles aber nahm sechzig der vor Anker liegenden Schiffe und segelte eiligst gegen Kaunos und die karische Küste los, denn es war gemeldet worden, daß Phönikische Schiffe gegen Samos ansegelten. Auch waren Stesagoras und einige andere mit fünf Fahrzeugen von Samos entkommen und nach der phönikifchen Flotte ausgefahren. Wo sie wohl, wie auch später, sich in Aiiäa festsehte» cKr). '67) D. h. Schiffe, die mir zum Transport vv» Soldaten eingerichtet iv.iren, also keine eigentlichen Kriegsschiffe und nicht schiiellsegelnd.
 
Da machten die Samier einen plötzlichen Ausfall zur See, fielen über das schutzlose '^) Geschwader her, bohrten die Wachtschisse in Grund und besiegten kämpfend die übrigen, welche ihnen entgegen- ruderten. Durch diese Schlacht wurden sie für ungefähr vierzehn Tage Meister in jenen Gewässern und führten ein und aus, was sie wollten. Als aber Perikles zurückkehrte, wurden sie von seiner Flotte, wieder eingeschlossen. Später kam von Athen noch weitere Verstärkung, vierzig Schiffe nämlich unter Thukydides VIII und Hagnon und Phorunon, und zwanzig unter TlepolemoS und Antikles, dann noch von Elnos und Lesbos dreißig Fahr;euae. Zwar machten die Samier noch einen schwachen Versuch zum Seekampf, konnten aber auf die Länge 43? v. Chr.s nicht widerstehen und mußten sich im neunten Monat der Belagerung ergeben. Sie willigten ein, ihre Mauern niederzureißen, Geiseln zu stellen, einen Theil ihrer Schiffe auszuliefern und die Kriegskosten in bestimmten Fristen zurückzuerstatten. Auch die Byzantier ergaben sich und willigten ein, nach wie vor den Athenern unterworfen zu bleiben.
 
Nach diesen Vorfällen nun verflossen nur wenige Jahre bis zu den vorerzählten Ereignissen wegen Kerkyra? und Potidäa's, und was sonst Alles zu diesem Kriege den Vorwand hergab. Alle diese Ereignisse aber, sowohl was die Hellenen gegen einander, als auch was sie gegen den Barbaren ausführten, fallen in den Zeitraum von fünfzig Jahren, welcher zwischen des XerxeS Rückzug und dem Anfange dieses Krieges liegt, und es gelang den Athenern während dieser Zeit ihre Herrschaft nach Aussen fester zu begründen und selbst zu hoher Da die Schiffeeinrichtung nicht der Art war, daß die Mannschaft an Bord hinreichend bequem eristiren konnte, so wurde bei solchen Landungen ein sogenanntes SchiffSlager hergestellt, d. h. die Mehrzahl der Schiffe wurde an'ö Land gezogen und durch eine Pallisadenverschanzung gegen lleberrumpelung ge. schützt. Die Mannschaft kampirte ans dem Land, und zur See versahen einige noch völlig gerüstete Schiffe die Wache. Im vorliegenden Falle scheinen die Athener die Landverschanzung vernachlässigt zu haben, so daß sämmtliche Schiffe, um nicht von den Samiern zu Lande genommen und in Brand gesteckt zu werden, in'S Wasser gezogen werden mußten, wo sie denn auch, wie sie einzeln anrnderten, leicht besiegt werten konnten. 188*) Dieser ThiikydideS ist nicht der Verfasser dieses Geschichtkwerkö, sondern der Sohn des Melesias, der politische Gegner des PerikleS. Macht emporzusteigen. Die Lakedämonier nun übersahen dies zwar nicht, traten ihnen aber auch nicht in den Weg, außer in schwacher Weise sondern schauten die meisten Jahre her ruhig zu, einmal, weil sie schon vorher nicht schnell waren, sich zum Kriege zu entschließen, außer wenn sie dazu gezwungen wurden, dann auch, weil sie durch einheimische Kriege >90) daran verhindert waren, bis endlich die Macht der Athener sich deutlich vor ihnen erhob und ihre eigene BundeSgenossenschaft antastete. Jetzt aber glaubten sie nicht mehr zusehen zu dürfen, sondern mit allem Ernst an's Werk gehen zu müssen und jene Macht, wenn sie es vermöchten, durch eben diesen Krieg zu stürzen.
 
Die Lakedämonier selbst nun hatten zwar schon entschieden, daß die Verträge gebrochen und die Athener im Unrecht seien; doch schickten sie auch nach Delphi, den Gott zu fragen, ob der Krieg ihnen Vortheil bringen werde. Dieser gab, wie erzählt wird, zur Antwort: wenn sie kräftig und mit Festigkeit den Krieg führten, so werde der Sieg ihnen gehören, und er selbst wolle, angerufen oder ungerusen, aus ihrer Seite kämpfen ^I
 
Nun beriefen sie wiederum die Bundesgenossen und wollten eine Abstimmung herbeiführen, ob der Krieg unternommen werden solle, und als die Abgesandten des Bundes angekommen waren und sich zu einer Versammlung vereinigt hatten, trugen die Andern ihre Absichten vor, meist die Athener verklagend und den Krieg herbeiwünschend, und ebenso auch die Korinther. Diese hatten zwar schon vorher die verbündeten Staaten, jeden einzeln, gebeten, für den Krieg zu stimmen, auS Beforgniß wegen Potidaa'S, es möchte ihnen unterdessen vorweg genommen werden; sie waren aber auch jetzt wieder gegenwärtig und traten zuletzt aus mit folgender Rede: 189. 90 ff. u. II» Wappen. 190 Wie gegen die Heloten I, tot, vgl. IV, St. Krüger, Stud. l, S. 160. . 191) Wörtlich: „Den mit Kraft Kriegführenden werde der Sieg fein", was doppelsinnig scheinen könnte. Doch liegt hier gewiß keine Zweideutigkeit des OcakelS zu Grunde; denn daß dieses bellimmt sich für die Lakedämonier ausgesprochen, zeigt das Folgende; vgl. II, 54." (Kr.) — Bgl. Anm- 179 192) Mit Bezug auf I, 87 Wappen.
 
„Jetzt, ihr Bundesgenossen, dürften wir die Lakedämonier nicht mehr beschuldigen, daß sie den Krieg nicht beschlossen hätten, da sie uns eben in dieser Absicht jetzt versammelt haben. Und in der That geziemt es sich auch denen, welche die Oberleitung haben, ihren eigenen Angelegenheiten nur nach der rechtlichen Gleichheit Rechnung zu tragen, die gemeinsamen aber vor Allem in's Auge zu fassen, da sie ja auch in andern Stücken vor Allen die Ehre voraus haben. WaS aber nnS betrifft, so darf man diejenigen, welche mit den Athenern schon verkehrt haben, nickt erst aufmerksam machen, daß sie vor jenen auf ihrer Hut sein müssen; die aber nicht an einem Seehafen, sondern tiefer im Lande wohnen, müssen wissen, daß ihnen die Ausfuhr der Landesfrüchte ind der Eintausch der Dinge, welche das feste Land vom Meere empfängt, sehr erschwert werden wird, wenn sie jetzt den Seeanwohnern nicht beistehen. Sie sollen sich darum nicht als schlechte Beurtheilcr zeigen und sagen, daß sie das Nichts angehe, was wir hier vorbringen. Sie mögen sich nur gefaßt machen, daß das liebe! auch bis an sie heranbringen wird, wenn sie jetzt daS Küstenland im Stich lassen, und sollen überzeugt sein, daß sich die Berathung auch um ihr eignes Wohl dreht. Darum dürfen sie auch nicht zaudern, den Frieden mit dem Krieg zu vertauschen. Denn vernünftige Männer verhalten sich zwar ruhig, so lange sie nicht beleidigt werden, tapfere Männer aber stehen nicht an, den Krieg dem Frieden vorzuziehen, wenn ihr Recht gekränkt worden ist; wenn eS sich ihnen dann wohl schickt, gehen sie vom Krieg wieder zum Frieden über, und überheben sich weder des Glücks im Kriegs, noch erkaufen sie vergnügliche Ruhe deS Friedens durch Erduldung von Unrecht. Denn wer solches Genusses halber zaudert, der möchte wohl, wenn er in Gemächlichkeit verharrt, sehr bald um die Freude an der bequemen Ruhe betrogen werden, die ihn zum Zaudern verleitet. Wer sich aber im Kriege seines Glückes überhebt, der bedenkt nicht, wie trüglich die Zuversicht ist, auf die fein Uebermuth sich gründet. Denn eS ist schon mancher schlechte Plan gelungen, nur weil die Feinde zufällig noch übeler berathen waren, und noch weit öfter geschiehteS, daßdieanfhceinendvernünstigstenEntwürfe auf schimpfliche Weise in's Gegentheil umschlagen. Denn Niemand geht mit derselben Sicherheit an die That, mit welcher der Rath kommt, sondern Zuversicht henschtbeim Nath,ZagheitundHalbheitbeidcrThat."
 
„Wir aber beginnen den Krieg, weil wir an unsern siechten gekränkt sind und erhebliche Beschwerden haben, ind wenn erst die Athener von uns bestraft und zurückgewiesen sind, weiden wir schon rechtzeitig Frieden machen. Daß aber der Sieg uns znsallen muß, ist aus vielen Gründen wahrscheinlich; denn für's Erste sind wir ihnen an Zahl und KrkgSerfahrung überlegen, und dann sind wir Alle gleicher Weise bereit, den Befehlen zu gehorchen lind auch eine Flotte, worin die Stärke jener liegt, werden wir nnS leicht verschaffen, theils aus den Mitteln, welche den Einzelnen unter uns zur Verfügung stehen, theils ans den Schätzen von Delphi nnd Olympia. Denn vermittelst einer Anleihe werden wir im Stande sein, ihnen durch höhere Löhnung ihr fremdes Seevolk abwendig zu machen, da ja die Athenische Macht mehr aus Söldneru, als ans Einheimischen besteht. Der unsrigen hingegen könnte dies nicht so leicht widerfahren, da sie mehr auf unseren eigenen Leuten, als auf Geldmitteln beruht. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird Eine Seeschlacht genügen, sie zu Grunde zu richten. Sollten sie aber doch länger Stand halten, . nun, so werden wir uns auch um so längere Zeit im Seewesen üben, und wenn wir es ihnen hierin erst einmal in Geschicklichkeit gleich gethan haben, so werden wir ihnen durch unsern Muth ganz gewiß obsiegen. Denn einen Vorzug, der uns angeboren ist, dürsten sich jene wohl nicht anlernen können; was sie aber an Geschicklichkeit voraus haben, müssen wir durch Uebung zu erwerben trachten. Die nöthigen Geldmittel werden wir schon herbeischaffen, oder es wäre doch fürwahr sehr schlimm, wenn die Athenischen Bundesgenossen, die zur Befestigung ihrer eigenen Knechtschaft beisteuern, nicht im Rückstand bleiben, und wir unser Geld schonen wollten, wo es sich um Bestrafung unserer Feinde und um unsere eigne Rettung handelt, und wo es darauf ankommt, uns eben dieser Geldmittel nicht berauben zu lassen, damit man uns mit unserem eigenen Gut nicht wehe thue".
 
..ES bleiben uns aber auch noch andere Wege der Krieg­ 195) Bezieht sich ans die den Doriern eigenthümliche (militärische) Subordination. Kr. 196) ES scheint also Delphi bereits den Phvkiern nicht mehr »uterwursig gewesen zu sein (Pvppv). Vgl. I, l>2 und Am». I7S ans Ende. sührung: Aufforderung der Bundesgenossen zum Abfall, weil dadurch gerade ihre Einkünfte geschmälert werden, in denen ihre Kraft besteht; dann Anlegung von Befestigungen gegen das feindliche Gebiet hin, und noch manches Andere, was man jetzt nicht voraussehen kann. Denn der Krieg verläuft nicht nach abgeredeten Plänen, sondern gestaltet sich meist aus sich selbst heraus nach den zufälligen Umständen, und wer sich mit ruhiger Klugheit diesen anzupassen bemüht ist, der ist im Vortheil; wer aber hitzig drein geht, der thut in demselben Maße sich selbst weh ^5). Aber noch eins müssen wir beherzigen. Wenn einer oder der andere von uns mit einem gleichstarken Gegner Gränzstreitigkeiten auszusechten hätte, so ginge das an; nun aber sind die Athener so stark wie wir alle mit einander, und jedem einzelnen Staat weit überlegen. Wenn wir also nicht in unserem Bunde, und ebenso in jeder einzelnen Völkerschaft und jeder einzelnen Stadt ganz einmüthig zur Abwehr entschlossen sind, sondern Zwiespalt unter uns herrschen lassen, so werden sie unser ohne alle Mühe Meister werden, und man muß wissen, — mag es Einem auch schrecklich zu hören sein, — daß die Niederlage nichts Anderes bringt, als gradezu die- Knechtschaft. Unter diesen Umständen noch unschlüssig zu reden, ist eine Schande für den Peloponnes, und eine Schande wäre es, wenn so viele Staaten von einem einzigen sich mißhandeln ließen. Man müßte entweder denken, daß solches als gerechte Straft über uns verhängt sei, oder daß wir es aus Feigheit duldeten, und dann würden wir entartet scheinen gegen unsere Väter, welche Hellas die Freiheit wieder gegeben haben, da wir diese nicht einmal für uns selbst zu erhalten vermögen und die Zwingherrschaft einer einzelnen Stadt sich befestigen lassen, während wir doch darauf ausgehen, die Gewaltherrscher in den einzelnen Städten zu stürzen. Und wir sehen nicht, wie sich ein solches Betragen von den drei unglücklichsten Fehlern freisprechen läßt, dem Unverstande, der Schwäche und dem Leichtsinn. Diese Vorwürfe habt ihr nicht zu vermeiden gewußt und seid eben deßhalb zu dem gelangt, was schon so Viele in Schaden gebracht hat, zu der eingebildeten Ueberklugheit, deren Namen man in's Gegentheil, Angedeutet wird, daß die Besonnenhest der Pelvvoniiesier gegenüber der Leidenschaftlichkeit der Athener manche Begünstigungen gewähren werde. (Kr.) ThukydideS I. 8 in Unklugheit, verkehrt hat, weil schon Mancher durch sie zu Fall gekommen ist."
 
„Doch was nützt es, bei der Vergangenheit länger mit Tadel zu verweilen, als es den Zweck der Gegenwart fördert? In Betreff der Zukunft jedoch müssen wir uns jeder Mühe unterziehen, um unseren Verhältnissen aufzuhelfen, denn von euren Vätern her wißt ihr, daß aus Mühsal die Tugend geboren wird. Und an der . Art sollt ihr Nichts ändern, wenn ihr auch jetzt an Reichthum und Macht etwas höher stehet; denn es wäre nicht gar geschickt, was in Armuth erworben worden ist, im Ueberfluß zu verlieren. Vielmehr dürst ihr aus vielen Gründen mit Zuversicht des Siegs zum Kriege schreiten, da ja auch der Gott den Aussvruch gethan und bei euch zu stehen versprochen hat, und auch das gesammte übrige Hellas, sei eS. nun aus Furcht, oder sei es des Vortheils wegen, aus eurer Seite kämpfen wird. Auch werdet ihr nicht die sein, die den Vertrag zunächst brechen, da ja auch der Gott, indem er euch den Krieg befiehlt, ihn schon für gebrochen erklärt; vielmehr werdet ihr die Verletzung, der Verträge zu bestrafen scheinen; denn nicht die brechen den Frieden, welche sich zur Wehr setzen, sondern die, welche zuerst angreifen." .
 
„Da euch also alle Umstände einen glücklichen Krieg verheißen, und wir gemeinschaftlich euch dazu ermuntern, weil ohne allen Zweifel sowohl für die Staaten, als für die Einzelnen das Heil hierauf beruht, so steht nicht länger an, den Potidäern zu Hilfe zu eilen, — sie sind Dorier und'werden von Jonern belagert, während früher das Gegentheil vorzukommen pflegte, — und sichert auch den Andern ihre Freiheit! Denn es ist schon nicht mehr an der Zeit, noch länger zuzusehen, während die Einen schon Bedrängniß leiden und den Andern gewiß dasselbe angethan wird, sobald nur bekannt ist, daß wir zwar hier zusammengekommen sind, aber nicht den Muth hatten, zu den Waffen zu greifen. Ueberlegt also, ihr Männer und Bundesgenossen, daß die Zeit der höchsten Noth schon gekommen und daß dieser Rath der beste ist, und beschließt den Krieg. Fürchtet nickt die Gefahr des nächsten Augenblicks, sondern habt den bleibenden 196) Die Korinther nämlich. Frieden im Auge, den der Krieg uns bringen wird. Denn aus dem Krieg gewinnt der Frieden neue Stärke; aus Liebe zur Ruhe aber nicht kriegen wollen, hat mehr Gefahr. Zweifelt nicht daran, daß der Staat, der sich zum Zwingherrn in Hellas aufgeworfen hat, nicht Alle gleicherweise zu knechten gedenke. Wenn er die Einen bereits beherrscht, so sinnt er daraus, den Andern dasselbe Schicksal zu bereiten. So laßt uns also den Feind angreifen und demüthigen, damit wir selbst fernerhin in Frieden wohnen mögen und den schon geknechteten Hellenen die Freiheit wieder schaffen."
 
So sprachen die Korinther. Die Lakedämonier aber, nachdem sie Aller Meinung angehört hatten, forderten allen Bundesgenossen, so viele ihrer da waren, gleichviel ob aus größeren oder kleinen Staaten, der Reihe nach ihre Stimme ab, und es fand sich, daß die Mehrzahl für den Krieg stimmte. Den Beschluß allsogleich auszuführen war aber unmöglich, da es an der Vorbereitung fehlte; doch beschlossen sie, daß jeder Staat das Erforderliche ausbringen und Niemand sich säumig zeigen solle, und so verfloß unter den nöthigen Zurüstungen in der That kein volles Jahr, bis si§ in Attika einfielen und den Krieg offen begannen.
 
Inzwischen ließen die Lakedämonier durch ihre Gesandten bei den Athenern Beschwerde erheben, damit ihre Kriegserklärung um so begründeter ershceinen möge, wenn sie kein Gehör erlangten. Zuerst nun verlangten die Lakedämonier durch ihre Abgeordneten, daß die Athener den Frevel gegen ihre eigene Göttin sühnen sollten. Mit diesem Frevel verhielt es sich aber so. Es war in früherer Zeit ein athenischer Bürger, Namens Kylon, Olympiasieger, von edlem Ge-. schlecht und einflußreich, und Schwiegersohn des Megarensers Theagenes '97), welcher zu jener Zeit die Zwingherrschaft über Megara besaß. Aus dieses Kylon Anfrage in Delphi antwortete ihm der Gott, 197) TheageneS in Megara hatte sich als Befehlshaber eine bewaffnete Leibwache zu verschaffen gewußt, mit deren Hilfe er den Haß des Volkes gegen die Adeliche» nnd Reichen zum Sturz der Aristokratie beru tre, worauf er selbst die Tyrannis übernahm. Armut. Bellt. V, 4. S. Thuk. I. An. so. S. 2». Sein Schwiegersohn Kylon, von Geburt dem Adel angehörig und nicht ohne Beliebtheit beim Volk, versuchte nnn in Athen das Gleiche. Ol. 35 hatte er im DiauloS d. i. in der Doppel-Laufbahn gesiegt. ^ 8* er solle am größten Feste des Zeus die Burg der Athener besehen. Nun nahm er vom Theagenes Hilfstruppen, und da sich auch seine Freunde bereden ließen, besetzte er zur Zeit der Olympischen SpieleUS die Burg, nm sich zum Zwingherrn zu machen; denn er glaubte, daß diese das größte Fest des Zeus seien, und für ihn ganz besonders, da er ja auch in Olympia gesiegt habe. Ob aber das größte Fest nur in Bezug aus Attika, oder auch sonstwo gemeint war, daran hatte er nicht gedacht, und auch das Orakel hatte darüber Nichts angedeutet. Es wird aber auch zu Athen ein Fest gefeiert, die Diasia auch das größte Fest des Zeus Meilichios genannt, an welchem außerhalb der Stadt dem Gott geopfert wird, — und zwar von den Meisten nicht Opfcrthiere, sondern die landesüblichen Kuchen. Er glaubte jedoch . die rechte Auslegung getroffen zu haben, und schritt zur Ausführung seines Vorhabens. Als es aber unter den Athenern bekannt wurde, so strömten sie in Schaaren vom Lande herein, lagerten sich in der Burg und hielten jene eingeschlossen. Nach einiger Zeit aber wurden sie der Belagerung überdrüssig, und die Meisten zogen ab und gaben den neun Archonten, welche damals die Staatsgcschäste fast allein besorgten UND, Vollmacht, die Einschließung und alles Uebrige nach Gutbefinden anzuordnen. Die belagerten Anhänger des Kylon geriethen wegen Mangels an Wasser und Lebensmitteln bald in große Noth, und Kylon selbst zwar und sein Bruder entkamen, die Andern aber, d'a sie sehr Noth litten, und einige schon Hungers tsarben, setzten sich als Hilfeflehende auf den Altar s^der Athene^ in der Burg. Als nnn die Athener, denen die Einschließung aufgetragen war, die Menschen im Heiligthnm tserben sahen, hießen sie dieselben weggehen, es solle ihnen kein Leid gethan werden. Trotzdem führten sie sie weg und todteten sie. Auch Einigen, welche sich im Vorübergehen auf die Altäre 198) Ol. as, I. (Kr.) 199) Am ?z. des Monats Anthesterion wurde dies Fest dem Zeus Mei» lichioS, d. i. dem gnädigen, im Gegensatz gegen den zürnenden, Mal, mattes, gefeiert, wobei das gesummte Volt unblutige Opfer: Kuchen, Nauch, und Trankopfer brachte. Vgl. Schumann, Griech. Alt. N. S. 48>. 200) d. h. ohne erst die Volksversammlung befragen zu dürfen. Erst durch Solon wurde die Macht der Archonten beschränkt. Böckh, Staatshaush. d. sieh. II. S- es. (Kr.) der ehrwürdigen Göttinnen ^Erinyen oder Eumeniden^ gesetzt hatten, nahmen sie das Leben, und daher wurden sie sammt ihren Nachkommen Schuldbeladene und Frevler an der Göttin geheißen. Zwar verfolgten die Athener diese Gräuelbelasteten, und auch der Lakedämonier Kleomenes that dies mit Hilfe der empörten Athener, indem er die Lebenden austrieb und die Gebeine der Todten ausgraben und wegwerfen ließ. Sie kehrten aber später wieder zurück, und ihre Nachkommen leben bis aus den heutigen Tag in der Stadt 20'). 20l) Nach Andern soll auch Kylon selbst erschlagen worden sein. Da das Volk theilweise demselben nicht abgeneigt gewesen, und der Frevel gegen die Götter seine Erbitterung gegen die Aristokraten noch steigerte, so sahen sich diese genöthigt, eine Commission von 3 00 Adelichen niederzusetzen, welche die Schuldige» verbannte ^ wodurch besonders das Geschlecht der Alkmaoniden betroffen wurde — und zur Entsühnung der Stadt den EpimenideS aus Kreta herbeirief. Am Schluß der Anm. SV'" S. 2» ist gesagt worden, daß jene erregte Zeit auch theoretische Reformatoren hervorgebracht hat. Der merkwürdigste derselben ist Pythagoras ans SamoS (geb. um 6VV, gestorben uni 5011 v. Chr.), der, nachdem er den Orient und Aegypten bereist, das achäische Kroton in Ilnteritalien zum Schauplatz seiner Wirksamkeit machte. In den Bund seiner Schüler wurde Niemand ohne strenge Prüfung und Vorbereitung aufgenommen. Seine Lehren umfaßten Alles, „was in jener Zeit alS Kenntniß der göttlichen und menschlichen Dinge oder als Philosophie gelten konnte mit vorherrschender religiöser Färbung nnd verbunden mit strengen, fast asketischen Vorschriften-" Seine Schüler gehörten dem Stande der Vornehmen und Berechtigten an »nd gingen bald darauf aus, aus ihrem Bund einen herrschenden Priesteradcl, eine Art Brahmanent hum zu machen. Grundsatz war: „Gleich den unsterblichen Götter» die Freunde, die Anderen alle „Aber als Nieten zu achten, des NenncnS nicht würdig noch ZählenS." ES erfolgte deßhalb eine Reaction, die den Bund vernichtete: aber „die Vertreibung der Pythagoräer aus Großgriechenland glich nur dem Flugsamen, den Winde in ferne Gegenden tragen, glich einem Blnmeustaub von Orphisch- Pythagoräischen Ideen, welcher befruchtend über Hellas hinwehte." (Klein, («esch. d. Orama'S I. S. 73). — Ein anderer theosophischer Reformator ist EpimenideS aus Kreta. Als bald nach der Ermordung der Anhänger K>>lon'S Seuchen und anderes Unglück über Attika hereinbrach, erklärte die Pythia, daß Aihen wegen der Niedermetzelung jener Schutzflehente» fluchbelastet und der Sühne bedürftig sei, ind die Athener ließen deßhalb jenen EpimenideS aus Kreta herbeiholei. Um das Jahr Kvv v. Chr. kam er als Greis nach Athen und entsühnte die Stadt durch Opfer und Errichtung von Bild-
 
Diesen Gräuel also befahlen die Lakedämonier zu tilgen, gleich als ob sie vor allen Dingen den Göttern die Ehre geben wollten; daneben wußten sie aber auch, daß Perikles, des Xanthippos Sohn, mütterlicher Seits mit jenem Geschlecht verwandt war, und dursten sicher sein, mit den Athenern leichter fertig zu werden, wenn jener ausgetrieben würde. Zwar erwarteten sie nicht sowohl, daß ihm grade dies widerfahren müsse, aber doch, daß es in der Stadt böses Blut gegen ihn machen werde, da er ja dieser schlimmen Verwandtschaft wegen auch zum Theil am Kriege Schuld sei. Denn er war zu seiner Zeit der mächtigste Mann, und da er die Staatsgeschäste lenkte, wirkte er in allen Dingen den Lakedämonier« entgegen, und ließ nicht zu, daß man ihnen nachgebe, sondern es war sein Trachten, die Athener zum Krieg zu bewegen.
 
Hingegen befahlen aber auch die Athener den Lakedämoniern, den Gräuel von TänaroS zu tilgen. Denn vor Zeiten hatten die Lakedämonier einmal schutzflehende Heloten aus dem Poseidon- tempel zu TänaroS weggelockt und dann getödtet, was sie selbst auch für die Ursache des großen Erdbebens hielten, welches über Sparta kam Außerdem befahlen sie ihnen auch, den Frevel gegen die ^Athene^ ChalkioikoS zn sühnen. Mit diesem verhielt es sich spulen. Wie erzählt wird, boten sich freiwillig zwei vornehmc Jünglinge, KrarinvS nnd KlesibivS, als Opfer dar. Auch errichtete EpimenideS das Heiligthuin der Eumenideu, d. h. er verwandelte seinem Berufe gemäß die schuldrächcuden Erinyen in versöhnte Göttinnen. Auch nahm er Einfluß auf die Gesetzgebung, indem er den Luxus bei Opfern untersagte, die Trauereereiiivnien beschrankte und mehrere Verfügungen traf, um die gesellshcaftliche Stellung des weiblichen Geschlechts zu heben. Bald nach seiner Rückkehr starb er. Spartaner lind Argiver gaben vor, seinen Leichnam zu besitzen. Zu Arhen setzte man ihm Bildsäule». — Unter den durch KleomeneS auSgetriebenett und später wieder zurückgekehrten Familien befand sich auch die der Alkmäoniden. welcher PerikleS durch seine Mutter Agariste, eine Urenkelin deS Alkmärm, angehörte. 202) l, tot. 202*) ChalkioikoS, d. l. erzhäusig. Die Statue der Göttin und die eigentliche Kapelle waren von Eisen oder Brente, d. h. die Wände waren mit Brvncetafel» verkleidet, wie es auch beim Schatzhaus deS AtreuS in M»ke»ä der Fall gewesen zu sein scheint, dessen steinerne Wände noch jetzt in gleichen Zwlschcuräumen mit starken, tief eiligetriebenen Brviicenägeln bedeckt sind, die also: Nachdem der Lakedämonier Pausanias von den Spartanern zum ersten Mal vom Oberbefehl im Hellespont abberufen und vor Gericht der Schuld ledig gesprochen wär, so wurde er zwar nicht mehr im Staatsauftrag ausgesandt, er nahm aber auf eigene Kosten einen Hermioneischen Dreiruderer und segelte ohne Geheiß der Lakedämonier nach dem Chersonnes, wie er vorgab, um die Hellenen zu unterstützen, in der That aber, um die Vortheile des PerserkönigS wahrzunehmen, wie er auch schon das erste Mal gethan hatte; denn er strebte nach der Herrschaft über die Hellenen. Er hatte aber seine Beziehungen zum König dadurch angeknüpft, daß er sich ihm zuerst auf folgende Weise gefällig erwies. Als er nach dem Abzug von KyproS bei seiner früheren Anwesenheit Byzanz erobert hatte, welches die Perser und unter diesen auch einige Verwandte des Königs besetzt hielten, so schickte er diese letzteren, welche mitgefangen worden waren, ohne Vorwissen der übrigen Bundesgenossen an den König, indem er vorgab, sie seien entsprungen. Dies hatte er mit Hilfe des Eretriers Gongylos ausgeführt, dem Byzanz und'die Kriegsgefangenen von ihm anvertraut worden waren. Denselben Gongylos sandte er denn auch mit einem Briefe an den König, der, wie sich später fand, also lautete: »Pausanias, der Feldherr Sparta's, schickt dir diese seine Kriegsgefangenen zu, um sich dir gefällig zu erzeigen; und meine Absicht ist, wenn auch du darein willigst, deine Tochter zu heirathen und Sparta und das übrige Hellas unter deine Botmäßigkeit zu bringen. Das glaube ich im Einvernehmen mit dir wohl durchführen zu können. Wenn du nun hierin etwas Annehmbares siehst, so schicke einen treuen Mann zur Meereskütse/durch den wir uns weiter bereden mögen."
 
So stand in dem Brief geschrieben. Xerxes aber freute sich sehr über denselben und schickte den ArtabazoS, des Pharnakes ^Sohn, an die Meeresküste mit dem Befehl, den Megabates abzulösen und an seiner Stelle die Statthalterschaft von Daökylion sMoskille am Marmora-Meer^ zu übernehmen, und gab ihm zugleich ein Antwortshcreiben unter Vorweisung des Siegels so schleunig als möglich an den Pausanias nach Byzanz zu bestellen; und wenn ihm Pausa­ wohl nur zum Festhalten solcher Erztoseln gedient hoben können. Pausan. IN, 17,3. niaS in seinen Angelegenheiten einen Auftrag gebe, so solle er ihn treulichst und auf das Beste ausrichten. Dieser Artabazos kam an, that wie ihm besohlen war und übersandte auch den Brief, der Folgendes als Antwort enthielt: „Also spricht XerxeS der König zu Pausanias. Was die Männer betrifft, welche du mir von jenseits des MeereS aus Byzanz wohlbehalten zugeschickt hast, so ist dir in unserem Hause diese Gefälligkeit für immer angeschrieben^). Ich finde aber an deinen Worten Gefallen. Und so sei auch nun weder bei Tag, noch bei Nacht säumig, das zu betreiben, was du mir versprichst, und es soll weder an Gold oder Silber ^), noch an Heeresmenge fehlen, wenn dessen etwas von Nöthen ist. Benimm dich in deinen und meinen Angelegenheiten mit dem Artabazos, den ich zu dir geschickt habe, einem treuen Mann, offen und vertrauensvoll, so wie es für uns Beide am Schicklichsten und Zuträglichsten fein wird."
 
Pausanias nun, der schon vorher wegen seiner Anführung bei Platää bei den Hellenen in hoher Achtung gestanden war, überhob sich nun noch viel mehr, nachdem er dies Schreiben empfangen hatte, und er konnte schon nicht mehr nach hergebrachter Weise leben, sondern verließ Byzanz in persischer Kleidung und ließ sich auf dem Wege durch Thrakien von persischen und ägyptischen Lanzknechten begleiten, speiste nach persischer Art und konnte überhaupt seine Absichten nicht verbergen, sondern zeigte schon in kleinen Dingen, was er später mehr im Großen zu thun gedachte. Er erschwerte den Zutritt zu sich und benahm sich gegen Alle ohne Unterschied so hochmüthig, daß ihm Niemand mehr nahe kommen mochte. Und dies war nicht der geringste Grund, weßhalb der Oberbefehl an die Athener überging.
 
Schon das erste Mal, als die Lakedämonier dies erfahren, hatten sie ihm die Heimkehr geboten; da er aber jetzt wieder mit dem Diejenigen, welche sich bei den Persern um die königliche Fa»iilie oder um den Staat verdient gemacht hatten, wurden Orosangen genannt, und ihre Namen und Tharen in besonderen Registern verzeichnet. Vergl. Buch Esther, Kap. S, Herbst. s, 85. 204) Angedenket wird, daß der König alle erforderlichen Gelder und Truppen hergeben wolle. Einer Angabe nach erhielt Pausanias SO» Talente Goldes, Stab. 39, 31 . (Kr.) Hermioneishcen Schiffe ausgelaufen war und ähnliche Absichten blicken ließ, auch nicht nach Sparta gekommen war, als ihn die Athener mit Gewalt von Byzanz vertrieben hatten, sondern zu Kolonä in der Landschaft Troas sich aufhielt und, wie gemeldet wurde, sich mit den Barbaren einließ, und daß aus seinem dortigen Aufenthalte nichts Gutes kommen werde, so hielten sie nicht länger zurück, sondern die Ephoren ordneten einen Herold mit dem Rollbrief an ihn ab und befahlen ihm. im Geleite des Herolds nach Hause zu kommen; wenn er nicht gehorche, so erkläre hiemit sein Vaterland den Krieg gegen ihn. Er aber, da er den Verdacht nicht verstärken wollte und vertraute, der Gefahr mit Geld begegnen zu können, kehrte zum zweiten Mal nach Sparta zurück. Zuerst nun erhielt er von den Ephoren Gefängniß — denn diese Befugniß haben die Ephoren gegen die Könige^ob) — bald aber arbeitete er sich wieder los, kam frei und erbot sich, sich Jedem vor dem Richter zu stellen, der etwas gegen ihn vorbringen wolle.
 
Einen deutlichen Beweis hatten nun zwar die Spartaner nicht, weder seine Feinde, noch auch der ganze Staat, so daß sie ihn hätten zur Strafe ziehen können; denn er war von königlichem Geschlecht und stand auch gerade jetzt in königlichem Amte, weil er als Vetter über den jungen König PleistarchoS, des Leonidas Sohn, die Vormundschaft führte. Da er aber der Sitte zuwider handelte und barbarische Gebräuche nachahmte, so erweckte er selbst starken Verdacht, als wolle er dem Bestehenden nicht als Gleicher unter Gleichen gerecht . werden, und man gab deßhalb Acht auf ihn, ob er nicht in irgend etwas gegen die bestehenden Gesetze verstoße; und als es ihm beifiel, 205) Nollbries, Skytale, bestehend ans einem glatten, runden Stab. Einen hatten die Ephoret, den andern, von ganz gleicher Größe, erhielt der ausziehende Feldherr. Wollten die Ephoren diesem eine Depesche zusenden, so wickelten sie um ihren Stab einen weißen Riemen, beschrieben denselben und schickten dann den Riemen allein dem Feldherrn zu. Dieser wickelte ihn um . seinen Stab und las ihn. „Wenn man aber fragt, wie denn Pausanias die Stytale haben konnte, da er doch die Stadt insgeheim verlassen hatte, so ist zu antworten, daß er die Skytale noch von seiner ersten Feldherrnschast her besaß." (Schol.) 206) Vgl. Anm. IZZ. lauf den Dreifuß, welchen die Hellenen von der persischen Beute als als Bestopser nach Delphi geweiht hatten, für seine eigene Person den 'Zweizeiler schreiben zu lassen ^): Weil er die Mcdische Schaar als Führer der Grieche» vernichtet, Weihet dem delphischen Gott PausaniaS dies Geschenk, so ließen die Lakedämonier allsogleich diese Worte aus dem Dreifuß ausmeißeln, und schrieben an deren Stelle die Namen aller der Städte, welche zur Besiegung der Barbaren mitgeholfen und gemeinschaftlich dies Weihgeschenk aufgestellt hatten Dem PausaniaS aber machte man daraus ein Verbrechen, und weil es schon einmal so um ihn stand, so erblickte man in jener Handlung um so mehr etwas mit den ihm vorschwebenden Plänen Uebereinstimmendes. Nun kam ihnen auch zu Ohren, daß er mit den Heloten irgend etwas vorhabe; und dem war wirklich so, denn er hatte ihnen die Freiheit und das Bürgerrecht versprochen, wenn sie sich mit ihm empören und seinen ganzen Plan durchzusetzen helfen wollten^), Aber ^mch nicht einmal jetzt, trotz der Angabe einiger Heloten, wagten sie gegen ihn'eine harte Maßregel zn ergreisen; und sie verfuhren hierin, wie sie unter sich zn thun Pflegten, daß sie nämlich nie vorschnell ohne den unzweideu» tigsten Beweis gegen einen Spartaner mit Schärfe vorgingen ^ Erst — so wird erzählt — als der Bote, welcher den letzten Brief für den König an den Artabazos besorgen sollte, ein Argilischer Mann, 207) Ebenso wird in der Rede gegen die Neära S7 berichtet. Verf. des Distichons war SunönideS nach Pausan. s, s, I. Anthv!. Pal. 6, IS7. (Kr.) Anders lautet die Inschrift bei Divdor. XI, ZZ: Sieh' dies haben geweiht die Erretter der räumigen Hellas, Welche die Städte vom Gräu'l knechtischer Bande befreit. Dies könnte die spätere Inschrift sein, welcher dann noch die Namen der einzelnen Städte folgten. 208) Die Namen noch erhalten aus dem in Konstantinopcl auSgegravenen platäischen Wcihgeschcnke. L. Noß, Neue Jahrb. 73. S. 26S. (Pökel b. Kr). 209) Eben diese Befürchtung, die gegenüber dein Spartanischen Königthum überhaupt obwalten mußte, wird der Hauptgrund zur Beschränkung der früheren KonigSmacht gewesen sein. Vgl. Anan. 133. . 210) Den Heloten und Perioken gegenüber »uißte» die Lakedämonier unter einander selbst ein höchst rücksichtS- und achtungsvolles Benehmen walten lassen, um allen Schein inneren Zwistes zu vermeiden. ' ' früher des Pausanias Lustknabe und ihm sehr ergeben, >'zum Angeber wurde; da ihm nämlich ausfiel, daß Keiner von den früheren Boten zurückgekehrt war, so schöpfte er Verdacht, macht zuerst das Siegel nach, um nicht verrathen zu werden, wenn ihn allenfalls seine Vermuthung täuschen oder Pausanias den Brief zurückfordern sollte, um etwas darin zu ändern, öffnet dann das Schreiben, und wie er denn vermuthet hatte, daß irgend ein derartiger Nebenauftrag darin enthalten sei, so findet er wirklich die Aufforderung, ihn selbst zu tödten. Nun, da jener den Brief vorlegte, glaubten zwar die Ephoren schon eher, aber sie wollten außerdem noch mit eigenen Ohren etwas aus dem Munde des Pausanias hören, und auf ihr Veranstalten begab sich der Mann als Hilfeflehender nach Tänaros, machte sich eine durch eine Scheidewand getheilte Hütte und verbarg darin-einige der Ephoren.s
 
Als nun Pausanias sich zu ihm begab und um den Grund fragte,-weßhalb er sich als Hilseflehender gebehrde, so vernahmen sie Alles aus's Klärlichste, da ihm der Mensch sowohl das seinetwegen Geschriebene vorhielt und auch die andern Punkte einzeln zur Sprache brachte, wie er ihm ja doch in den Geschäften mit dem Perserkönig niemals fahrlässig gedient habe, und nun trotzdem den Ehrenlohn haben solle, sich wie so viele andere seiner Diener tödten zu lassen, woraus jener zugestehend antwortete und ihn bat, doch jetzt seinen Groll fahren zu lassen, und ihm Sicherheit verbürgte, wenn er sich aus dem Tempel entferne, und in ihn drang, doch so schnell als möglich abzureisen, damit die Unterhandlungen nicht in's Stocken geriethen 2").
 
Als die Ephoren dies Alles deutlich gehört hatten, entfernten sie sich, um ihn in der Stadt verhaften zu lassen; denn sie hatten jetzt eine sichere Ueberzeugung gewonnen. Da er nun auf der Straße ergriffen werden sollte, so merkte er, wie erzählt wird, an der Miene eines Ephoren, der auf ihn zuging, was dieser im Schilde 211)Die stanze Episode von Kap. 126 an wurde ihrer Klarheit wegen von jeher bewundert Die alten Nhetoren äußerten hier über TliukydideS Αέων έγέλασεν ένταυσα, ,,Hier hat der Löwe einmal gelacht." — Die ganze Episode könnte wohl von Thnkyd schon früher niedergeschrieben gewesen sein. ' führe, und da auch ein Anderer ihm aus Freundschaft versteckter Weise einen Wink gab, so lief er schnell zum Tempel der Athene Chalkioikos und erreichte denselben noch rechtzeitig, denn dieser heilige Grund befand sich ganz in der Nähe. Dort trat er, um nicht dem Wetter ausgesetzt zu sein, in ein kleines Gebäude, welches zum Tempel gehörte, und verhielt sich daselbst ruhig. Jene kamen zu spät, um ihn noch ergreifen zu können, und ließen das Dach und die Thüren wegnehmen und hielten ihn scharf bewacht. Als sie abgepaßt hatten, daß er in's Innere des Tempels getreten war, ließen sie ihn einmauern und hielten ihn umlagert, bis er ausgehungert war, und als er in dem Gebäude eben den Geist aufgeben wollte, bemerkten sie es und brachten ihn noch lebend heraus, kaum außen aber verschied er aus der Stelle. Sie wollten ihn zuerst in die Käadische Schlucht werfen, wie die andern Verbrecher, dann aber besannen sie sich anders und gruben ihn in der Nähe ein. Später jedoch befahl den Spartanern der delphische Gott, sein Grab an die Stelle zu versetzen, wo er gestorben sei, — und noch jetzt ruht er in dem Tempelhof, wie eine Schrift auf den Säulen anzeigt, — und da sie durch ihr Verfahren einen Frevel begangen hätten, so sollten sie der Chalkioikos statt eines Körpers zwei andere zur Sühne darbringen. Die Lakedämonier ließen nun zwei eherne Bildsäulen verfertigen und stellten sie gleichsam anstatt des Paufanias als Weihgeschenke auf.
 
Die Athener also verlangten ihrer Seits, daß die Lake-dämonier diesen Frevel tilgen sollten, als welchen ja auch der Gott selbst ihn erkannt habe. — Die Lakedämonier aber schickten Gesandte an die Athener und erhoben auch gegen den Themistokles die Anklage wegen Perserfreundschaft, denn die Untersuchung gegen den Pausanias habe dieselbe dargethan, und verlangten, er solle die Strafe erleiden. Die Athener ließen sich bereden, und da Themistokles, bereits durch das Scherbengericht verbannt? IV, damals in Argos wohnte, aber auch im Peloponnes umherreiste, so schickten sie mit den zur Verfolgung gleichfalls bereiten Lakedämoniern einige Leute aus, mit dem Befehl, ihn zu ergreifen, wo immer sie ihn träfen. 212) Der Tod des Pausn», fällt in Ol. 76,^ — 473 v. Chr.; Themi« stokle« war verbannt worden. Oh 76,l — 4 76 v. Chr. Krüger, Sind. S. 46, AS.
 
Themistokles erhielt jedoch zu rechter Zeit Wind und floh aus dem Peloponnes nach Kerkyra, da er sich dessen Einwohner verpflichtet hatte ^ Weg. Weil aber die Kerkyräer sich fürchteten, ihn bei sich zn behalten, da sie sich dadurch, wie sie sagten, die Lakedämonier und Athener zu Feinden machen würden, so ließ er sich von ihnen . nach dem gegenüberliegenden Festland bringen. Da ihm aber die zur Verfolgung Ausgesandten auf der Ferse blieben, — denn sie hatten erfahren, wohin er gehe, — so zwingt ihn die Noth, beim Molosserkönig Admet, der nicht sein Freund war, einzukehren. Dieser selbst war nicht zu Hause, und Themistokles tritt als Hilfeflehender vor sein Weib, und diese weist ihn an, daß er ihrer beider Knäblein nehme und sich auf den Herd setze. Als nun nicht lange darauf Admet nach Haus kommt, gibt er zu erkennen,-wer er ist, und bittet, wenn er ihm auch einmal bei den Athenern in einer Rede entgegengetreten sei, so möge er das am Flüchtlinge nicht rächen; denn jetzt könne auch ein viel Schwächerer, als der König sei, ihm Schlimmes zufügen; edel aber sei es nur, vom Gleichen in gleicher Lage Sühnung zu fordern; auch habe er nur in einer unbedeutenderen Angelegenheit gegen jenen gesprochen und nicht in einer Sache, wo es sich um das Leben handelte; wenn er ihn aber jetzt ausliefere, so nehme er ihm alle Hoffnung auf Rettung; und zugleich erzählt er, weßhalb er verfolgt werde.
 
Da heißt ihn Admet mit seinem Söhnlein aufstehen, — so wie er sich mit dem Kind im Arme niedergesetzt hatte, denn das war die kräftigste Art der Schutzbitte, — und wie nicht lange darauf die Lakedämonier und Athener ankommen und viel Redens machen, gibt er ihnen den Themistokles nicht heraus, sondern läßt ihn, weil er zum König reisen wollte, auf dem Landwege nach dem jenseitigen 212*)Die Flucht faut Ol. 76,4, 473 v. Chr. Krnger, Sind. I, S. 51. Themistokles hatte davon abgerathen, die Kerkyräer und Andere, welche sich am Kampfe gegen die Perser nicht hatten bctheiligen wollen, zu bestrafen, Herab. 7, lK8; nach Blut. Thennst. 24 aber, weil er als Nichter einen Streit, den sie mit Korinth hatten, zn ihrem Vortheil entschied. Dem »achgenannte» König Admet hingegen hatte er sich hinderlich erwiesen, indem er den Athenern ein von demselben angetragenes Bündnis inißrieth. Meer bis nach Pydna, der Stadt Alexanders 2'3), geleiten. Dort traf er ein Lastschiff, welches gen Jonien segeln wollte, und da er es bestiegen hatte, wurde er durch einen Sturm mitten unter die athenische Flotte vershclagen, welche Naxos belagerte, und aus Besorgniß theilte er dem Schiffsherrn mit, wer er sei, — denn er war den Leuten im Schiff unbekannt, — und weßhalb er flüchtig gehe; wenn er ihn nicht retten wolle, so werde er angeben, daß er durch Geld bestochen ihn aufgenommen habe; seine Sicherheit liege darin, daß Keiner das Schiff verlasse, bis es weitersegele; wenn er ihm zu Willen sei, so wolle er es mit angemessenem Dank vergelten. Der Schiffsherr that nach seinem Willen, und nachdem er sich einen Tag und eine Nacht hindurch auf offenem Meer von der Flotte entfernt gehalten hatte, gelangte er später nach Ephesos. Themistokles lohnte ihm mit einem Geschenk an Geld, — denn von den Freunden zu Athen und aus Argos kam an, was er dort hinterlegt hatte, — und nachdem er dann in Gesellschaft eines Persers von der Seeküste auswärts in's Innere gereist war 2"), schickte er einen Brief an den König Artaxerxes, des Xerxes Sohn, der kurz vorher den Thron bestiegen hatte. Das Schreiben lautete: ,Ich Themistokles komme zu dir, der ich von allen Hellenen eurem Hause am meisten Böses angethan habe, so lange dein Vater uns bedrängte und mich zur Abwehr zwang, noch viel mehr Gutes aber, als ich in Sicherheit war und jener unter großer Fahrniß die Heimkehr beschickte. Und man ist mir Dank sür eine Wohlthat schuldig, — hier erwähnte er seine Meldung von Salamis aus wegen des Rückzugs / und wie der Abbruch der Brücke, den er fälschlich ersonnen hatte, damals durch ihn hintertrieben worden sei,— und da ich auch jetzt noch dir viel Gutes zu erweisen vermag, so bin ich zu dir gekommen, verfolgt von den Hellenen wegen meiner Freundschaft sür dich. Wenn ich aber ein Jahr hier verweilt haben werde, so will ich dir selbst eröffnen, weßhalb ich gekommen bin."

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