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Ἱστορίαι

Ἱστορίαι Thucydides

Book 1

 
„Das sind die Rechtsgründe, auf die wir uns berufen können, und nach griechischen Begriffen ist eS damit genug. Wir haben uns aber auch noch durch besondere Verdienste Anspruch auf euren Dank erworben, die ihr uns - da wir wenn auch nicht grade Busenfreunde, doch keine Todfeinde sind - unserer Meinung nach jetzt vergelten müßt. Damals nämlich, vor dem Perserkriege, als es euch im Kampfe mit Älgina an Kriegsschiffen fehlte, habt ihr von Korinth zwanzig Schiffe erhalten, und unsere wohlwollende Haltung bei jener Gelegenheit wie dann später beim Abfall von Samos, das auf unsere Veranlassung aus dem Peloponnes keine Hilfe er­ hielt, hat es euch möglich gemacht, Agina zu besiegen und Samos zu züchtigen. Und daS war unter Umständen, wo es einem im Kampfe gegen den Feind auf nichts als den Sieg anzukommen pflegt. Jeden, der uns beisteht, hält man alsdann für einen Freund, wäre er bis dahin auch unser Feind gewesen, und jeden, der uns in den Weg tritt, für einen Feind, sollte er sonst auch unser Freund sein; hat man doch in der Kampfes­ hitze kaum Zeit, an sich selbst zu deuten.
 
„Daran erinnert euch, und ihr Jüngeren laßt es euch von den Alten sagen, um uns jetzt Gleiches mit Gleichem zu ver­ gelten. Glaubt nicht, unsere Sache sei zwar gerecht, aber wenn es zum Kriege käme, weise euer Vorteil euch doch andere Wege; denn der rechte Weg ist schließlich doch immer der beste. Ob es zum Kriege kommen wird, womit die Kerkyräer euch schrecken und zum Unrecht verführen wollen, kann man noch nicht wissen. Hütet euch also, darauf hineinzufallen, denn ihr würdet euch damit unsere Feindschaft zuziehen, nicht etwa später mal, sondern unzweifelhaft schon jetzt. Weit gescheiter wäre es, das alte Mißtrauen wegen Megara endlich zu begraben. Schon eine kleine Gefälligkeit zur rechten Zeit kann ja selbst eine starte Spannung ausgleichen. Laßt euch auch nicht durch die Hoffnung auf die große Flotte betören, zu der euch ein Bündnis mit Kerkyra verhelfen würde. Besser, seinem Nächsten kein Unrecht tun, als sich durch die Aussicht auf augenblickliche Vorteile zu einem denn doch nicht ungefährlichen Haschen nach Macht­ erweiterung verleiten zu lassen.
 
„Wir sind jetzt in die Lage gekommen, nach dem von uns in Lakedämon vertretenen Grundsatze zu verfahren, daß es niemand verwehrt sein dürfe, seine Bundesgenossen im Zaume zu halten, und erwarten von euch, daß auch ihr uns in dieser Beziehung keine Hindernisse in den Weg legt und, wie euch damals unsere Abstimmung zugute gekommen ist, jetzt auch nichts zu unserem Nachteil beschließen werdet. Vergeltet unS viel­ mehr Gleiches mit Gleichem und bedenkt, daß eben jetzt wieder solch ein Augenblick ist, wo jeder, der für uns, als Freund, wer wider uns ist, als Feind gilt. Nehmt diese Kerkyräer nicht uns zum Trotz als Bundesgenossen an und leistet ihren Übergriffen keinen Vorschub. Dann handelt ihr nicht nur kor­ rekt, sondern auch im eigenen, wohlverstandenen Interesse." So die Korinther.
 
Die Athener hörten beide an und hielten zweimal eine Volksversammlung. In der ersten war man überwiegend geneigt, sich für Korinth zu entscheiden, in der zweiten aber schlug die Stimmung um, und es wurde beschlossen, ein Bündnis mit Kerkyra einzugehen, allerdings keines zu Schutz und Trug, weil ein etwaiges Verlangen der Kerkyräer, die Athener sollten sich mit ihrer Flotte an einem Angriff auf Korinth beteiligen, für sie den Bruch ihres Vertrages mit den Peloponnesiern bedeutet hätte, wohl aber ein Schutzbündnis, wonach man sich gegen­ ; seitig für den Fall eines Angriffes auf Kerkyra oder Athen f oder auch einen ihrer Bundesgenossen zu bewaffnetem Beistand verpflichtete. Die Athener waren nämlich überzeugt, daß es mit den Peloponnesiern sowieso zum Kriege kommen werde, und wollten Kerkyra mit seiner starken Flotte den Korinthern nicht in die Hände fallen, sondern beide sich untereinander erst aufreiben lassen, um es für alle Fälle in einem Kriege mit Korinth oder einer anderen Seemacht mit einem schon geschwächten Gegner zu tun zu haben. Zither auch die für die Fahrt nach Italien und Sizilien in der Tat besonders günstige ^ Lage der Insel leuchtete ihnen ein.
 
So sahen die Athener die Sache an, als sie sich zum Bündnis mit den Kerkyräern entschlossen. Auch schickten sie ihnen gleich nach der Abreise der korinthischen Gesandten zehn Schiffe zu Hilfe, über welche Lakedaimonios, Kimons Sohn, Diotimos, Strombichos' Sohn, und Proteas, Epikles' Sohn, den Oberbefehl führten. Diese waren jedoch angewiesen, sich auf keine Schlacht mit den Korinthern einzulassen, es sei denn, daß sie sich mit ihrer Flotte gegen Kerkyra oder eine seiner Besitzungen wenden und dort eine Landung beabsichtigen würden; das aber sollten sie nach Kräften zu verhindern suchen. Diese Weisung hatte man ihnen erteilt, um einen Vertragsbruch zu vermeiden. Die Schiffe kamen auch in Kerkyra an.
 
Die Korinther aber segelten nach Beendigung ihrer Rüstungen mit hundertfunfzig Schiffen nach Kerkyra. Zehn davon waren auS Elis, zwölf aus Megara, zehn auS Leukas, siebenundzwanzig aus Amprakia, eins aus Anaktorion, aus Korinth selbst neunzig. Die Schiffe der einzelnen Städte standen unter ihren besonderen heimischen Befehlshabern, die Korinther aber befehligte Zteno­ kleidos, Euthyklos' Sohn, felbfünfter. Als sie von Leukas her daS Festland Kerkyra gegenüber erreicht hatten, gingen sie bei Cheimerion im Lande der Thesproten vor Anker. Das ist ein Hafenplatz, über dem etwas weiter landeinwärts die Stadt Ephyra in der thesprotischen Elaiatis liegt. Nicht weit von ihr mündet der Acherusische See ins Meer. In ihn ergießt sich der durch Thesprotien fließende Acheron, von dem auch der See seinen Namen hat. Dort in der Nähe fließt auch der Thyamis, welcher die Grenze zwischen Thesprotien und Kestrine bildet. Zwischen beiden Flüssen erhebt sich daS Vorgebirge Cheimerion, wo die Korinther vor Anker gingen und ein Lager bezogen.
 
Auf die Nachricht, daß ihre Flotte im Anzüge sei, be­ mannten die Kerkyräer hundertzwölf Schiffe unter Meikiades, Aiflmedes und Eurybates und stellten sich damit bei einer der Inseln auf, welche den Namen Sybota führen, mit ihnen auch die zehn attischen Schiffe. Ihr durch tausend Hopliten auS Zakynthos verstärktes Landheer befand sich am Vorgebirge Leukimme. Auch den Korinthern hatten sich auf dem Festlande zahlreiche Barbaren angeschlossen, wie denn die Bewohner des Festlandes dort von jeher ihre guten Freunde gewesen sind.
 
Nachdem die Korinther alles fertig gemacht und für drei Tage Lebensmittel eingenommen hatten, stachen sie bei Nacht von Cheimerion in See in der Absicht, eine Schlacht zu liefern. Bei Tagesanbruch sichteten sie am Horizont die auf sie zu­ fahrenden Schiffe der Kerkyräer. AlS beide sich in Sehweite gekommen waren, stellten sie sich einander gegenüber in Schlacht­ ordnung. Auf dem rechten Flügel der Kerkyräer standen die attischen Schiffe, auf dem anderen ihre eigenen, die sie in drei Geschwader geteilt hatten, deren jedes von einem der drei Feldherren befehligt wurde. So die Aufstellung der Ker­ kyräer. Auf seiten der Korinther bildeten die Schiffe von Me­ igara und Amprakia den rechten Flügel, die Mitte die übrigen Bundesgenossen alle nach der Reihe, den linken Flügel, den Athenern und dem rechten Flügel der Kerkyräer gegenüber, die Korinther selbst mit den besten Schiffen.
 
Nun wurde auf beiden Seiten das Zeichen zum Angriff gegeben, und die Schlacht begann. Beide aber waren noch l recht unzweckmäßig nach alter Weise gerüstet und hatten viele Hopliten und eine Menge Wurf- und Bogenschützen auf dem Verdeck. Man schlug sich auf beiden Flotten mit großer Tapfer­ keit, aber die Geschicklichkeit stand nicht auf gleicher Höhe, und die Schlacht glich eher einem Gefecht auf dem festen Lande, denn wenn Schiffe aneinander gerieten, konnten sie im Gedränge so leicht nicht wieder loskommen; auch rechnete man für den Sieg hauptsächlich auf die Hopliten auf dem Verdeck, welche hier, während sich die Schiffe nicht von der Stelle bewegten, Mann gegen Mann fochten. Von einem Umfahren der feind­ lichen Schiffe war keine Rede; man kämpfte eben weniger kunst- gerecht als tapfer und mit Ungestüm. Überall aber herrschte gewaltiger Lärm und wildes Schlachtgetümmel. Die athenischen Schiffe beschränkten sich einstweilen darauf, wo die Kerkyräer ins Gedränge gerieten, die Gegner durch ihre Anwesenheit zu schrecken, vermieden es aber, selbständig in den Kampf einzu­ greifen, weil die Befehlshaber dadurch die ihnen von Athen mitgegebene Weisung zu übertreten fürchteten. Am meisten litt der rechte Flügel der Korinther. Denn die Kerkyräer mit zwanzig Schiffen schlugen ihn in die Flucht und verfolgten ihre einzeln das Weite suchenden Gegner bis zum Festlande, gelangten auch mit ihren Schiffen bis an das feindliche Lager, wo sie landeten und die leerstehenden Zelte in Brand steckten und plünderten. Hier also waren die Korinther und ihre Bundesgenossen geschlagen und die Kerkyräer Sieger geblieben. Auf dem linken Flügel dagegen, wo die Korinther selbst standen, waren sie entschieden im Vorteil, da die Kerkyräer, schon an sich in der Minderzahl, der Verfolgung wegen zwanzig von ihren Schiffen nicht zur Stelle hatten. Als die Athener die Kerkyräer ernstlich in Gefahr kommen sahen, trugen sie nicht länger Bedenken, auch ihrerseits in die Gefechtslinie einzurücken. Zunächst freilich vermieden sie es noch, mit dem Gegner hand­ gemein zu werden; als dann aber die Kerkyräer offenbar ge­ schlagen und von den Korinthern verfolgt wurden, gab es keinen Halt mehr, aller Unterschied hörte auf, und in der Hitze des Gefechts kamen nun auch die Athener und die Korinther miteinander ins Handgemenge.
 
Nach ihrem Siege gaben sich die Korinther nicht lange damit ab, die von ihnen leck gemachten feindlichen Schiffe in Schlepptau zu nehmen, sondern fuhren an sie heran, um ihre Wut an den darauf befindlichen Leuten auszulassen, die sie bis auf den letzten Mann schonungslos niedermachten. Weil sie aber nicht wußten, daß sie auf ihrem rechten Flügel selbst - geschlagen waren, töteten sie hin und wieder unabsichtlich auch ihre eigenen Freunde. Denn da die Zahl der Schiffe auf beiden Seiten groß und die See weithin davon bedeckt war. konnten sie im Gewirr nicht immer gleich unterscheiden, ob einer zu den Siegern oder den Besiegten gehörte. In An­ sehung der Zahl der Schiffe nämlich war dies die größte See­ schlacht, in welcher bis dahin Griechen gegen Griechen ge­ fochten hatten.
 
Nachdem die Korinther die Kerkyräer bis ans Land verfolgt hatten, machten sie kehrt, um sich nach ihren schadhaft ge­ wordenen Schiffen und ihren Toten umzusehen, die sie dann auch größtenteils bergen konnten und nach Sybota, einem ab­ gelegenen Hafenplatze in Thesprotien, brachten, wo sich das ihnen zu Hilfe gekommene Barbarenheer befand. Als sie dies besorgt und sich wieder gesammelt hatten, wandten sie sich mit ihrer Flotte von neuem gegen die Kerkyräer. Diese aber fuhren ihnen mit den noch feefähigen, namentlich ihren bei den Athe­ nern gebliebenen frischen Schiffen aus Furcht, sie könnten bei ihnen eine Landung versuchen, auch ihrerseits entgegen. Es war schon spät, und sie hatten ihr Schlachtlied schon angestimmt, als die Korinther plötzlich rückwärts ruderten, weil sie zwanzig athe­ nische Schiffe kommen sahen, die man den zehn ersten aus Athen nachgeschickt hatte, da man dort besorgte, was ja auch nicht ausblieb, die Kerkyräer könnten geschlagen werden und die zehn Schiffe zu ihrem Schutz zu wenig sein. Die Korinther vermuteten nämlich, die Schiffe, die sie in der Ferne gesehen, könnten von Athen kommen und ihrer wohl gar noch mehr sein, als bereits in Sicht waren, und deshalb zogen sie sich zurück.
 
Die Kerkyräer aber, welche die Schiffe nicht gesehen hatten, da diese in der Richtung, aus der sie kamen, noch außer­ halb ihres Gesichtskreises waren, begriffen nicht, weshalb die Korinther rückwärts ruderten, bis dann auch sie ihrer ansichtig wurden und der Ruf „Segel in Sicht" erscholl. Darauf zogen sie sich ebenfalls zurück; denn es wurde schon dunkel, und die Korinther waren verschwunden. So kam es nicht zur Schlacht, und die Nacht machte weiteren Feindseligkeiten ein Ende. Jene zwanzig Schiffe unter Glaukon, Leagros' Sohn, und Ando­ kides, Leogoras' Sohn, aber setzten ihren Weg durch Leichen und Schiffstrümmer bis Leukimme fort, wo die Kerkyräer stehen geblieben waren, und langten nicht lange, nachdem sie in Sicht gekommen, dort an. Die Kerkyräer fürchteten anfangs, denn es war Nacht, es könnten Feinde sein, sahen jedoch bald ihren Irrtum ein, worauf die Athener vor Anker gingen.
 
Am folgenden Tage lichteten die dreißig attischen Schiffe und die noch seefähigen Schiffe der Kerkyräer die Anker und fuhren auf den Hafen Sybota zu, wo die Korinther lagen, um sich zu überzeugen, ob sie eine Schlacht annehmen würden. Auch die Korinther gingen in See und stellten sich draußen in Schlachtordnung. Indessen rührten sie sich nicht und machten keine Miene, den Kampf zu beginnen, da sie die von Athen gekommenen frischen Schiffe sich gegenüber sahen und sich auch sonst in mancher Hinsicht in mißlicher Lage befanden; hatten sie doch die Gefangenen an Bord, die sie bewachen mußten, und in jener abgelegenen Gegend keine Möglichkeit, ihre Schiffe wieder auszubessern. Ihnen war es eigentlich nur darum zu tun, glücklich wieder nach Hause zu gelangen; denn sie fürch­ teten, nachdem es zur Schlacht gekommen, würden die Athener den Frieden für gebrochen halten und ihnen den Rückweg ver­ legen.
 
Sie beschlossen also, ihnen zunächst mal auf den Zahn zu fühlen, setzten ein paar Leute in ein Boot und schickten sie, ohne Heroldsstab, an sie ab mit dem Auftrage, ihnen folgendes zu sagen: „Das ist unrecht von euch, Athener; ihr fangt Krieg an und brecht den Frieden. Wir wollen unsere Feinde züchtigen, und ihr tretet uns dabei mit Waffengewalt in den Weg. Wollt ihr wirklich den Frieden brechen und uns hindern, nach Kerkyra oder nach Belieben sonst wohin zu fahren, so greift uns nur hier gleich an und behandelt uns als Feinde." Die Leute richteten denn auch ihren Auftrag aus. Die Kerkyräer auf der Flotte aber, die das mit angehört, schrien gleich, man sollte sie greifen und totschlagen. Die Athener aber erwiderten ihnen: „Wir fangen keinen Krieg an, Peloponnesier, und wollen den Frieden nicht brechen. Wir kommen nur den Ker­ kyräer«, unseren Bundesgenossen, zu Hilfe. Wollt ihr also sonst wohin fahren, so haben wir nichts dagegen. Einen An­ I griff auf Kerkyra aber oder eine seiner Besitzungen werden wir nach Kräften zu verhindern wissen."
 
Nach dieser Antwort bereiteten sich die Korinther zur Rückreise und errichteten bei Sybota auf dem Festlande ein Siegeszeichen. Die Kerkyräer aber bargen ihre Leichen und Schiffstrümmer, womit die Strömung und der Wind, der sich über Nacht aufgemacht, den Strand weit und breit übersäet hatte, und errichteten dann auf der Insel Sybota ebenfalls ein Siegeszeichen, weil auch sie sich den Sieg zuschrieben. Daß sich aber beide den Sieg zuschrieben, erklärte sich so: Die Korinther waren in der Schlacht bis zum Eintritt der Nacht Sieger gewesen, sie hatten ihre schadhaft gewordenen Schiffe und ihre Toten größtenteils geborgen, über tausend Gefangene gemacht und gegen siebzig Schiffe außer Gefecht gesetzt. Des­ halb errichteten sie ein Siegeszeichen. Die Kerkyräer aber taten es, weil sie ungefähr dreißig Schiffe vernichtet und nach Ankunft der Athener ihre Leichen und Schiffstrümmer geborgen, die Korinther aber tags vorher ihnen gegenüber beim Anblick der attischen Schiffe rückwärts gerudert und den Rückzug an­ getreten, auch sich von Sybota nach Ankunft der Athener nicht wieder gegen sie vorgewagt hatten. So glaubten beide gesiegt zu haben.
 
Auf dem Heimwege bemächtigten sich die Korinther durch List der von Korinth und Kerkyra gemeinsam gegründeten Stadt Anaktorion am Ausgange des Amprakischen Meerbusens, be­ setzten sie mit korinthischen Kolonisten und fuhren darauf nach Hause. Von den gefangenen Kerkyräern verkauften sie acht­ hundert, was Sklaven waren, zweihundertfunfzig dagegen be­ hielten sie in Gefangenschaft und behandelten sie gut, damit sie nach der Rückkehr in Kerkyra für sie wirken möchten; denn zufällig gehörten sie alle zu den angesehensten Einwohnern der Stadt. So hatte Kerkyra den Krieg mit Korinth glücklich bestanden, und die athenischen Schiffe fuhren wieder nach Hause. Das aber wurde die erste Veranlassung zum Kriege der Ko­ rinther mit den Athenern, daß diese im Frieden mit ihren Schiffen auf seiten der Kerkyräer gegen sie gefochten hatten.
 
Unmittelbar nachher wurde noch ein anderes Ereignis ein weiterer Anlaß zum Kriege zwischen den Athenern und den Peloponnesiern. Die Korinther brannten darauf, sich an Athen zu rächen, und den Athenern waren ihre feindlichen Absichten kein Geheimnis geblieben. Sie befahlen deshalb der korin­ thischen Kolonie Potidäa auf der Landenge von Pallene, einer der steuerpflichtigen Städte ihres Bundes, ihre Mauer auf der Seite nach Pallene abzubrechen, Geiseln zu stellen und die Epidemiurgen, von Korinth alljährlich dorthin geschickte Be­ amte, auszuweisen und auch künftig nicht mehr aufzunehmen. Sie fürchteten nämlich, Potidäa könnte sich von Perdikkas und Korinth zum Abfall verleiten lassen und ihnen auch ihre übrigen thrakischen Bundesstädte abtrünnig machen.
 
Es war gleich nach der Seeschlacht bei Kerkyra, als sich die Athener zu diesem Schritt gegen Potidäa entschlossen; denn schon damals waren die Korinther ihre ausgesprochenen Feinde, und auch ihr bisheriger Freund und Bundesgenosse, König Perdikkas von Makedonien, der Sohn Alexanders, hatte sich mit ihnen überworfet, weil sie mit seinem Bruder Philipp und mit Derdas, seinen gemeinsamen Gegnern, ein Bündnis geschlossen hatten. In seiner Besorgnis knüpfte Perdikkas überall Verhandlungen an, schickte Gesandte nach Lakedämon, um im Peloponnes gegen Athen zu schüren, brachte die Ko­ rinther, denen es um den Abfall von Potidäa zu tun war, auf seine Seite und suchte auch die Chalkidier und Bottiaier im thrakischen Küstenlande zum Abfall zu bewegen, in der Hoffnung, im Bunde mit diesen seinen Nachbarn den Krieg leichter bestehen zu können. Die Athener aber, die dahinter­ gekommen waren, wollten dem Abfall der Städte vorbeugen, und da grade dreißig Schiffe und tausend Hopliten unter Archestratos, Lykomedes' Sohn, und zehn anderen nach Make- . donien abgehen sollten, wiesen sie die Befehlshaber der Schiffe an, sich in Potidäa Geiseln geben und die Mauer abbrechen zu lassen, auch auf die anderen Städte dort ein wachsames Auge zu haben, um deren Abfall zu verhüten.
 
Die Potidäer aber schickten Gesandte an die Athener, um sie womöglich zu bewegen, von den neuerdings gegen sie beschlossenen Maßregeln Abstand zu nehmen; indessen wandten sie sich in Verbindung mit Korinth auch nach Lakedämon, um sich dort für alle Fälle nach Beistand umzusehet. Da sie in Athen auch nach längeren Verhandlungen nichts erreichten und die nach Makedonien gehenden Schiffe nun doch zugleich auch gegen sie bestimmt wurden, die lakedämonische Regierung aber ihnen für den Fall eines Angriffs der Athener auf Poti­ däa einen Einfall nach Attika in Aussicht stellte, hielten sie es jetzt für an der Zeit, mit den Chalkidiern und Bottiaiern, die sich zu dem Ende mit ihnen verbunden hatten, von Athen abzufallen. Perdikkas aber überredete die Chalkidier, ihre Städte an der See aufzugeben und zu zerstören und sich weiter landeinwärts in Olynth anzusiedeln nnd nur dies zu einer festen Stadt zu machen. Auch räumte er den abziehenden Einwohnern für die Dauer des Krieges mit den Athenern ein Stück der ihm gehörenden Landschaft Mygdonia am See Bolbe zur Benutzung ein. Diese zerstörten auch ihre Städte, siedelten sich weiter landeinwärts an und rüsteten zum Kriege.
 
Inzwischen langten die dreißig athenischen Schiffe an der thrakischen Küste an und fanden Potidäa und die anderen Orte bereits abgefallen. Die Feldherren hielten es aber nicht für möglich, mit den vorhandenen Kräften den Krieg zugleich gegen Perdikkas und die abgefallenen Orte zu führen. Sie wandten sich deshalb nach Makedonien, wo sie landeten und in Gemeinschaft mit Philipp und Derdas'Brüdern, die mit ihren Scharen aus dem Inneren nach Makedonien eingefallen waren, die Feindseligkeiten eröffneten.
 
Jetzt aber, wo Potidäa abgefallen und die athenische Flotte in den makedonishcen Gewässern erschienen war, wurden die Korinther um die Stadt denn doch besorgt, und da sie darin auch eine Gefahr für sich selbst erblickten, schickten auch sie Truppen dahin, teils korinthische Freiwillige, teils Ge­ worbene aus den übrigen peloponnesischen Staaten, im ganzen sechzehnhundert Hopliten und vierhundert Leichtbewaffnete. Den Oberbefehl führte Aristeus, Adeimantos' Sohn, und be­ sonders ihm zuliebe, der von jeher ein guter Freund der Poti­ däer gewesen, hatten die meisten Freiwilligen aus Korinth sich gemeldet. Vierzig Tage nach dem Abfall von Potidäa kamen sie an der thrakischen Küste an.
 
Aber auch die Athener erhielten alsbald Nachricht vom Abfall der Städte, und als sie dann weiter hörten, daß Aristeus mit Truppen zu ihnen gestoßen sei, schickten sie vierzig Schiffe mit zweitausend athenischen Hopliten an Bord gegen die Auf­ ständischen ab, worüber Kallias, Kalliades' Sohn, selbfünfter " den Oberbefehl führte. Bei ihrer Ankunft in Makedonien trafen sie die ersten Tausend, welche Therme soeben erobert hatten und jetzt Pydna belagerten. Nun beteiligten auch sie sich an der Belagerung von Pydna, mußten sich aber bald zu einem Vergleich und Bündnis mit Perdikkas verstehen, weit Potidäa, wo Aristeus inzwischen angekommen war, ihnen auf den Nägeln brannte. Infolgedessen zogen sie aus Makedonien ab, kamen bis Beroia und von da bis Strepsa, von wo sie nach einem vergeblichen Versuch, sich der Stadt zu bemächtigen, zu Lande den Weg nach Potidäa fortsetzten, insgesamt drei­ tausend athenische Hopliten mit zahlreichen Bundesgenossen und sechshundert makedonische Reiter unter Philipp und Pausa­ nias. Die Flotte fuhr ihnen, sechzig Segel stark, längs der Küste zur Seite. Auch gelangten sie in drei kurzen Tagemärschen nach Gigonos, wo sie ein Lager aufschlugen.
 
Die Potidäer aber und die Peloponnesier unter Aristeus bezogen vor der Stadt auf der Landenge auf der Seite nach Olynth ebenfalls ein Lager und richteten dort einen Markt ein, um die Athener zu erwarten. Die Verbündeten hatten ihr gesamtes Fußvolk unter AristeuS' Befehl, die Reiterei aber unter den Befehl des Perdikkas gestellt. Der hatte sich nämlich von den Athenern gleich wieder getrennt und den Potidäern angeschlossen, die Regierung aber an seiner Statt dem IolaoS übertragen. Aristeus' Absicht war, mit den Truppen unter seinem unmittelbaren Befehl den Angriff der Athener auf der Landenge zu erwarten, während die Chalkidier und die übrigen Bundesgenossen von jenseits der Landenge mit den zweihundert Reitern deS Perdikkas in Olynth bleiben sollten, um den Athe­ nern im Falle eines Angriffs auf seine Stellung in den Rücken zu fallen und den Feind in die Mitte zu nehmen. KalliaS aber, der Anführer der Athener, und seine Mitfeldherren schickten ihrerseits wieder die makedonishcen Reiter zu ihrer Deckung gegen einen etwaigen Angriff von daher gegen Olynth vor und brachen dann selbst aus ihrem Lager gegen Potidäa auf. Als sie an die Landenge kamen und den Feind hier zur Annahme einer Schlacht bereit sahen, stellten sie sich ihm gegen­ über in Schlachtordnung, und nach kurzer Zeit kam eS zum Gefecht. Der Flügel des Aristeus mit den von ihm selbst befehligten Korinthern und anderen Kerntruppen brachte die ihm gegenüberstehenden Feinde zum Weichen und verfolgte sie eine Strecke weit. Das übrige Heer der Potidäer und Peloponnesier dagegen wurde von den Athenern geschlagen und flüchtete in die Stadt.
 
Aristeus, der die Verfolgung aufgegeben hatte, als er sein übriges Heer geschlagen sah, war anfangs zweifelhaft, wohin er sich wenden sollte, um sich aus der Gefahr zu ziehen, ob nach Olynth oder nach Potidäa, entschloß sich dann aber, seine Truppen möglichst eng zusammenzuziehen und sich mit ihnen im Sturmschritt nach Potidäa durchzuschlagen. Auch gelang es ihm, vom Hasendamme her durchs Wasser um die Stadt herumzukommen und, wenn auch beschossen und nur mit Mühe und nicht ganz ohne Verluste, das meiste in Sicher­ heit zu bringen. Die Truppen, welche von Olynth Potidäa, das etwa sechzig Stadien von Olynth entfernt und von dort sichtbar ist, zu Hilfe kommen sollten, setzten sich, als die Schlacht begann und die Signale hochgingen, eine kurze Strecke weit in Marsch, um in den Kampf einzugreifen, und um sie daran zu hindern, ritten die makedonishcen Reiter gegen sie auf. Als sich jedoch der Sieg so bald für die Athener entschied und die Signale verschwanden, zogen sie sich in die Stadt, die Makedonier aber auf die Athener zurück, so daß die Reiterei von keiner Seite ins Gefecht kam. Nach der Schlacht errich­ teten die Athener ein Siegeszeichen und gewährten den Poti­ däern zur Bestattung ihrer Toten einen Waffenstillstand. Ge­ blieben waren auf seiten der Potidäer und ihrer Bundes­ genossen nicht ganz dreihundert, auf seiten der Athener hundert­ funfzig Bürger, darunter auch Kallias, ihr Feldherr.
 
Die Athener führten der Stadtmauer gegenüber auf der Seite nach der Landenge sogleich eine zweite Mauer auf und besetzten sie. Auf der Seite nach Pallene dagegen hatten sie keine Mauer. Denn sie fühlten sich nicht stark genug, um die Landenge be­ setzt zu halten und gleichzeitig nach Pallene hinüberzugehen und auch dort eine Mauer herzustellen, da sie im Fall einer solchen Teilung ihrer Kräfte einen Überfall der Potidäer und ihrer Verbündeten zu gewärtigen gehabt hätten. Als man aber in Athen hörte, daß auf der Seite von Pallene noch keine Mauer wäre, schickte man bald darauf sechzehn hundert athenische Hopliten unter Phormion, Asopios' Sohn, von dort noch nach. Der setzte sich nach seiner Ankunft auf Pallene von Amphytis, das er zum Stützpunkt nahm, mit seinem Heere in Bewegung und rückte, das Land beizu verwüstend, langsam gegen Potidäa vor und führte, als sich ihm niemand zur Schlacht stellte, auch auf der Seite von Pallene der Stadtmauer gegen­ über eine Mauer auf. So wurde Potidäa nunmehr zu Lande von beiden Seiten hart belagert, während es zugleich durch die Flotte von der See abgeschnitten war.
 
Nachdem die Stadt auf diese Weise eingesperrt war, hatte Aristeus keine Hoffnung auf Errettung, wenn nicht vom Pelo­ ponnes oder sonst woher wider Erwarten noch Hilfe käme. Er schlug deshalb vor, damit die Lebensmittel länger vorhielten, sollten alle bis auf fünfhundert beim ersten günstigen Winde die Stadt zu Schiffe verlassen, und erbot sich, selbst mit drin zu bleiben. Damit fand er jedoch keinen Anklang. Um trotzdem nichts zu versäumen und auch auswärts für die Stadt sein möglichstes zu tun, setzte er sich selbst in ein Schiff und ge­ langte damit unbemerkt durch die athenischen Posten. Während seines Aufenthaltes in Chalkidike beteiligte er sich dort mehrfach an kriegerischen Unternehmungen, insbesondere brachte er den Sermyliern durch einen ihnen in der Nähe ihrer Stadt gelegten Hinterhalt eine blutige Niederlage bei. Zugleich setzte er auch im Peloponnes alle Hebel in Bewegung, um von dort Hilfe zu erhalten. Unterdessen verheerte Phormion mit seinen sech­ zehnhundert Hopliten Chalkidike und Bottike und eroberte dort auch einige kleinere Plätze.
 
Dies aber wurde die zweite Veranlassung zum Kriege zwischen den Athenern und den Peloponnesiern, weil die Ko­ rinther den Athenern nicht vergeben konnten, daß sie ihre Pflanzstadt Potidäa und die darin befindlichen Korinther und Peloponnesier belagerten, die Athener aber sich dadurch gekränkt fühlten, daß die Peloponnesier eine steuerpflichtige Stadt ihres Bundes zum Abfall verleitet und mit den Potidäern offen gegen sie gefochten hatten. Förmlich ausgebrochen aber war der Krieg damit noch nicht, sondern das Schwert steckte einstweilen noch in der Scheide, denn bis dahin hatten die Korinther nur auf eigene Hand gehandelt.
 
Denen aber ließ die Belagerung von Potidäa keine Ruhe, nicht nur weil ihre Landsleute sich in der Stadt befanden, sondern auch weil sie sich selbst Sorge darüber machten. Sie luden auch gleich zu einer Versammlung nach Lakedämon ein, wo sie dann gegen die Athener, die Friedensbrecher, die sich gegen den Peloponnes jede Gewalttat erlaubten, gewaltig ins Zeug gingen. Auch die Ägineten, welche zwar aus Furcht vor den Athenern die Versammlung nicht offen beschickt hatten, hetzten dort unter der Hand um so eifriger zum Kriege, indem sie sich darüber beschwerten, daß man die ihnen vertragsmäßig gewährleistete Unabhängigkeit ihnen vorenthalte. Aber auch die Lakedämonier luden ihre Bundesgenossen und alle, die sich sonst über die Athener zu beshcweren hätten, zu einer ihrer regelmäßigen Versammlungen ein und forderten sie auf, ihre Beschwerden vorzubringen. Und da traten sie denn einer nach dem anderen auf, um sich zu beschweren, insbesondere beklagten sich die Megarer namentlich auch darüber, daß man ihnen vertragswidig die Häfen innerhalb des athenischen Macht­ bereichs und den attischen Markt verschlossen habe. Zuletzt traten die Korinther auf, die damit gewartet hatten, um die Lakedämonier durch die anderen erst scharf machen zu lassen, und redeten also:
 
„Ehrlichkeit in Politik und Verkehr versteht sich bei euch zu Lande so sehr von selbst, Lakedämonier, daß ihr immer un­ gläubig seid, wenn wir anderen uns über jemand beshcweren. Allerdings schützt euch das vor Übereilungen, ist aber doch auch wieder schuld daran, daß ihr über auswärtige Verhält­ nisse vielfach so schlecht unterrichtet seid. Wie oft haben wir euch vorhergesagt, was die Athener gegen uns im Schilde führten, aber niemals habt ihr es der Mühe wert gehalten, die Richtigkeit unserer Behauptungen ernstlich zu prüfen, weil ihr uns immer im Verdacht hattet, daß es nur kleinliche Sonder­ interessen seien, deretwegen man solche Rede führe. Deshalb habt ihr auch diesmal die Bundesgenossen nicht beizeiten zu­ sammenberufen, sondern erst jetzt, wo es ihnen bereits an den Kragen geht. Unter denen aber kommt es uns hier um so mehr zu, das Wort zu nehmen, je mehr grade wir Ursache haben, uns über den Übermut der Athener und über eure Gleichgültig­ keit zu beklagen. Wenn die Athener ihren Unfug in Griechen­ land im verborgenen getrieben hätten, dann müßte man frei­ lich denken, daß euch nichts davon bekannt geworden sei, und euch darüber belehren. Aber bedarf es jetzt noch langer Reden? Seht ihr doch selbst, wie sie die einen schon unterjocht haben und im Begriff sind, es mit anderen, und zwar grade unseren Bundesgenossen, ebenso zu machen, und auch für den Fall eines Krieges mit ihren Rüstungen längst fertig sind. Sonst hätten sie uns ja Kerkyra nicht mit Waffengewalt nehmen und Potidäa nicht belagern können, von denen dies für die Aus­ nutzung deS thrakischen Küstenlandes so günstig liegt, jenes aber den Peloponnesiern eine vortreffliche Flotte verschafft haben würde.
 
„Und daran seid ihr schuld; denn ihr habt sie nach den Perserkriegen erst ihre Stadt befestigen und dann die langen Mauern bauen lassen und damit nicht nur ihre bisherigen eigenen Untertanen, sondern jetzt auch eure Bundesgenossen für immer der Freiheit beraubt. Nicht wer die Ketten schmiedet, sondern wer das hindern kann und nicht hindert, ist der wirk­ lich Schuldige, mag er sich auch noch soviel darauf zugute tun, der Befreier Griechenlands zu heißen. Mit knapper Not sind wir hier jetzt wenigstens zusammengekommen, wissen aber immer noch nicht, wozu. Nicht darum handelt eS sich jetzt, erst lange zu untersuchen, ob man uns wirklich auf die Füße tritt, sondern darum, uns unserer Haut zu wehren. Denn unser Gegner weiß, was er will, und wird sich nicht lange besinnen, unS zu Leibe zu gehen. Wir kennen ja die Methode der Athener, Schritt für Schritt gehen sie gegen die anderen vor. Solange sie glauben, daß ihr mit eurem Fischblut kein Arg daraus habt, lassen sie sich Zeit; merken sie aber erst, daß ihr Bescheid wißt und sie doch gewähren laßt, so werden sie uns bald ganz anders kommen. Unter allen Griechen seid ihr Lakedämonier die einzigen, die sich dadurch in ihrer Ruhe nicht stören lassen. Statt dem Feinde die Zähne zu zeigen, meint ihr, es sei schon mit dem guten Willen genug, um ihn sich vom Leibe zu halten. Nur ihr laßt den Feind erst seine Kräfte verdoppeln, statt jeden Versuch dazu gleich im Keime zu ersticken. Es heißt freilich, auf euch könne man sich verlassen. Aber eure Taten sind nicht danach gewesen. Wir wissen noch, wie die Perser damals ihr Heer von den Enden der Welt schneller nach dem Peloponnes führten, als ihr eures glücklich auf die Beine brachtet. Auch jetzt wieder macht ihr euch um die Athener keine Sorgen, obgleich diese nicht wie die Perser hinten fern in Asien, sondern hier vor euren Toren wohnen. Statt dem Feinde zuerst zu Leibe zu gehen, meint ihr, euch auf die Ver­ teidigung beschränken zu können, um es im Kampfe mit einem so mächtigen Gegner schließlich auf gut Glück ankommen zu lassen. Bekanntlich haben sich die Perser ihre Niederlagen meist durch eigene Schuld zugezogen, und auch wir haben unsere gelegentlichen Erfolge den Athenern gegenüber ihren Fehlern, nicht etwa eurer Hilfe zu verdanken gehabt. Schon manchem, der sich nicht selbst vorgesehen, weil er sich auf euch verließ, ist das zum Verderben geworden. Glaubt nicht, daß wir das hier aus Feindschaft gegen euch sagen. O nein; es ist uns nur um die Wahrheit zu tun. Mit dem Feinde, der uns be­ leidigt, geht man ins Gericht; einem Freunde, der sich nur auf falschem Wege befindet, sagt man die Wahrheit.
 
„Jedenfalls halten wir uns so gut wie jeder andere für berechtigt, den Leuten offen zu sagen, was wir an ihnen aus­ zusetzen haben, zumal in einer so kritischen Lage, wo Interessen auf dem Spiel stehen, von deren Bedeutung ihr anscheinend keine Ahnung habt. Wahrscheinlich habt ihr noch nie daran gedacht, mit wem ihr es zu tun habt und wie sehr die Athener euch in vieler Beziehung überlegen sind. Bei ihnen macht man sich jede Erfindung gleich zunutze, hat immer neue Ideen und weiß sie sofort praktisch zu verwerten. Ihr dagegen hängt immer am Alten, habt überhaupt keine Ideen, und selbst das Notwendigste unterbleibt. Und weiter: Bei ihnen gilt nichts für unmöglich, sie wagen das Unglaubliche und lassen auch im Unglück den Kopf nicht hängen. Ihr dagegen meint immer, alles gehe über eure Kräfte; ist die Gelegenheit noch so günstig, habt ihr Bedenken, und wenn euch mal was fehlschlägt, gebt ihr gleich alles verloren. Sie die Tätigkeit selbst, hier alles Schlendrian; sie beständig unterwegs, ihr bleibt zu Hause; sie überzeugt, daß jede auswärtige Unternehmung sich bezahlt macht, ihr in ewiger Furcht, dabei wohl gar vom Kapital zuzusetzen. Einen Sieg wissen sie wohl auszunutzen und auch nach einer Niederlage dem Feinde immer noch an der Klinge zu bleiben. Für ihre Stadt lassen sie ihr Leben, als ob nichts daran ge­ legen wäre, und nur in der Hingebung an daS Vaterland er­ blicken sie ihr wahres Selbst. Jeden mißglückten Plan be­ trachten sie als ein persönlich zugefügtes Unrecht und jede ge­ lungene Unternehmung nur als den ersten Schritt zu neuen, größeren Erfolgen. Schlägt ihnen ein Unternehmen fehl, so haben sie gleich einen neuen Plan bei der Hand und hoffen damit das Loch wieder zu verstopfen. Nur bei ihnen ist, wo es was zu erreichen gilt. Hoffen und Haben schon dasselbe, weil bei ihnen daS Vollbringen dem Wollen auf dem Fuße folgt. So arbeiten sie sich unter Mühen und Gefahren Tag für Tag ab, ohne ihres Besitzes wirklich froh zu werden, weil sie immer noch mehr haben wollen. Außer der Erfüllung ihrer Pflicht kennen sie kein Vergnügen, und müheloses Nichtstun ist ihnen mehr zuwider alS angestrengte Arbeit. So könnte man nicht unzutreffend mit einem Worte sagen, sie seien dazu geschaffen, nie zur Ruhe zu kommen und andere nicht in Ruhe zu lassen.
 
„Solcher Stadt gegenüber, Lakedämonier, verzichtet ihr auf jede aktive Politik und wollt nicht glauben, daß man niemand lieber in Ruhe läßt als einen schlagfertigen Gegner, der selbst niemand zu nahe tritt, aber zeigt, daß er gegebenen­ falls den Krieg nicht fürchten wird. Ihr möchtet selbst niemand angreifen, aber einen feindlichen Angriff ohne Schaden bestehen können und dabei beidem zugleich gerecht werden. Aber daS wird euch schwerlich gelingen, selbst wenn eure Herren Nachbarn ebenso dächten. Augenblicklich sind, wie schon gesagt, eure Ein­ richtungen ihnen gegenüber völlig veraltet. Wie in technischen Betrieben, so läuft man mit den neuesten Erfindungen anderen eben überall den Rang ab. In Zeiten politischen Stillebens hat es ja viel für sich, an den bestehenden Einrichtungen nicht zu rütteln; sieht man sich aber dann mit einmal vor eine Fülle neuer Aufgaben gestellt, so wird es unvermeidlich, hie und da die bessernde Hand anzulegen. Darum ist es auch bei den rührigen Athenern weit mehr zu Neuerungen gekommen als bei euch. Laßt es also endlich mal mit eurem Zuwarten genug sein und kommt euren Freunden, namentlich, wie ihr es ver­ sprochen habt, Potidäa zu Hilfe. Fallt unverzüglich nach Attika ein, um nicht eure Freunde und Stammesgenossen ihren ärgsten Feinden preiszugeben und uns alle zu nötigen, uns aus Ver­ zweiflung nach neuen Bundesgenossen umzusehen. Weder in den Augen der Götter unseres Bundes noch nach dem Urteil einsichtiger Menschen würden wir damit ein Unrecht tun. Denn nicht wer sich in der Not nach neuer Hilfe umsieht, sondern wer seinen Bundesgenossen in der Not im Stich läßt, ist der Bundbrüchige. Wollt ihr uns helfen, so bleiben wir; denn dann wäre es gegen unser Gewissen, die Farbe zu wechseln, würden wir doch auch niemand finden, mit dem wir lieber gingen als mit euch. Das also überlegt euch und hütet euch, den Peloponnes unter eurer Herrschaft schwächer werden zu lassen, als ihr ihn von euren Vätern überkommen habt."
 
So die Korinther. Zufällig waren damals schon vorher auch aus Athen in einer anderen Angelegenheit Gesandte nach Lakedämon gekommen. Als sie von diesen Reden hörten, glaubten sie auch vor den Lakedämoniern auftreten zu müssen, nicht um sich vor ihnen gegen die Klagen der Städte zu verteidigen, sondern um ihnen zu empfehlen, keinen übereilten Beschluß zu fassen, und sich die Sache erst reiflich zu überlegen. Zugleich wollten sie ihnen einen Begriff von der Macht ihrer Stadt beibringen und die Alteren an die Dinge erinnern, die sie selbst mit durchgemacht, den Jüngeren aber, die sie noch nicht mit­ erlebt, davon erzählen, um ihnen dadurch die Kriegslust zu be­ nehmen. Sie wandten sich also an die Lakedämonier und er­ klärten, sofern dem nicht etwa Bedenken entgegenstünden, wünschten auch sie in der Volksversammlung ein Wort zu sagen. Nachdem man ihnen das freigestellt, traten sie denn auch auf und redeten also:
 
„Wir sind allerdings nicht gesandt, um mit euren Bundes­ genossen zu streiten, sondern um die uns von unserer Stadt aufgetragenen Geschäfte zu erledigen; da wir jedoch von schweren Vorwürfen hören, die hier gegen uns erhoben werden, so treten auch wir hier auf, nicht um uns gegen die Beschuldigungen der Städte zu verteidigen - wärt ihr ja auch nicht die Richter, um zwischen uns und ihnen zu entscheiden -, sondern damit ihr euch in dieser ernsten Sache nicht etwa in blindem Ver­ trauen auf die Behauptungen eurer Bundesgenossen zu törichten Beschlüssen verleiten laßt; zugleich wollen wir alle den Schwätzern, die uns hier was am Zeuge flicken wollen, das Maul stopfen und euch beweisen, daß wir alle unsere Besitzungen redlich er­ worben haben und daß mit unserer Stadt denn doch nicht zu spaßen ist. Wozu von alten Zeiten reden, von denen man hier höchstens noch von Hörensagen, aber nicht mehr aus eigener Anschauung weiß. Dagegen können wir nicht umhin, von den Perserkriegen zu reden, die ihr selbst noch miterlebt habt, wenn ihr es auch wohl nachgrabe überdrüssig seid, sie euch immer wieder vorrücken zu lassen; denn damals haben wir unsere Haut fürs gemeine Beste zu Markte getragen, und da auch euch das mit zugute gekommen ist, werdet ihr uns schon ge­ statten müssen, darauf jetzt, soweit es im Interesse der Sache liegt, mit einigen Worten zurückzukommen. Es geschieht das nicht, um uns weiß zu waschen, sondern um euch einen Be­ griff davon zu geben, mit wem ihr es zu tun haben werdet, wenn ihr einen unüberlegten Beschluß faßt. Wir rühmen uns, bei Marathon allein gegen die Perser für Griechenland in die Bresche getreten zu sein, und dann, als sie zum zweiten Male kamen und wir uns ihrer zu Lande nicht erwehren konnten, mit Weib und Kind die Schiffe bestiegen und in der Schlacht bei Salamis mitgekämpft zu haben. Das allein aber hinderte sie, mit ihrer Flotte nach dem Peloponnes zu fahren und dort eine Stadt nach der anderen zu verwüsten. Denn bei der Größe ihrer Flotte wärt ihr alle miteinander nicht imstande gewesen, euch gegen sie zu wehren. Der beste Beweis ist der Perserkönig selbst, der sich nach der Niederlage seiner Flotte uns nicht mehr für gewachsen hielt und mit dem größten Teile seines Heeres schleunigst den Rückzug antrat.
 
„Damals also ist daS Schicksal Griechenlands durch die Flotte entschieden, und wir haben zum glücklichen Erfolge durch drei Dinge das meiste beigetragen; wir hatten die meisten Schiffe, den klügsten Feldherrn und die größte Opferwilligkeit. Denn beinah zwei Drittel von den vierhundert Schiffen gehörten uns, und unser Feldherr war Themistokles, der es hauptsächlich fertigbrachte, daß es in der Meerenge zur Schlacht kam, waS dann den glücklichen Erfolg herbeiführte. Habt ihr ihn doch selbst hier bei seinem Besuch, wie niemals sonst einen fremden Gast, gefeiert. Endlich haben wir auch die größte Opferwillig­ keit bewiesen. Da wir zu Lande keinen Beistand fanden und alles bis zu uns sich dem Feinde unterworfen hatte, mußten wir uns dazu verstehen, unsere Stadt zu verlassen und Hab und Gut aufzugeben. Unsere Bundesgenossen im Stich lassen wollten wir nicht, und da wir ihnen in der Zerstreuung nichts nützen konnten, begaben wir uns aufs Geratewohl zu Schiff, ohne euch nachzutragen, daß ihr uns nicht früh genug zu Hilfe gekommen wart. Wir dürfen also dreist behaupten, daß wir mehr für euch getan haben als ihr für uns. Solange uns noch zu helfen war, hattet ihr euch nicht blicken lassen. Wir dagegen hatten keine Stadt mehr, als wir uns aufmachten, und kaum noch Hoffnung, dermaleinst eine wiederzuhaben, als wir in den Kampf gingen, und trotzdem haben wir dann doch auch zu eurer Rettung das Unsrige beigetragen. Wären wir wie die anderen aus Furcht für unser Land auch zu den Persern übergegangen, oder hätten wir uns später in unser Schicksal ergeben und nicht gewagt, die Schiffe zu besteigen, so konntet ihr mit euren paar Schiffen nur einpacken, und den Persern wäre alles glatt nach Wunsche gegangen.
 
„Hätten wir mit unserer damaligen Opferwilligkeit und Klug­ heit nicht verdient, Lakedämonier, der Herrschaft wegen, die wir nun mal haben, in Griechenland nicht so scheel angesehen zu werden? Wir haben sie doch nicht mit Gewalt erworben, sondern weil ihr nicht mehr mitwolltet, als es galt, den Persern vollends den Rest zu geben, kamen uns die Bundesgenossen freiwillig mit der Bitte, den Oberbefehl zu übernehmen. Erst die Verhält­ nisse selbst haben uns dann später genötigt, das daraus zu machen, was inzwischen daraus geworden ist; hauptsächlich war es unsere eigene Sicherheit, dann unsere Ehre und schließlich auch unser Vorteil, waS unS dazu nötigte. Die meisten haßten uns, einige waren schon abgefallen und erst mit Gewalt wieder unterworfen, und auch eure Freundschaft zu unS war nicht mehr die alte, sondern durch Mißtrauen und Verstimmung getrübt, so daß es höchst bedenklich für uns gewesen wäre, locker zu lassen und dadurch neue Gefahren heraufzubeshcwören; denn sie würden alle zu euch übergegangen sein. Kann man es doch keinem verdenken, wenn er angesichts solcher Gefahren auf seine Sicher­ heit Bedacht nimmt.
 
„Ihr, Lakedämonier, führt euer Regiment ja auch so, daß ihr den peloponnesischen Städten Verfassungen in eurem Sinne aufzwingt. Hättet ihr damals den Oberbefehl bis zuletzt be­ halten und dabei so viel Haß geerntet wie wir, so würdet ihr die Bundesgenossen auch nicht mit Sammethandshcuhen an­ gefaßt und, wolltet ihr nicht selbst zu Schaden kommen, nicht umhin gekonnt haben, die Zügel scharf anzuziehen. Wir haben also durchaus nichts Wunderbares oder gar Unerhörtes getan, wenn wir eine uns angebotene Herrschaft angenommen und sie dann auch behauptet haben, weil uns drei mächtige Trieb­ federn, Ehre, Furcht und Vorteil, dazu drängten. Sind wir doch nicht die ersten, die es so gemacht, vielmehr ist es in der Welt von jeher so gewesen, daß sich der Schwächere dem Stärkeren hat fügen müssen. Und nach unserer Meinung kam uns das zu, und der Meinung seid ihr früher selbst gewesen, bis ihr es neuerdings vorteilhaft fandet, den Rechtsstandpunkt ins Feld zu führen; durch den aber hat sich noch niemand ab­ halten lassen, unbedenklich zuzugreifen, wo sich ihm zur Aus­ breitung seiner Macht Gelegenheit bot. Wenn aber ein Volk trotz des dem Menschen nun mal angeborenen Bedürfnisses, über andere zu herrschen, dann doch mit Gerechtigkeit regiert, auch wo seine Macht ihm das Gegenteil gestatten würde, so sollte man das anerkennen. Wie milde unsere Herrschaft ge­ wesen ist, würde sich wahrscheinlich erst recht zeigen, wenn ein anderer an unsere Stelle träte; aber statt das anzuerkennen, macht man uns in seiner Verbissenheit selbst unsere Milde zum Verbrechen.
 
„Eigentlich vergeben wir uns schon was damit, daß wir unseren Bundesgenossen in den Austrägen und vor unseren eigenen Gerichten völlige Rechtsgleichheit zugestehen, und trotz­ dem jammern sie noch über das ewige Prozesiseren. Sie be­ denken gar nicht, weshalb man anderen Staaten, die auch aus­ wärtige Besitzungen haben und ein weit härteres Regiment über ihre Untertanen führen als wir, solchen Vorwurf nicht macht. Wer Gewalt brauchen kann, hat eben nicht nötig, die Gerichte anzurufen. Sie kennen es aber nicht anders, als daß sie von uns auf gleichem Fuße behandelt werden, und wenn sie mal bei einer gerichtlichen Entscheidung oder einer Anord­ nung der Regierung auch nur um ein Haarbreit schlechter weg­ kommen, als sie es nach ihrer Meinung sollten, so danken sie uns nicht etwa, daß sie es bei uns immer noch so gut haben, sondern regen sich über eine solche Kleinigkeit mehr auf, als wenn wir uns von vornherein um kein Gesetz bekümmert und einfach vom Rechte des Stärkeren Gebrauch gemacht hätten. Dann freilich würden sie schon eingesehen haben, daß der Schwächere sich dem Stärkeren fügen muß. Aber, wie eS scheint, können die Menschen ein ihnen vermeintlich angetanes Unrecht schwerer ertragen als die drückendste Herrschaft; denn dabei glaubt man sich durch seinesgleichen übervorteilt, hierin dagegen erblickt man höhere Gewalt, die man eben über sich ergehen lassen muß. Von den Persern haben sie sich ganz andere Dinge ruhig gefallen lassen, unsere Herrschaft aber ist ihnen lästig. Kein Wunder, das Joch auf dem Nacken drückt am meisten. Solltet ihr uns wirklich besiegen und zur Herr­ schaft gelangen, so würdet ihr die Liebe, die man euch jetzt auS Furcht vor uns entgegenbringt, bald genug verlieren, wenigstens wenn ihr es immer noch so machtet wie damals während der kurzen Zeit eures Oberbefehls gegen die Perser. Bei euch zu­ lande hat man eben andere Gewohnheiten als anderswo, und obendrein richten sich eure Leute, einer wie der andere, sobald sie außer Landes sind, darnach so wenig wie nach dem, was sonst in Griechenland Landesbrauch ist.
 
„Faßt also keinen übereilten Beschluß; denn es handelt sich um keine Kleinigkeit. Laßt euch nicht durch Wünsche und Beklemmungen Dritter dazu drängen, euch für sie die Finger zu verbrennen. Bedenkt auch wohl, bevor ihr den Degen zieht, wie wenig man im voraus berechnen kann, was einem im Kriege begegnen mag. Dauert er länger, so muß man immer auf allerlei Wechselfälle gefaßt sein, von denen ihr so gut be­ troffen werden könnt wie wir, und wer kann wissen, wie der Hase läuft. Bei Beginn eines Krieges läßt man sich nur zu leicht im ersten Augenblick zu Schritten hinreißen, für die es später immer noch früh genug gewesen wäre, um dann erst hinterher durch Schaden klug zu werden. Da es dazu ja bis jetzt bei euch so wenig wie bei uns gekommen ist, können wir, solange I es für uns beide noch Zeit zu vernünftiger Überlegung ist, euch nur dringend raten, den beschworenen Frieden nicht zu brechen, sondern unseren Streit, wie es im Vertrage vorgesehen ist, durch schiedsrihcterliche Entscheidung schlichten zu lassen. Wollt ihr nicht, nun denn, so rufen wir die Götter, die über den Eid wachen, zu Zeugen an, und wenn ihr Krieg anfangt, werden wir eurem Beispiel folgen und uns mit den Waffen in der Hand zu wehren wissen."
 
So die Athener. Nachdem die Lakedämonier sowohl die Beschwerden der Bundesgenossen als die Rede der Athener angehört hatten, ließen sie alle abtreten, um unter sich darüber zu beraten, was nunmehr zu tun sei. Die Mehrheit entschied sich übereinstimmend dafür, die Athener wären im Unrecht, und man müsse ihnen auf der Stelle den Krieg erklären. Da aber trat ihr König Archidamos auf, ein anerkannt kluger und be­ sonnener Mann, und sagte:s

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